Der Titel zählt, nicht die Tore

Kevin Lavallée ist vor dem Freezers-Auftritt in Iserlohn der einzige Stammspieler ohne eigenen Treffer

Hamburg. Die Frage nach der Null, die in der Spalte Tore in seiner Statistik steht, gefällt Kevin Lavallée gar nicht. Es ist sicher nicht schön für den Eishockeyprofi der Hamburg Freezers, der einzige Stammspieler im offensivstärksten Team der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu sein, der zu den bislang 143 Saisontoren kein einziges beigesteuert hat. Andererseits hat Lavallée als Verteidiger eine andere Aufgabe als Toreschießen. Weil die Freezers vor dem Gastspiel bei den Iserlohn Roosters am Sonntag (17.45 Uhr/Servus TV) mit 96 Gegentreffern auch die zweitbeste DEL-Defensive stellen, sieht Lavallée keinen Grund zu klagen.

„Da macht ihr euch wohl mehr Gedanken als ich“, sagt der 32-Jährige. Zwar gab es in seiner Profikarriere, die 2001 in Augsburg begann, bislang noch keine Saison ohne Torerfolg. „Aber jetzt extrem offensiv zu spielen, damit die Scheibe mal reinfällt, das würde mir nicht einfallen“, sagt der in Montreal geborene Kanadier, der 2001 seinen deutschen Wurzeln folgte, 30 Spiele und die WM-Turniere 2011 und 2012 für die deutsche Auswahl bestritt, in Taufkirchen seine Verlobte kennenlernte und seitdem ein weiches Deutsch mit bayrischem Akzent spricht. „Meine Statistiken sind mir wirklich völlig egal“, sagt er, „mein einziges Ziel ist es, mit den Freezers Meister zu werden.“

Seinen Beitrag leistet Lavallée so unauffällig wie unaufgeregt. Er tut verlässlich, was Trainer Benoît Laporte von ihm erwartet, macht kaum Fehler. Lavallées Gelassenheit lässt ihn auch in schwierigen Phasen Ruhe bewahren. So wie im vergangenen Sommer, als er beim Zweitligisten Dresdner Eislöwen zugesagt hatte, dann aber wegen der Verletzungsmisere bei den Freezers einen Probevertrag erhielt und so überzeugte, dass man ihn behielt.

Sein größtes Abenteuer erlebte Lavallée, als er im Herbst 2004 in der kanadischen Castingshow „Making the Cut“ für vertragslose Eishockeyspieler über 19 Jahre als einer von sechs aus 4500 Teilnehmern ein Probetraining beim NHL-Team Montreal Canadiens und einen neuen Mazda RX8 gewann. Aus dem NHL-Traum wurde nichts. Doch Lavallée lernte: „Man sollte sich nicht zu viele Gedanken um seine Zukunft machen, da immer etwas Neues kommt, mit dem man nicht rechnet.“

In Hamburg genießt er den Moment. „Es ist großartig, für den Tabellenführer zu spielen und die Chance auf den Titel zu haben“, sagt der 1,91-Meter-Athlet. „Warum sollte ich mir das dadurch kaputtmachen, dass ich an meine ungeklärte Zukunft denke?“ Vor einem Jahr war er mit den Kölner Haien im Finale an den Eisbären Berlin gescheitert. „Der Teamgeist ist hier noch größer als in Köln“, sagt er. Über die Null in seiner Torstatistik hat noch kein Kollege Scherze gemacht.