Rooneys Traum: "Deutschland rauswerfen"

Vor Englands Spiel gegen Algerien denkt der Stürmer schon ans Achtelfinale

Kapstadt/Hamburg. Wayne Rooney ist für dreierlei bekannt: sein schlichtes Gemüt, seinen Torriecher und seine ungezügelte Angriffslust. Gestern ließ er Einblicke zu, wie es um sein Seelenleben bestellt ist. Seine Tage bei der WM beschrieb er mit: "Frühstück, Training, Mittag, Bett, Abendbrot, Bett." Erst als einer ihn auf die Deutschen ansprach, begann er zu brodeln. Rooney, 24 Jahre alter englischer Nationalstürmer, strich sich über seine Metzgerfrisur und legte den Kopf angriffslustig in den Stiernacken zurück. "Die Deutschen?", fragte er, und es war zu ahnen, dass er eine Attacke vorbereitete. In diesen Momenten ist er Kampfhund und Kindskopf zugleich, die Wut muss raus. "Ich will Deutschland aus dem Turnier werfen", schnaubte er.

Eine erstaunliche Kampfansage. Denn noch steht nicht fest, ob und wann Deutschland und England bei dieser WM aufeinandertreffen. Vielleicht am 26. oder 27. Juni im Achtelfinale, wenn die Teams Erster und Zweiter in ihren Gruppen werden. Doch zunächst muss England heute (20.30 Uhr/RTL) gegen Algerien gewinnen.

Rooneys verbaler Konter war nur die logische Konsequenz aus dem, was sich seit Tagen abspielt: Deutsche und Engländer beharken sich, wo sich eine Möglichkeit bietet. Das Duell der Erzrivalen hat längst begonnen. Zumal Franz Beckenbauer den Stein des Anstoßes gab. In seiner Kolumne für die südafrikanische Zeitung "Times" hatte er den Engländern attestiert, in die finsteren Fußballzeiten des "Kick and rush" zurückgefallen zu sein. Nach dem 1:1 der Engländer im ersten Gruppenspiel gegen die USA ließ er schreiben, dass die Vorstellung der Briten "nicht viel mit Fußball zu tun hatte".

Für Rooney nun war das eine Steilvorlage. Das läuft bei ihm ab wie im Spiel: Der Ball wird 20 Meter vor dem Tor zu ihm gepasst, und er besorgt den Rest. In diesem Fall: Pass Beckenbauer, Abschluss Rooney. "Es geht darum, wie man ein Turnier beendet und nicht wie man es beginnt", fauchte er in Richtung des Kaisers. Bislang habe er bei diesem Turnier noch keine Mannschaft gesehen, vor der England Angst haben müsse. Auch vor den Deutschen nicht. Sein Trainer Fabio Capello sprang ihm bei und behauptete: "Deutschland hat Angst vor uns."

Um nicht weiter in diplomatische Fallstricke verwickelt zu werden, schweigt sich das deutsche Lager jetzt aus. Nur der verletzte Kapitän Michael Ballack preschte vor. Bei den chronisch erfolglosen Engländern wiege "die Vergangenheit schwer", sagte er.

England: Green - Johnson, Carragher, Terry, Ashley Cole - Lampard, Barry - Lennon, Gerrard - Rooney, Heskey.

Algerien: Chaouchi (M'bolhi) - Bougherra, Halliche, Yahia - Guedioura, Lacen, Yebda, Belhadj - Boudebouz, Ziani, Matmour.

Schiedsrichter: Irmatow (Usbekistan).