Nachspiel

Löw und das Problem der Gerechtigkeit

Stellen Sie sich vor, Stefan Kießling wird mit Leverkusen ungeschlagen Meister und holt sich zum Nachtisch noch den Titel des Torschützenkönigs, während Stuttgarts Stürmer Cacau, der innerhalb einer Woche sieben Treffer (Liga, Champions League) erzielte, den VfB mit seinen Toren noch in die Europa League schießt. Und im Sommer schaut sich einer dieser Qualitätsangreifer die WM nur vor dem TV an.

Genau das könnte passieren, schließlich sind bei Bundestrainer Joachim Löw vor dem Argentinien-Spiel am Mittwoch neben Mario Gomez auch noch Lukas Podolski, dem abseits der DFB-Auswahl sein Torriecher abhanden gekommen zu sein scheint, und Dauerreservist Miroslav Klose gesetzt.

Genau hier fängt das Gerechtigkeitsdilemma für Löw, der mit Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Thomas Müller, Toni Kroos, Aaron Hunt, Marko Marin sowie den HSV-Profis Piotr Trochowski und Marcell Jansen über eine reichhaltige Auswahl im Offensivbereich verfügt, an. Wie sehr muss er nach Leistung nominieren? Wie hoch darf er dabei die Verdienste zum Beispiel eines Klose in den vergangenen Jahren berücksichtigen, der zudem in der Hierarchie der deutschen Mannschaft ganz oben steht und im DFB-Trikot stetig seine Leistung brachte?

Für Löw wird es schwer. Aber: Das beste Team muss nicht die Summe der besten Einzelkönner sein, die gelungene Komposition der Charaktere und Führungsstärke sind genauso wichtig. Nur Tore alleine dürfen nicht das Nominierungskriterium sein.