HSV & FC St. Pauli

Politik setzt auf die Rückkehr der Geisterspiele

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Wie lange dürfen noch Zuschauer in den Volkspark?

Wie lange dürfen noch Zuschauer in den Volkspark?

Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

In der Bundesliga soll es am kommenden Wochenende wieder leere Stadien geben. Auch HSV und St. Pauli bangen.

Hamburg. In den Stadien der Fußball-Bundesligen wird es vom kommenden Wochenende an wohl wieder gespenstisch still, es drohen bundesweit Geisterspiele. „Man kann davon ausgehen, dass die Fußball-Bundesliga ohne Zuschauer weiterspielen soll. Das ist eine richtige Entscheidung“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag. Eine endgültige Entscheidung soll am Donnerstag auf einer kurzfristig angesetzten Ministerpräsidentenkonferenz fallen.

Es gebe zwar noch „unterschiedliche Ansätze“, berichtete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), doch alle seien sich einig gewesen, „dass im Fußball etwas passieren muss“. Söder will „bis zum Jahresende in den Profiligen ohne Zuschauer auskommen“. Sollte sich nicht auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigt werden, würde man „in Bayern einen Alleingang“ machen. In Sachsen, wie Bayern ein Hotspot der Corona-Infizierten, gilt bereits ein Zuschauerausschluss. Auch Baden-Württemberg sprach sich für Geisterspiele aus.

Rückkehr der Geisterspiele: HSV und FC St. Pauli bangen

Hamburg werde sich „einer bundeseinheitlichen Regelung anschließen“, erklärte der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Beim HSV und beim FC St. Pauli, der am Sonnabend (20.30 Uhr) Schalke 04 empfängt, bleibt allerdings die Hoffnung, dass man es vorerst bei einer Kapazitätsbegrenzung und gegebenenfalls bei einer Ausweitung der 2G-Regel auf eine 2G-Plus-Lösung belässt. Völlig offen war nach der Konferenz zudem, wie es in den anderen Sportarten (vor allem den Hallensportarten) weitergeht.

Söder begründete den Schritt in Richtung Geisterspiele damit, „dass die hohe Mobilität bei der An- und Abreise nicht verantwortbar ist“. Der Fußball habe eine Vorbildfunktion. Daher müsse man überall Kontakte reduzieren. Da Bayern mit zahlreichen Infektions-Hotspots zu kämpfen hat, war die Zahl der erlaubten Besucher in den Stadien zuletzt schon stark reduziert worden.

Was das genau für das Topspiel am Sonnabend zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern bedeutet, ließ NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst noch offen. Der CDU-Politiker erwartet aber „eine deutliche Reduzierung bei Großveranstaltungen“. Bilder wie vom vergangenen Sonnabend beim Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach vor 50.000 Fans in Köln dürfe und werde es nicht mehr geben, so Wüst: „Wir werden entsprechende Beschlüsse fassen.“

Habeck und Braun äußern Kritik an vollen Stadien

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz (SPD) berieten am Dienstagmittag dreieinhalb Stunden mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder über die Corona-Lage. Die Rufe nach einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen und Beschränkungen waren in den vergangenen Tagen nochmals lauter geworden. Dass die Geisterspiele oder zumindest starke Zuschauerbeschränkungen wieder eingeführt werden, war bereits am Dienstagmorgen ein offenes Geheimnis.

„Dass es am vergangenen Wochenende noch Bundesligaspiele mit Zigtausenden von Besuchern gab, ist angesichts der dramatischen Lage im Land nicht mehr zu verantworten“, sagte der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). Ähnlich äußerte sich Grünen-Chef Robert Habeck. „Die Bundesliga muss nicht in vollen Stadien spielen. Das ist jetzt schon möglich und hätte auch am Wochenende untersagt werden können“, sagte Habeck: „Es war ein Fehler, dass die Bundesliga am letzten Spieltag in vollen Stadien gespielt hat. Das ist völlig klar, das hätte man unterbinden sollen.“

( sid/HA )

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