Sportpolitik

Stadt Hamburg verteilt 2500 Gutscheine für Sportangebote

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Rainer Grünberg
Frauen sind im Hamburger Sport noch unterrepräsentiert. Das soll sich nun ändern.

Frauen sind im Hamburger Sport noch unterrepräsentiert. Das soll sich nun ändern.

Foto: Ennio Leanza / picture alliance/KEYSTONE

Während der Corona-Pandemie wurden bereits 38 Millionen Euro zusätzlich in den Sport investiert. Weitere Maßnahmen sind geplant.

Hamburg.  Neun Monate nach dem Start der Senatskampagne zur Gewinnung neuer Vereinsmitglieder sind jetzt alle ausgelobten 20.000 Active-City-Starter-Gutscheine vergriffen. Das gab Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) im Sportausschuss der Bürgerschaft bekannt. Während der Corona-Krise hatten allein die rund 800 im Hamburger Sportbund (HSB) organisierten Clubs seit April 2020 zwischenzeitlich mehr als 40.000 Mitgliedschaften verloren. Insgesamt traten während der Pandemie und neun Monaten Lockdown in Hamburg mehr als 130.000 Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche aus ihren Vereinen oder Fitnessstudios aus.

Sportpolitik: Sportspaß e. V. verlor mehr als 30.000 Mitglieder

Der Rücklauf setzte Ende vergangenen Jahres ein, der staatliche Starter-Gutschein, er galt nicht für kommerzielle Anlagen, gab dabei wichtige Impulse. 17.200 Hamburgerinnen und Hamburger haben bis heute die einmalige Gratifikation von 80 Euro bereits für einen Vereinseintritt genutzt. Die übrigen 2800 haben nach dem Download des Bons noch bis zu drei Monate Zeit, diesen bei einem Club ihrer Wahl einzulösen. Nach einer Auswertung des Senats profitierten Sportspaß (1885 Neueintritte), der Altonaer Turnverband von 1845 (1666), der Eimsbütteler Turnverband (1656), die HT 16 (837) und die TSG Bergedorf (742) bisher am stärksten vom Gutscheinsystem. Sportspaß trat zwar im Dezember 2016 aus dem HSB aus, als gemeinnütziger Sportverein kommt der Club jedoch weiter in den Genuss der meisten staatlichen Fördermaßnahmen.

Sportspaß, Hamburgs größter Verein Sporttreibender, gehörte indes zu den großen Verlierern der Pandemie. Die Mitgliederzahl des preisgünstigen Fitnessanbieters fiel von 61.000 Ende des Jahres 2019 auf zwischenzeitlich weit unter 30.000. Auch sie erholt sich gerade. Dass zuletzt Honorare/Gehälter für die Mitarbeitenden stark verspätet oder zum Teil gar nicht ausgezahlt wurden, hat nach dem vom Landgericht Hamburg Ende März verordneten Wechsel an der Vereinsspitze wohl hauptsächlich organisatorische Ursachen – und ist nicht auf finanzielle Engpässe zurückzuführen. Krankenfälle und Urlaub in den Abteilungen Buchhaltung und EDV erschwerten offenbar die Abwicklung, überforderten den Vorstand. Der neue Geschäftsführer Uwe Hildebrandt bat in einer Rundmail an Trainerinnen und Trainer um Verständnis, versprach Besserung.

Neue Gutscheine für Sportangebote zum Download bereit

Für Sportspaß und alle anderen Clubs gibt es nun weitere frohe Kunde: 2500 zusätzliche Starter-Gutscheine stehen demnächst zum Download bereit, noch mal 2500 könnten in den Wochen danach folgen. Das wären dann insgesamt 25.000. „Hinter jedem Gutschein steht ein Mensch, der jetzt im Verein Sport treibt, sich bewegt, mit anderen Menschen zusammenkommt. Corona hat uns in die soziale Distanz, in die Isolation getrieben. Nach dem Ende der Beschränkungen brauchen wir wieder mehr Begegnung, Gemeinschaft, Zusammenhalt – dafür brauchen wir den Sport und die Vereine“, sagt Grote. Sobald die neuen Gutscheine verfügbar sind, wird das Landessportamt über Kanäle wie die Active City App darüber informieren.

Das Hamburger Gutscheinmodell könnte demnächst auf das ganze Land übertragen werden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bekräftigte vergangene Woche im Sportausschuss des Bundestages, ein entsprechendes Programm mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und weiteren Partnern aufzulegen. Bereits bei der außerordentlichen Sportministerkonferenz am 6./7. April in Hamburg hatten sich die Teilnehmenden auf eine bundesweite Bewegungskampagne verständigt.

Stadt Hamburg gibt eine Million Euro für Kinder-Schwimmkurse

Hamburg ist da schon viel weiter. Nach einem Beschluss der Bürgerschaft soll in Kürze eine Mitgliederkampagne für mehr Mädchen und Frauen im Sport starten. Dafür stehen 500.000 Euro bereit. In der aktuellen HSB-Mitgliederstatistik sind von 497.900 Mitgliedschaften nur 34,2 Prozent dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen. Der Active-City-Starter-Gutschein hat sich auch hier als wirksames Instrument erwiesen: Frauen und Männer machten nach einer Auswertung des HSB von den Gutscheinen nahezu gleichermaßen Gebrauch.

Eine weitere Million Euro stellt die Stadt für eine in diesem Jahr angelaufene Schwimm-Offensive zur Verfügung. Kinder, die wegen der Pandemie nicht schwimmen lernen konnten, sollen dies nachholen. Hierfür werden zusätzliche Kurse eingerichtet und bezahlt.

Seit Pandemiebeginn hat Hamburg – mehr als jede andere Stadt in Deutschland – den Sport mit zusätzlichen Mitteln von rund 38 Millionen Euro ausgestattet, darunter nicht zurückzuzahlende Zuschüsse aus dem Nothilfefonds I und II (5,2 Millionen Euro), der Härtefallregelung (1,1 Millionen) sowie für Hygiene- und Schutzmaßnahmen (2,o Millionen). Sportveranstalter erhielten 1,8 Millionen Euro für coronabedingte Mehraufwendungen. Pleiten konnten dadurch verhindert werden. Für die Sanierung und Modernisierung bezirklicher Sportanlagen wurden seit 2020 zusätzlich zu den in den Haushaltsplänen veranschlagten Mitteln knapp 23,4 Millionen Euro für den Sport bereitgestellt.

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