Nachspiel

Löws Nummer eins muss bald stehen

Nach der starken Leistung von René Adler gegen Südafrika in seinem Leverkusener Stadion sind die Diskussionen wieder neu entfacht: Müsste der Bayer-Torwart aufgrund seines enormen Potenzials nicht jetzt schon den Platz im Kasten der Nationalmannschaft übernehmen?

Der Stand des Wettkampfs: Bis zum Ende der WM-Qualifikation gegen Finnland in Hamburg (14. Oktober) genießt Robert Enke das Vertrauen. Der Hannoveraner darf auch in "seinem Stadion" gegen Aserbaidschan und beim wohl entscheidenden Spiel in Russland (10. Oktober) ran. Während Adler in zwei Tagen zumindest auf der Bank sitzt, musste Werders Tim Wiese ganz zu Hause bleiben, was bekanntlich ihn und die Bremer Offiziellen mächtig erzürnte.

Zwar hat Bundestrainer Joachim Löw bis zur WM einen Vierkampf im Tor ausgerufen, zu dem auch Schalkes Manuel Neuer gehört, doch in Wahrheit liefern sich Enke und Adler ein Duell um den Job als Nummer eins. Und da Wiese wegen seiner bekannt aufbrausenden Art kaum als dritter Torwart taugt, muss er befürchten, noch nicht einmal als Ersatz des Ersatzes nach Südafrika fahren zu dürfen, sofern die Qualifikation für die Endrunde gelingt. Schließlich muss sich die Nummer drei vor allem in Demut und Geduld üben, zwei Charaktereigenschaften, die bei Wiese nicht außerordentlich stark ausgeprägt sind.

Vieles spricht bei der T-Frage derzeit für Enke, er geht von der "Pole Position" in die heiße Phase des Rennens. Sollte er sich keine schlimmen Patzer erlauben, dürfte der 32-Jährige seinen Posten behaupten, und das ist auch gut so. Potenzial alleine ist gut und schön, nützt aber nichts bei einem Turnier. Enke wird auch mit seiner Persönlichkeit im Nationalmannschaftskreis geschätzt. Adlers Zeit wird aber nach der WM kommen.

Löw täte gut daran, den bewusst geschürten Konkurrenzkampf möglichst bald zu beenden, schließlich gibt es in der Abwehr noch die meisten Baustellen. In der Innenverteidigung ist nur Per Mertesacker (Bremen) gesetzt, auf der linken Seite konnte sich Marcel Schäfer (Wolfsburg) noch nicht festspielen.

Mit der Entscheidung für einen Torwart würde Löw dem Defensivverbund die Chance geben, sich einzuspielen. Außerdem ist ein Torwart eine besondere Spezies Fußballer, die ihren Antrieb auch aus dem Selbstvertrauen, dem Glauben in die Stärke speist.

Die Phase des Experimentierens sollte logischerweise möglichst bald auch in der Innenverteidigung vorbei sein. Für den hochtalentierten Jerome Boateng wird die Zeit bis zur WM 2010 wohl zu knapp, Löw hat den Hamburger, der mit der U-21-Auswahl den EM-Titel holte, eher mittelfristig auf dem Zettel.