Beckenbauer fordert Winter-WM, Rauball will mehr Transparenz

Die Fifa ist nach der WM-Vergabe an Katar weiter in der Kritik

Köln. Die Liste der Fifa-Kritiker wird nach der Vergabe der WM 2022 an Katar immer länger, doch Franz Beckenbauer hat zumindest angesichts der Sommerhitze im Wüstenstaat einen Kompromissvorschlag parat. Nach Ansicht des deutschen Fußball-Kaisers könnte das Turnier im Winter 2022 ausgetragen werden. "Die Spielpläne der großen westeuropäischen Ligen müssten 2022 verändert werden. Das wäre kein allzu gravierender Einschnitt", sagte das Fifa-Exekutivmitglied der "Bild".

In der Bundesliga findet Beckenbauers Anregung Anhänger. "Ich finde das gar nicht so unrealistisch. Ich finde sogar auch für uns, für die Bundesliga, ist so etwas reizvoll", sagte Sportchef Rudi Völler von Bayer Leverkusen bei "Liga total": "Ich bin ja auch ein Fan davon, in der Bundesliga im Mai und im Juni zu spielen."

Trotz aller Vorbehalte appellierte Beckenbauer dafür, dem Gastgeber der Titelkämpfe 2022 "eine faire Chance" zu geben: "Auch bei Südafrika gab es Bedenken, und am Ende haben wir eine fantastische WM erlebt." Er sei sich sicher, dass dies auch den Katarern gelingen werde: "Sie werden das stemmen."

Für den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt ist die Entscheidung pro Katar hingegen "unfassbar". "Es kommt ja noch hinzu, dass drei Viertel dieses Boards, das dort entschieden hat bei der Fifa, im Jahr 2022 sowieso nicht mehr dabei sind. Man sollte sie alle abwählen", meinte Bruchhagen.

Liga-Präsident Reinhard Rauball bemängelte derweil fehlende Transparenz bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar. "Die Transparenz bei der Entscheidungsfindung ist eindeutig verbesserungsfähig", sagte Rauball dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Den Fans muss bei einer Entscheidung klargemacht werden, warum sich die Fifa für oder gegen ein Land entschieden hat."

Der ehemalige hochrangige Fifa-Mitarbeiter Guido Tognoni regte an, das Vergabeverfahren zu reformieren. "Jedes Land, das zu den Bewerbern gehört, kann die WM ausrichten. Man sollte einfach auslosen", sagte der Schweizer im ZDF-"Sportstudio".