Freezers trotzen Grippewelle und dem Meister

Das Eishockey-Team gewann trotz nur 15 einsatzfähiger Feldspieler gegen die Eisbären Berlin 7:4. Oppenheimer erzielte einen Hattrick

Hamburg. Die Pressestelle der Hamburg Freezers bewies Galgenhumor, als sie via „Twitter“ am Freitagvormittag vermeldete, dass sich der „Virenbomber“, wie der Mannschaftsbus des Clubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kurzerhand getauft wurde, auf den Weg zum Auswärtsspiel bei den Eisbären Richtung Berlin gemacht hat. Zu den grippekranken Abwehrspielern Christoph Schubert, Daniel Nielsen und Kevin Lavallée gesellten sich kurzfristig noch Stürmer David Wolf und Abwehrchef Mathieu Roy. Mittelstürmer Garrett Festerling, der unter akuten Magen-Darm-Problemen litt, verzichtete wegen der Ansteckungsgefahr auf die Reise im Bus, fuhr stattdessen im Auto der PR-Abteilung nach Berlin und biss auf die Zähne.

Da auch beim amtierenden Meister insgesamt sieben Profis verletzt fehlten, mutierte das Spiel der beiden Erzrivalen, die beide zum US-Konzern Anschutz Entertainment Group gehören, zum Duell der Invaliden. Derzeit sind die Freezers jedoch weder durch Gegner noch durch Viren aufzuhalten. Durch das 7:4 (4:1, 1:2, 2:1) bei den Berlinern haben die Hamburger mit 86 Punkten die Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht nur gefestigt, sondern sogar auf zehn Punkte ausgebaut, da Verfolger Köln bei den Iserlohn Roosters 2:1 unterlag.

Es war vor allem die Art und Weise, wie das dezimierte Team von Trainer Benoît Laporte in Berlin auftrat, die beeindruckte. Es schien so, als wollten die Freezers früh für klare Verhältnisse sorgen, wohl wissend, dass zum Ende hin die Kraft ausgehen könnte. Jerome Flaake mit seinen Saisontoren 22 und 23 sowie Thomas Oppenheimer und Duvie Westcott sorgten im ersten Drittel für eine Vorentscheidung. Oppenheimer war es auch vergönnt, zu Beginn des Mittelabschnitts die Vier-Tore-Führung herzustellen.

In der Folge merkte man den dezimierten Hamburgern an, dass sie müde wurden. Die Eisbären, die immerhin vier komplette Reihen aufbieten konnten, bekamen Oberwasser. Daniel Weiß und Mads Christensen brachten die Gastgeber wieder ins Spiel. Für die endgültige Entscheidung in einem verrückten Spiel sorgte Ersatzkapitän Oppenheimer mit seinem dritten Tor kurz vor dem Ende. Durch den verdienten Sieg in Berlin liegen die Hamburger in der DEL-Tabelle nun 32 (!) Punkte vor dem Erzrivalen. So viele wie noch nie in der knapp 13-jährigen Clubgeschichte.

All das ist für die Verantwortlichen der Hamburger ein netter Randaspekt. Sie freuen sich vielmehr über die beeindruckende Konstanz der Mannschaft, die am Sonntag (14.30 Uhr, O2 World) auf die Nürnberg Ice Tigers trifft. Ob die erkrankten Spieler in den Kader zurückkehren können, entscheidet sich am Spieltag.

Tore: 0:1 (1:55) Flaake (Bettauer, Festerling) 5-4, 0:2 (2:39) Oppenheimer (Krämmer, Dupuis), 0:3 (8:41) Westcott (Jakobsen, Bettauer), 1:3 (9:28) TJ Mulock (Sharrow), 1:4 (9:57) Flaake (Festerling), 1:5 (23:20) Oppenheimer (Dupuis, Krämmer), 2:5 (32:18) Weiß (Foy), 3:5 (36:55) Christensen (Bell, Mulock) 5-4, 3:6 (42:46) Mitchell, 4:6 (56:44) Ziegler (Olver, Braun), 4:7 (58:26) Oppenheimer empty-net. Str.: 4/8. SR.: Schukies/Yazdi (Herne/Neuss). Z.: 13.400.