Harte Kritik an Nationaltrainer Pim Verbeek

Medien und Experten in Australien kritisieren vor allem die Auswahl der Offensivkräfte

Durban. Zu alt, zu langsam, zu schlecht: Down Under prügelte nach dem 0:4-Debakel der Australier gegen Deutschland gnadenlos auf die "Socceroos" ein. "Unser schlechtestes Spiel aller Zeiten", titelte der "Daily Telegraph" aus Sydney. Angesichts der Schmach ging die Rote Karte gegen Tim Cahill und der damit drohende Ausfall des Starstürmers vom FC Everton für die WM-Vorrunde fast unter.

Im Kreuzfeuer der Kritik stand Nationaltrainer Pim Verbeek, der stoisch blieb. "Wir wurden in den ersten 25 Minuten ausgespielt. Deutschland hat verdient gewonnen", sagte der ehemalige Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach. Im achten Spiel bei einer WM blieb Australien zum sechsten Mal ohne Torerfolg. "Was in der Vergangenheit passiert ist, interessiert nicht. Wir müssen zwei Spiele gewinnen, um weiterzukommen. Unser nächstes Spiel ist bereits ein Finale", sagte der Niederländer über das Duell mit Ghana am 19. Juni.

Derweil droschen die Analysten auf Verbeek ein. "Wir haben mit sechs Mittelfeldspielern und ohne Stürmer gespielt", sagte Ex-Nationalspieler Robbie Slater. "Man muss doch wenigstens versuchen zu gewinnen. Das haben wir aber nie getan." Verbeek habe "große Arbeit geleistet, als er uns hierher gebracht hat", sagte Slater weiter: "Aber er muss einen großen Teil der Schuld an dieser Niederlage auf sich nehmen."

Die bohrenden Fragen konzentrierten sich unter anderem auf die Wahl der Offensivkräfte. Der ehemalige Deutschland-Profi Joshua Kennedy und Mark Bresciano saßen auf der Bank, der angeschlagene Star Harry Kewell wurde nicht gebracht. "Ich bin der Coach und dafür zuständig, die ersten elf Spieler auszuwählen. Deswegen würde ich meinen Spielern auch nie einen Vorwurf machen. Nach der Roten Karte für Cahill waren andere Spieler gefordert, und ich habe Kewell für das nächste Spiel geschont", sagte Verbeek.

Immerhin suchten die Aussies nicht nach Ausreden. "Das zweite Tor geht auf meine Kappe, auch den ersten hätte ich besser halten können", sagte der ehemalige Bundesligaprofi Mark Schwarzer. Die 37 Jahre alte Nummer eins konnte den strammen Schuss von Lukas Podolski zum 0:1 (8.) nicht parieren und kam beim Kopfball von Miroslav Klose (26.) zu spät raus. Rotsünder Cahill haderte derweil mit seinem Schicksal. "Das ist einer der schwärzesten Momente in meiner Karriere", sagte der 30-Jährige, der für ein hartes Tackling gegen Bastian Schweinsteiger (56.) von Schiedsrichter Marco Rodriguez (Mexiko) Rot gesehen hatte.