Formel 1

Vettel glaubt nicht an Silberpfeil-Schwäche in Japan

Sebastian Vettel im Ferrari

Sebastian Vettel im Ferrari

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Es wird ein besonderes Formel-1-Rennen in Japan. Es wird sportlich bedeutsam und ein Jahr nach dem Unfall von Bianchi zudem emotional.

Suzuka.  Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall von Jules Bianchi reist der Formel-1-Zirkus wieder nach Japan. Es wird ein emotionales Rennen. Aber auch sportlich wird der Grand Prix von hoher Bedeutung sein. Immerhin müssen die Silberpfeile beweisen, dass Singapur nur ein Ausrutscher im Kampf um die WM war.

Spätestens wenn Sebastian Vettel und Co. wieder durch die verhängnisvolle Kurve sieben rasen, werden die schlimmen Erinnerungen hochkommen. Vor knapp einem Jahr verunglückte der Franzose Jules Bianchi beim Großen Preis von Japan in Suzuka und erlag neun Monate später seinen schweren Kopfverletzungen.

Bianchi war am 5. Oktober 2014 in seinem Marussia auf regennasser Fahrbahn von der Strecke abgekommen und mit hoher Geschwindigkeit unter einen Bergungskran gerast. Nach rund neun Monaten im Koma starb der 25-Jährige Mitte Juli in einer Klinik in seiner Heimatstadt Nizza. „Selbstverständlich werden wir alle, wenn wir nach Japan zurückkommen, an Jules und seine Familie denken. Er wird immer in unseren Herzen sein“, sagte Vizeweltmeister Nico Rosberg.

Vettel glaubt nicht an Leistungseinbruch bei den Silberpfeilen

Unterdessen glaubt Sebastian Vettel nicht an einen erneuten Leistungseinbruch bei seinen Hauptkonkurrenten in den Silberpfeilen: „Ganz ehrlich, nein. Das wäre immer noch eine Überraschung“, meinte Vettel, der bei seiner Aufholjagd zum fünften Titel Landsmann Nico Rosberg nur noch acht und Spitzenreiter Lewis Hamilton 49 Punkte vor sich hat. „Man muss einfach den Durchschnitt dieser Saison alleine nehmen. Da sind sie immer ‘ne halbe Sekunde vor dem Rest der Welt - egal, wer das gerade ist.“

Nur in Singapur war alles anders. Im Training, in der Qualifikation, im Rennen. Zuerst vermuteten viele - auch die Kontrahenten -, dass Hamilton und Rosberg sich zurückhielten. Nach Platz vier für Rosberg und Hamiltons erstem Ausfall in diesem Jahr herrschte aber pure Ratlosigkeit bei Mercedes. Hamilton, siebenmaliger Saisonsieger, elfmaliger Polesetter in diesem Jahr, macht das aber noch lange nicht nervös. „Ich bleibe gelassen“, erklärte er am Mittwoch.

Unmittelbar nach dem Rennen hatte allerdings auch ihm die Zuversicht gefehlt, um einen neuerlichen Einbruch nun in Suzuka auszuschließen. Seitdem vergingen aber mehr als zwei Tage, in denen im Werk in Brackley sämtliche Daten geprüft wurden. „Somit hatten wir nach dem Wochenende viel zu analysieren, um sicherzustellen, dass wir in Zukunft besser aufgestellt sind“, meinte der Technische Direktor des Teams, Paddy Lowe.

„Stetige Bedrohung durch unsere Gegner“

Man wisse um „die stetige Bedrohung durch unsere Gegner“, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff noch einmal. Wie zur Bestätigung hatte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene klargemacht, dass die Scuderia zur Stelle sein würde: „Es gibt noch eine Menge Punkte zu holen und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um vorne zu bleiben.“

Fakt ist: Fahren Hamilton und Rosberg auch in Suzuka hinterher, und seien es nicht mal die anderthalb Sekunden von Singapur, hat Mercedes ein gewaltiges Problem. Denn die Strecke, geliebt von allen Piloten und eingebettet in den Motopia-Vergnügungspark in der Präfektur Mie, müsste den Mercedes-Rennwagen eigentlich entgegenkommen.

Dass zudem nur wenig Zeit zwischen WM-Runde 13 in Singapur und Runde 14 in Japan liegt, kommt Rosberg gerade recht. Es sei gut, direkt eine Gelegenheit zu bekommen, um den Auftritt am vergangenen Wochenende zurechtzurücken. „Ich gehe davon aus, dass sie in Suzuka wieder zurückkommen“, meinte der Singapur-Zweite Daniel Ricciardo von Red Bull.

Packend, spannend, mitreißend

Das Duell Mercedes vs. Ferrari und der Dreikampf um den Titel zwischen dem 30 Jahre alten Briten Hamilton und den beiden Deutschen, Rosberg (30) und Suzuka-Macht Vettel (28/vier Siege, zweimal Dritter - immer auf dem Podium), auf der einen Seite. Packend, spannend, mitreißend. Trauer um den Tod eines Kollegen auf anderen Seite. „Der nächste Grand Prix in Japan wird sicher schwieriger für alle“, meinte Adrian Sutil. Der jetzige Williams-Testpilot erlebte den letztlich fatalen Unfall Bianchis am 5. Oktober 2014 aus nächster Nähe.

Der Franzose war mit seinem Marussia-Rennwagen gegen Ende eines umstrittenen Grand Prix’ unter heftigen Bedingungen unter den Kran gekracht, der den damaligen Sauber von Sutil bergen sollte. Der Deutsche war eine Runde vor Bianchi auf regennasser Strecke vom Kurs abgekommen. „Das war ein extremer Unfall und es hat gedauert, bis einem solche Momente aus dem Kopf gehen“, sagte Sutil in einem dpa-Interview. Bianchi war am 17. Juli in diesem Jahr an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben.

Von Vettel über Hamilton und Rosberg herrschte damals Entsetzen und Trauer. Die Erinnerungen an den äußerst beliebten und von Ferrari als künftigen Stammpiloten auserkorenen Bianchi fahren an diesem Wochenende auch bei den Titelkandidaten und allen anderen Rivalen mit.