Interview mit dem neuen Manager des VfL Wolfsburg

Dieter Hoeneß: Ein überraschender Titel birgt auch große Gefahren

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Hamburg/Wolfsburg. Dieter Hoeneß, Wolfsburgs neuer Manager, hat derzeit einen 16-Stunden-Tag. Neue Spieler und ein neuer Trainer wollen gefunden werden. "Es wird keine Schnellschüsse geben. Wichtig ist, dass uns die Neuen perspektivisch helfen", sagte Hoeneß im Gespräch mit dem Abendblatt.

Abendblatt:

Herr Hoeneß, in den vergangenen 14 Tagen haben Sie das gesamte Programm eines Bundesliga-Managers im Zeitraffer erlebt. War es das, was Sie vermisst haben?

Dieter Hoeneß:

Es hat zwar gekribbelt, aber einen vorzeitigen Trainerwechsel verkünden zu müssen, das habe ich keineswegs vermisst. Auch auf der persönlichen Ebene ist ein solches Ereignis nicht schön, selbst wenn es so professionell abläuft wie mit Armin Veh.

Abendblatt:

Gab es für Sie die Alternative, das Leben anderweitig zu genießen?

Hoeneß:

Ich weiß schon mit meinem Leben außerhalb des Fußballs etwas anzufangen. Aber mir war immer klar, dass ich wieder bei einem Verein arbeiten wollte. Ich brauchte nach der Zeit bei Hertha aber ein halbes Jahr Pause. Zum einen, um Abstand zu gewinnen. Nach 13 Jahren, die man emotional stark mit einem Klub verbunden war, kann man nicht im fliegenden Galopp das Pferd wechseln. Zum anderen wollte ich auch ein paar Dinge machen, zu denen ich vorher kaum gekommen bin.

Abendblatt:

Hätte es Ihren Job nicht erleichtert, wenn Sie Ihre Arbeit in Wolfsburg einen Monat früher begonnen hätten?

Heoneß:

Das ist alles hypothetisch. Mitte Dezember habe ich mit den Verantwortlichen des Vereins konkret verhandelt, mich dann schnell entschieden - und natürlich auch sofort die Arbeit aufgenommen. Vorher wäre es also gar nicht gegangen - auch weil ich diese sechs Monate Abstand brauchte.

Abendblatt:

In Hamburg heißt es, Sie waren beim HSV ein Kandidat für den Posten des Sportchefs. Gab es Kontakte?

Hoeneß:

Nachdem ich nicht mehr für die Hertha tätig war, gab es den einen oder anderen Kontakt zu verschiedenen Klubs im In- und Ausland. Welche es gewesen sind, werde ich nicht erzählen. Das macht man nicht.

Abendblatt:

Ist Wolfsburg das Eldorado für Fußball-Manager?

Hoeneß:

Weil wir mit Volkswagen einen starken Partner im Rücken haben? Nein, auch hier muss im Rahmen der Möglichkeiten gewirtschaftet werden. Aber es ist sicher schön, einen fußballbegeisterten und auch sportlich ehrgeizigen Weltkonzern an seiner Seite zu wissen.

Abendblatt:

Steht VW zu dem Ziel, dem VfL zu einem europäischen Spitzenklub zu machen, der mittelfristig die Champions League gewinnen kann?

Hoeneß:

Dieses Ziel kenne ich nicht. Aber natürlich sind wir beim VfL Wolfsburg ambitioniert. Wir wollen uns im ersten Drittel der Bundesliga etablieren. Das bedeutet im optimalen Fall die Meisterschaft. Das bedeutet aber auch, dass man als Sechster den Europapokal mal verpassen kann. Eine regelmäßige Teilnahme am Europapokal streben wir jedoch an. Dabei darf man nicht vergessen, dass dieses Ziel acht, neun weitere Vereine haben. Die Bundesliga ist ein harter Wettbewerb, der härteste in Europa.

Abendblatt:

War es ein Fehler, Armin Veh die Verantwortung für gleich drei Geschäftsfelder zu übergeben? Braucht ein Verein, der deutscher Meister ist, nicht breitere Strukturen?

Hoeneß:

Natürlich birgt eine überraschende Meisterschaft, wie sie der VfL 2009 geholt hat, auch große Gefahren. Die meisten Spieler müssen erst lernen, mit all den Begleiterscheinungen umzugehen. Das ist anderen Vereinen vor Wolfsburg ähnlich gegangen. Nur der FC Bayern hat über Jahre den Umgang mit dem Erfolg lernen können. Sicher ist es so, dass wir uns neben dem sportlichen Vorankommen auch über die Vereinsstrukturen Gedanken machen müssen. Felix Magath hat hier Erstaunliches geleistet. Doch nach zwei Jahren war er mitsamt seinem Stab wieder weg. Bei einem Klub geht es auch um Nachhaltigkeit, um Unabhängigkeit von einzelnen Personen.

Abendblatt:

Wird es in dieser Saison noch den dritten Cheftrainer des VfL geben?

Hoeneß:

Wir haben mit Lorenz-Günther Köstner jetzt einen erfahrenen Mann auf der Trainerbank sitzen, der in der jetzigen Situation, in der die Mannschaft nach den vielen Misserfolgen stark verunsichert ist, für die nötige Ruhe sorgen soll. Je erfolgreicher er arbeitet, umso mehr Zeit haben wir bei der Klärung der Frage, wer neuer Cheftrainer des VfL Wolfsburg werden soll. Dies kann auch bis zum Saisonende dauern.

( Interview: Rainer Grünberg )