Die Bundesliga-Kolumne

Kuranyi lässt schwache Schalker weiter jubeln

In der Winterpause hatte ihn Trainer Felix Magath aus Kostengründen nach England zu verkaufen versucht, doch Kevin Kuranyi wollte lieber weiter auf Schalke Tore schießen. Wie wertvoll der ehemalige Nationalstürmer in dieser Saison wieder ist, bewies er gegen den 1. FC Nürnberg erneut. Kuranyi nutzte drei Minuten nach dem Seitenwechsel einen Querpass von Jefferson Farfan zum 1:0-Siegtreffer aus drei Metern. Es war sein neuntes Saisontor. Mit der Leistung seiner Mannschaft haderte Magath: "Das war diesmal nichts."

Kaum hatte Herbstmeister Bayer Leverkusen mit dem 4:2 gegen Mainz das Gerede von der obligatorischen Rückrundenkrise verstummen lassen, da ging Trainer Jupp Heynckes zum Gegenangriff über. "Meine Mannschaft hat Potenzial und Klasse. Wer ein wenig von Fußball versteht und uns in der Hinrunde gesehen hat, der weiß, dass wir so weiter Erfolg haben werden." Der Optimismus nach dem gelungenen Rückrundenauftakt ist unterm Bayer-Kreuz groß. "Ich habe nicht das Gefühl, dass es in dieser Saison einen Einbruch geben wird", sagte Sportchef Rudi Völler.

Ein bestens gelaunter Louis van Gaal freute sich nach dem 2:0 des FC Bayern gegen 1899 Hoffenheim über einen perfekten Start ins neue Fußballjahr - und dass sein Team "erneut ein bisschen Angst bei der Konkurrenz verbreitet" hatte. Und die Münchner werden noch stärker. Am Sonntag übte bei Tauwetter auch der französische Patient wieder mit der Mannschaft. "Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass Franck Ribéry am nächsten Sonnabend bei Werder Bremen spielen wird", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Das steigert den Optimismus an der Säbener Straße. "Jetzt kommt noch Franck dazu, und wenn wir immer so auftreten wie in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim, werden wir nicht mehr viele Spiele verlieren", stellte Mario Gomez selbstbewusst fest.

In Hannover ist die Stimmung im (Tabellen-)Keller: Für Trainer Andreas Bergmann droht das Spiel am Sonnabend in Mainz zu seinem persönlichen Finale zu werden. "Es ist davon auszugehen, dass Herr Bergmann in Mainz auf unserer Bank sitzen wird", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke, erhöhte aber nach einer Krisensitzung mit Klubchef Martin Kind und Teilen des Aufsichtsrates den Druck: "Ich habe Herrn Bergmann gesagt, dass wir so schnell wie möglich die Wende schaffen müssen." Vertrauen klingt anders. Sieben Pflichtspiele in Folge ohne Sieg und die desaströse Leistung beim 0:3 gegen Tabellenschlusslicht Hertha BSC haben Spuren hinterlassen. Für die Berliner war Hannover der ideale Aufbaugegner. Zwei Spiele haben sie in dieser Saison gewonnen, beide gegen Hannover (Hinspiel: 1:0). "Wir müssen die Euphorie niedrig halten", sagte Hertha-Kapitän Arne Friedrich. Und Trainer Friedhelm Funkel ergänzte: "Das waren die ersten drei von 28 Punkten, die wir in der Rückrunde holen müssen."

Auch bei Werder Bremen hängt nach dem 0:1 in Frankfurt der Haussegen schief. Geschäftsführer Klaus Allofs zürnte: "Ich dachte, wir haben unsere Lehren aus den letzten Niederlagen gezogen. Aber offenbar bedurfte es eines weiteren Dämpfers. So haben wir nach oben hin keine Chance. Wir sind nicht mehr bereit, die Dinge zu machen, die uns stark gemacht haben. Wir wollen alles mit spielerischen Mitteln lösen und den Ball ins Tor tragen." Allofs prangerte fehlende Laufbereitschaft und mangelndes Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen an. "Wenn wir unsere Stärken nicht einbringen, sind wir nur eine normale Mannschaft. Dann muss mir keiner was von Potenzial oder magischen Dreiecken erzählen."