Der Heimvorteil ist weg

Die Hamburg Freezers unterliegen Iserlohn mit 3:4 und geraten in der DEL-Viertelfinalserie mit 1:2 in Rückstand

Hamburg. Als mit Kevin Schmidt der letzte Hamburger gesenkten Hauptes das Eis verließ, feierten die Spieler der Iserlohn Roosters ihren Überraschungscoup mit ihren siegestrunkenen Fans, die überschwänglich das „Sauerlandlied“ ins sich rasant leerende Rund brüllten. Mit 3:4 (0:1, 2:2, 1:1) haben die Hamburg Freezers ihr zweites Heimspiel der Best-of-seven-Viertelfinalserie verloren, sie liegen nun 1:2 zurück und müssen, um den zweiten Halbfinaleinzug der Clubhistorie zu schaffen, einmal in Iserlohn gewinnen – am besten bereits am Sonntag (14.30 Uhr) im vierten Spiel der Serie. „Wir müssen jetzt aufwachen und wie in der Hauptrunde zeigen, was wir können“, sagte Nationalstürmer Jerome Flaake.

Cheftrainer Benoît Laporte hatte seine Sturmreihen geringfügig umgestellt. Für Nico Krämmer, der zu Marius Möchel und Freddy Cabana in die vierte Reihe rotierte, rückte Julian Jakobsen in die Formation mit Thomas Oppenheimer und Phil Dupuis. Weil Laporte zudem zum dritten Mal in Serie Sébastien Caron im Tor den Vorzug vor Dimitrij Kotschnew gab, musste Verteidiger Daniel Nielsen als überzähliger Ausländer auf die Tribüne.

Der Plan, mit kontrolliertem Dauerdruck den Gästen aus dem Sauerland ihr System aufzuzwingen, war bereits nach vier Spielminuten reif für die Mülltonne. Nach dem ersten schnellen Gegenstoß war die Hamburger Defensive zu behäbig in die Rückwärtsbewegung gestartet. Den von Jeff Giuliano an die Plexiglasscheibe gedroschenen Puck konnte Alexander Foster mit der Hand aus der Luft pflücken und vor seinen Schläger platzieren, weil sich kein „Eisschrank“ bequemte, ihn daran zu hindern. Foster vollstreckte locker.

Ein Rückstand gegen die Roosters ist in einem Heimspiel besonders schlecht, weil diese sich dann mit fünf Spielern vor dem eigenen Tor postieren und nur noch darauf aus sind, das Spiel des Gegners zu zerstören und mit schnellen Kontern zuzustechen. Das ist ihnen nicht vorzuwerfen, es ist eine logische Folge der Erkenntnis, bei gleicher Spielerzahl auf dem Eis unterlegen zu sein. Die Freezers hatten zwar deutliches Übergewicht und erarbeiteten sich eine Reihe guter Torchancen, es fehlten jedoch Glück und Genauigkeit im Abschluss. Zudem war von den Importspielern zu wenig zu sehen.

Dazu kam, dass die Zuschauer leider zum Heimvorteil, den sich die Freezers durch den Gewinn der Hauptrundenmeisterschaft erarbeitet hatten, zu selten ihren Teil beitrugen. Natürlich ist es in einer Multifunktionshalle wie der O2 World unmöglich, die vielen Hundert Eventbesucher zu dauerhafter Anfeuerung zu bewegen. Aber wer am vergangenen Mittwoch bei der 0:3-Niederlage in Iserlohn die Atmosphäre erlebte, der muss konstatieren, dass es in Hamburg zu viele Klatschpappenfans gibt, die vergessen haben, dass sie Hände und Stimme zum Anfeuern haben. Dass die 500 mitgereisten Iserlohner oft lauter zu hören waren als die 12.300 Hamburger in der zum vierten Mal in der Saison ausverkauften Arena, muss sich auch der harte Kern der Freezers-Fans ankreiden lassen.

Bestes Indiz für den fehlenden Zuschauerdruck war der Fakt, dass Iserlohn erst in der 52. Minute die erste – und einzige – Strafzeit des Spiels absitzen musste, obwohl es zuvor einige Szenen gegeben hatte, die in der hitzigen „Hölle am Seilersee“ gegen die Gäste geahndet worden wären. Auch solche Kleinigkeiten können in den Play-offs entscheidend sein.

Immerhin bebte die Arena elf Sekunden nach Beginn des zweiten Drittels, als der sehr agile David Wolf zum Ausgleich traf. Im Anschluss spießten die Freezers die „Brathähnchen“ in deren Zone auf, vergaßen allerdings, sie über dem entfachten Feuer zu fixieren. Ein haarsträubender Scheibenverlust von Kapitän Christoph Schubert ermöglichte Martin Sertich bei einem Konter das 1:2. Zwar schlug Hamburg eine knappe Minute später durch eine Direktabnahme Garrett Festerlings zurück, doch nicht einmal 30 Sekunden später zeigte sich die Defensive erneut erschütternd fahrig, sodass Brodie Dupont die Roosters zum dritten Mal in Front bringen konnte. Die Schiedsrichter gaben das Tor erst nach Videobeweis, aber zu Recht.

Mit einem fulminanten Schlagschuss von der blauen Linie, der wie ein Blitz im rechten Giebel des Freezers-Tores einschlug, brach Brent Raedeke den Hamburgern gut 13 Minuten vor Spielende das Genick, mehr als das 3:4 durch den besten Hamburger, David Wolf, gelang nicht. Keine Frage, man kann in Iserlohn gewinnen. Dass man es nun muss, macht die Aufgabe allerdings nicht gerade leichter.

Tore: 0:1 (3:58) Foster (Frosch, Giuliano), 1:1 (20:11) Wolf (Flaake, Roy), 1:2 (34:56) Sertich (Dupont), 2:2 (35:43) Festerling (Flaake, Wolf), 2:3 (36:08) Dupont (Sertich, Wolf), 2:4 (46:12) Raedeke (Raymond, Mulock), 3:4 (48:31) Wolf (Schmidt, Flaake). Strafminuten: 4/2. Schiedsrichter: Piechaczek/Schukies (Finning/Herne). Zuschauer: 12.800 (ausverkauft).Die weiteren Viertelfinalpartien: Krefeld – Ingolstadt 2:3 n.V. (Play-off-Stand: 1:2), Nürnberg – Wolfsburg 5:2 (1:2), Mannheim – Köln 2:1 n. V. (1:2),