In den Fängen der Bürokratie

Eishockeyprofi Adam Mitchell von den Hamburg Freezers wartet weiter auf den deutschen Pass.

Hamburg. Adam Mitchell ist ein Mann, der schlechte Laune nur vom Hörensagen kennt. Der Stürmer der Hamburg Freezers ist ein Sonnyboy, wie er im Buche steht. Immer gut drauf, nie um einen Spruch verlegen. Der Kanadier, der rein optisch auch gut in eine Boygroup passen würde, ist der Strahlemann beim Club aus der Deutschen Eishockey-Liga. In diesen Tagen fällt es dem 31-Jährigen jedoch etwas schwer, diese Rolle bei den Freezers auszufüllen. Wenn seine Teamkollegen am Freitag (19.30 Uhr, O2 World) vor heimischer Kulisse gegen den EHC Red Bull München in die neue Saison starten, muss Mitchell wahrscheinlich von der Tribüne aus zuschauen.

Der gebürtige Kanadier hatte bereits im März die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Im November vergangenen Jahres absolvierte der Stürmer den achtstündigen Sprachtest. „Schriftlich und mündlich. Das war echt nicht einfach. Ich war ziemlich nervös, bis ich nach sechs Wochen endlich die Ergebnisse bekam, das alles gut ist“, sagte Mitchell, der zum Warten verdammt ist. Mit den hiesigen Behörden ist alles geklärt, nur die Annullierung des kanadischen Passes fehlt bis heute. Normalerweise, so die offizielle Verlautbarung aus Kanada, dauert die Abwicklung einer Ausbürgerung vier bis sechs Monate. Mehrmals täglich greift Mitchell zum Handy und prüft, ob es endlich die erlösende Nachricht gibt. Da die Freezers keine der zwölf erlaubten Ausländerlizenzen an Mitchell vergeben wollen, kann der Offensivspieler derzeit nur trainieren und hoffen, dass sich die Posse bald klärt.

„Das ist echt Mist. Ich gehe nicht davon aus, dass ich gegen München auflaufen kann. Die Wahrscheinlichkeit würde ich auf 25 Prozent beziffern“, sagte Mitchell, dessen Mitspieler und Kumpel Frédérik Cabana in der Vorsaison dasselbe Schicksal durchmachen musste. Jeden Morgen bilden die beiden eine Fahrgemeinschaft aus Halstenbek, tauschen sich auf dem Weg zur Arena über Cabanas Erfahrungen aus. Vor allem die Machtlosigkeit nervt Mitchell. „Wir haben alles getan. Es fehlt, wie damals bei Frédérik, letztlich nur ein Stempel und eine Unterschrift eines Richters. Aber in Kanada sind noch Ferien, oder es gibt zu wenig Richter. Keine Ahnung!“, sagte Mitchell mit sarkastischem Unterton.

Dabei brauchen die Freezers Mitchell aktuell dringender denn je. Aufgrund der Personalnot in der Abwehr wäre der angehende Deutschkanadier eine Option für die Verteidigung. Zumal mit Matt Pettinger (Adduktorenprobleme) am Dienstag ein weiterer Defensivspieler pausieren musste. Ohnehin gehörte Mitchell zu den besten Profis der Vorbereitung. „Ich habe mein Sommertraining umgestellt, viele Ausdauerläufe gemacht. Jetzt kann ich über längere Zeit hohes Tempo gehen. Ich fühle mich richtig gut“, sagte Mitchell der das auch gerne in der DEL mit Leistung untermauern will. „Ich bleibe einfach positiv. Negative Gedanken helfen keinem: nicht mir und nicht meinem Team“, sagte Mitchell und untermalt diese Worte mit dem für ihn typischen Lächeln.