Hertha BSC: Geldstrafe und Fanblock-Sperre

Die Ostkurve bleibt leer

Berlin/Frankfurt. Bundes (DFB) nicht lang. Gestern allerdings wurde bis in die Abendstunden debattiert. Es ging um die Jagdszenen nach dem Heimspiel von Hertha BSC gegen den 1. FC Nürnberg am vorvergangenen Wochenende, als zahlreiche Berliner Fans das Spielfeld gestürmt hatten. Dabei hatten sie mit Stangen eine Ersatzbank und Werbebanden zertrümmert.

Der Vorfall wird Hertha 50 000 Euro Strafe kosten. Zudem werden maximal 25 000 Zuschauer das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am 10. April besuchen dürfen. Die Ostkurve, Heimat der Hertha-Fans, muss komplett leer bleiben. "Wir können mit dem Urteil leben, es hätte uns härter treffen können", sagte Manager Michael Preetz. Allerdings muss er nun ein Problem lösen: Für die Partie gegen die Schwaben sind bereits 30 000 Karten abgesetzt, der Vorverkauf wurde gestern gestoppt. Hertha hat bereits 23 Randalierer mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt.

Mit dem Urteil setzte das Sportgericht eine Reihe wegweisender Entscheidungen fort. Denn bereits zuvor hatten die Sportrichter harte und ungewöhnliche Strafen verhängt. Der 1. FC Nürnberg wird bei den Auswärtsspielen in Freiburg (17..April) und Hamburg (1. Mai) fast komplett auf die eigenen Fans verzichten müssen. Für diese Partien dürfen keine Stehplatzkarten, sondern nur personalisierte Sitzplatztickets verkauft werden. Vor einem Monat waren während der Partie beim VfL Bochum im Nürnberger Fanblock Feuerwerkskörper entzündet worden, die acht Zuschauer verletzten.

Durch das Urteil entsteht dem 1. FC Nürnberg ein Verlust von rund 100 000 Euro, da dem SC Freiburg und dem HSV Schadensersatz in Höhe des entsprechenden Stehplatzkontingents gezahlt werden muss. Darüber hinaus wird der "Club" insgesamt 40 000 Euro spenden.

Auch die Anhänger des 1.FC Köln werden das Spiel ihrer Mannschaft am 10. April in Hoffenheim nur aus der Ferne verfolgen können. Mit der Kollektivsperre und einer zusätzlichen Geldstrafe in Höhe von 30 000 Euro reagierte das Gericht des Fußballverbandes auf insgesamt fünf Auswärtsspiele, bei denen Kölner Fans Feuerwerkskörper entzündet hatten.

Es ist das erste Mal in der Bundesligageschichte, dass derartige Strafen ausgesprochen wurden, betonte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts. Er sagte: "Wir wollen mit dieser Form der Sanktion das Übel an der Wurzel packen und gezielt den Auswärtsfan treffen." Laut Lorenz war vor Beginn der Verhandlung auch ein kompletter Zuschauer-Ausschluss möglich: "Das es jetzt ein Teilausschluss wurde, hat mehrere Gründe: Zum einen war es keine geplante und vorhersehbare Fanaktion, sondern eine spontane. Zum anderen ist der Verein in den letzten Jahren sportstrafrechtlich kaum in Erscheinung getreten. Zudem hat das Verhalten der Ordner zur Deeskalation beigetragen, es kam keine Person zu Schaden und es gab nur leichte Materialschäden."

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begrüßte das neue Strafverfahren: "In der Vergangenheit wurden durch die Urteile stets nur die Vereine getroffen. Nun wurden auch die Fans bestraft, die den Fußball als Plattform für Gewalt missbrauchen. Diese Klientel ist extrem schädlich für die Bundesliga", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Wie Hertha haben auch Nürnberg und Köln die Strafen akzeptiert. "Wir haben diesem Urteil zugestimmt und haben damit das Worst-Case-Szenario eines Teil- oder Vollausschlusses unserer Fans bei Heimspielen vermieden", sagte Michael Meier, Kölns Manager. Auch Martin Bader, der Nürnberger Sportdirektor, will nicht in Berufung gehen: "Der wirtschaftliche Schaden sowie der Mangel an Unterstützung schmerzt uns sehr, allerdings war es für uns wichtig, zumindest einem Teil unserer Fans die Möglichkeit zu geben, unsere Mannschaft im Abstiegskampf auch auswärts zu unterstützen."