TV-Kritik

Mein Fußballheld heißt Mario

Armgard Seegers

Jedes Drama braucht seinen Helden. Da ist ein Fußballspiel kein bisschen anders als Theater. Mein Held im Spiel Italien - Kroatien heißt Mario. Angefangen hat alles mit Klamotten. Noch vor Spielbeginn hatte sich Reinhold Beckmann mit Lothar Matthäus unterhalten. Matthäus gilt, seit er mal ein Fernsehteam zu seinem Kleiderschrank geführt und, über seine Jacketts streichend, stolz gesagt hatte, "alles Versattsche", als Italienexperte. Um Klamotten ging's dann auch im Einspieler, der Italiens Mario Balotelli zeigte, wie er vergebens versucht, ein Hemd anzuziehen. Man weiß es ja, wer's nicht im Kopf hat, muss es in den Beinen haben.

Balotelli ist der, der sein eigenes Haus mit Feuerwerkskörpern angezündet hat. Der unlängst mit seinem Bentley einen Unfall baute und wusste: "Es war nicht meine Schuld. Dieses Auto kreuzte plötzlich meinen Weg." Und dann seine Affäre mit einer Stripperin, die er seiner Freundin nicht erklären konnte. Kürzlich sagte er zum Trainer: "Ich will zum Psychiater, muss meinen Kopf neu sortieren."

Sortieren? Was gibt's denn da zu sortieren? Der soll Fußball spielen. Balotelli wird in diesem Spiel mein Fußballheld. Denn auch der Laie weiß: "Dumm kickt gut!" Eigentlich macht er sich nicht schlecht, ein paar Torchancen hat er. Doch dann wird er ausgewechselt, und gleich darauf schießt Mario Mandzukic für Kroatien ein Tor. Klar, mein Held heißt Mario.