Nachspiel

Dritter werden wir allemal

Ein Glosse von Rainer Grünberg

Deutschland ist ein glückliches Land. Die schlimmsten Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise scheinen überstanden, die Zahl der Arbeitslosen sinkt, und wir haben einen Bundespräsidenten, zwar erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen, aber immerhin. Dennoch: Die Nation kommt in diesen heißen Tagen nicht zur Ruhe. Landauf, landab quält das verzweifelte Volk nur eine Frage: Unterschreibt er oder nicht? Eine Schicksalsfrage für 82 Millionen. Wohl dem, der keine anderen Sorgen hat.

Wo schon Angela Merkel das Land nicht mehr führt, erwartet es Orientierung von Joachim Löw. Der ist Bundestrainer, und nur "Bild" weiß, dass er bleibt. Löw weiß es nicht, sagt er.

Jetzt aber dürfte der Zeitpunkt gekommen sein, ein wenig für Aufklärung zu sorgen: Auch ohne Löw wird die Nationalmannschaft den Ball flach halten, was ja als sein größtes Verdienst gilt, nachdem wir 20 Jahre lang Querschläger ertragen mussten. Die Talente hat ohnehin der Matthias Sammer ausgebildet, die Taktik der Urs Siegenthaler entworfen, für die Kondition haben die amerikanischen Fitnesstrainer gesorgt. Selbstvertrauen haben die Lahms und Schweinsteigers aus den Prognosen des Kraken Paul gezogen, und den blauen Kaschmir-Pullover hat Frau Löw ausgesucht.

Also: keine Panik. Der nächste Trainer kommt bestimmt. Und Dritter werden wir allemal.