Umstrittene Entscheidung

Hertha BSC klagt über ein "geklautes Tor"

Berlin. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff stürmte Berlins Trainer Friedhelm Funkel auf Lutz Wagner zu und diskutierte mit dem Schiedsrichter. Die Entscheidung des Unparteiischen, das Kopfballtor von Theofanis Gekas in der 79. Minute wegen einer Abseitsposition nicht zu geben, erhitzte nach dem 0:0 von Hertha BSC gegen Borussia Dortmund die Gemüter. Für den Tabellenletzten aus der Hauptstadt könnte der umstrittene Pfiff ganz bittere Folgen haben.

"Ich war natürlich erbost und habe Herrn Wagner gefragt, warum er gepfiffen hat. Er sagte, er habe es getan, weil die Fahne seines Assistenten nach oben ging", sagte ein frustrierter Funkel. Auch Hertha-Manager Michael Preetz fühlte sich um den ersten Heimsieg seit dem 1:0 zum Saisonauftakt gegen Hannover 96 vor siebeneinhalb Monaten betrogen: "Der Schiedsrichter hat uns das Tor geklaut. Es war ein glasklarer Treffer. Es wäre fatal, wenn uns diese zwei Punkte am Ende fehlen sollten."

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp war da ganz anderer Meinung. "Das war zu einhundert Prozent Abseits", sagte Klopp und forderte: "Die Regeln müssen eindeutiger definiert werden. Jetzt geht der Mist wieder los, dass über passives Abseits diskutiert wird."

Folgendes war geschehen: Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger hatte auf den Griechen Gekas gepasst, der sich zum Zeitpunkt der Ballabgabe im Abseits befand, zunächst aber nicht an den Ball kam. Die entscheidende Frage, ob danach beim missglückten Rückpass von Felipe Santana eine neue Spielsituation entstanden war, legten beide Seiten unterschiedlich aus.

Die Fernsehbilder gaben jedoch der Hertha recht. Deutlich war zu sehen, dass die Rückgabe von Santana bewusst vorgenommen worden war. "Dadurch ist eine neue Spielsituation entstanden. In diesem Falle kann man nicht mehr auf Abseits entscheiden, deshalb war es aus meiner Sicht ein Tor", sagte DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel. Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller hatte gegen das Tor überhaupt nicht protestiert. "Als der Ball drin war, wollte ich schon auf meine Vordermänner losgehen", bekannte Weidenfeller nach dem Abpfiff.

Besonders bitter: Nach den Ausrutschern der Konkurrenten Nürnberg und Hannover hätte sich Berlin auf Schlagdistanz zu den Nicht-Abstiegsplätzen vorarbeiten können. Der 5:1-Coup beim Meister VfL Wolfsburg vor einer Woche war somit nur die Hälfte wert. Zudem ist für Innenverteidiger Roman Hubnik die Saison beendet. Der 25-Jährige erlitt einen Innenbandteilanriss, einen Innenmeniskusanriss sowie eine Zerrung des hinteren Kreuzbandes und fällt mindestens sechs Wochen aus.