Holstein Kiel

Werner-Nachfolger: Kauczinski und Thioune auf dem Zettel?

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Nach dem Rücktritt von Ole Werner soll nun vorerst Dirk Bremser (r.) versuchen, Holstein Kiel zurück in die Spur zu bringen.

Nach dem Rücktritt von Ole Werner soll nun vorerst Dirk Bremser (r.) versuchen, Holstein Kiel zurück in die Spur zu bringen.

Foto: Imago/Uwe Kraft

Nach dem überraschenden Rücktritt des Urgesteins Ole Werner sucht Kiel einen neuen Trainer. Welche Namen gehandelt werden.

Kiel. Völlig überraschend hat Ole Werner seinen Rücktritt nach genau zwei Jahren als Cheftrainer des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel erklärt. „Ich habe nach reiflichen Überlegungen für mich entschieden, nicht mehr Cheftrainer der KSV Holstein zu sein“, wurde der 33-Jährige am Montagabend in einer Club-Mitteilung zitiert. Ihm falle dieser Schritt nach über 15 Jahren im Verein sehr schwer. Er halte ihn, „nach reiflichen Überlegungen, dennoch für den richtigen und für den Verein notwendigen“. Seine Entscheidung begründete Werner auch mit der sportlichen Talfahrt.

Offenbar kam Werners selbstgewähltes Aus auch für die Holstein-Führung mit Sportchef Uwe Stöver unerwartet. „In den vergangenen zwei Tagen haben wir, meine Person und das gesamte Präsidium, dennoch in persönlichen Gesprächen versucht, ihn vom Gegenteil zu überzeugen und davon, den gemeinsam eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, sagte Stöver. Leider sei Werner nicht umzustimmen gewesen. „Nun gilt es, mit der nötigen Ruhe und mit Bedacht eine für den Verein zukunftsfähige Lösung zu finden.“

Paderborn reagiert auf Werners Kiel-Rücktritt

Vorerst wird Co-Trainer Dirk Bremser, zuvor Assistent von Dieter Hecking beim HSV und diversen weiteren Stationen, die Mannschaft auf das Auswärtsspiel am Sonnabend beim Tabellenführer SC Paderborn vorbereiten.

Auch der nächste Gegner stellt sich derweil bereits auf die veränderten Vorzeichen ein. „Der freie Dienstag für das Trainer-Team ist gestrichen. Es gilt, sich auf neue Ideen einzustellen“, kündigte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok noch am Montagabend im Talk „Doppelpass 2. Bundesliga“ auf Sport1 an.

„Wenn du als Trainer das Gefühl hat, dass du einen Platz freimachen musst, dann hat das menschlich sehr große Klasse“, sagte Kwasniok außerdem zur Meldung aus Kiel. „Inhaltlich“ sei es „aber schwer nachzuvollziehen, weil Ole Werner top zu diesem Verein gepasst hat.“

Werner übernahm Holstein Kiel von Schubert

Werner, der schon in der Jugend für die Störche gespielt hatte, war am 16. September 2019 von der zweiten Holstein-Mannschaft zum Trainer des Profi-Kaders aufgerückt. Er übernahm den Posten erst interimsmäßig des zuvor beurlaubten André Schubert.

Sportchef Stöver, ebenso wie Schubert ein Mann mit St.-Pauli-Vergangenheit, machte ihn nach dessen Amtsantritt im Oktober 2019 dann zum Cheftrainer. In der Saison 2019/20 führte der jüngste Trainer im deutschen Profi-Fußball die Norddeutschen noch auf den elften Rang.

Kiel war von Corona-Quarantäne gebeutelt

In der vergangenen Spielzeit erreichten die Kieler unter Werner den dritten Tabellenplatz und scheiterten in der Relegation zur Ersten Liga am 1. FC Köln. Im DFB-Pokal zogen sie erstmals in das Halbfinale ein und schlugen auf dem Weg dahin den Rekordmeister Bayern München.

Die Saison hatte den Kielern zugleich enorm viel Kraft gekostet. Durch Corona-Quarantänen musste Holstein in der Schlussphase durch zahlreiche Nachholspiele ein Mammutprogramm absolvieren und verspielten noch den sicher erscheinenden zweiten Platz und damit den direkten Aufstieg.

Zur aktuellen Spielzeit erlebte die Mannschaft einen personellen Umbruch und startete mit drei 0:3-Niederlagen. Anschließend blieb sie dreimal ungeschlagen, ehe sie am Sonnabend erneut mit 0:3 gegen Hannover 96 verlor und wieder auf den 15. Tabellenplatz abrutschte.

Werner: Neue Reize ohne nachhaltigen Effekt

Der in Preetz bei Kiel geborene Werner wurde trotz des schwierigen Saisonstarts nie in Frage gestellt. Das tat er aber wohl selbst. „Die nach der turbulenten und anspruchsvollen letzten Saison vereinbarten neuen Reize, haben leider bis zum heutigen Tag nicht den erhofften, nachhaltigen Effekt gehabt“, sagte er laut Club-Aussendung.

„Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen, den Spielern, Fans und Mitarbeiten für die Unterstützung. Euer Trainer sein zu dürfen, war mehr, als ich je vom Fußball erwartet habe.“ Werner war mit kurzen Unterbrechungen seit 2005 im Verein, erst als Spieler, später als Trainer.

Werners Abschied ist der zweite Trainerwechsel der Saison. Am Sonntag hatte Erzgebirge Aue Alexej Schpilewski entlassen. Auch das Tabellen-Schlusslicht ist nun noch auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter.

Kauczinski und Thioune auf dem Zettel?

Wird der neue Kieler Trainer nun einer der „üblichen Verdächtigen“, ein echter Überraschungskandidat, oder doch die nächste Risikovariante? Auf der Geschäftsstelle von Holstein rauchen bereits die Köpfe, erste Namen möglicher Werner-Nachfolger kursieren schon.

Markus Kauczinski, den Stöver bestens von St. Pauli kennt, oder auch Uwe Neuhaus könnten mit ihrer Zweitligaerfahrung wuchern. Auch eine Kontaktaufnahme zum ehemaligen HSV-Trainer Daniel Thioune würde nicht groß überraschen.

Gespräche mit Kalibern wie Florian Kohfeldt (Werder Bremen) oder Domenico Tedesco (zuletzt Spartak Moskau) schon eher. Gute Erfahrungen haben die Kieler zuletzt aber auch mit der Beförderung eines Coaches aus den eigenen Reihen gemacht. Aktuell sorgt Sebastian Gunkel, Trainer der zweiten Mannschaft, als Tabellenführer in der Regionalliga Nord durchaus für Aufsehen.

Neuer Trainer muss Umbruch bewältigen

Wer es letztlich auch wird, muss einen Umbruch bewältigen. Wohl auch aufgrund der unklaren Perspektive hatte Werner in den vergangenen Monaten schon gezögert, seinen bis 2022 laufenden Vertrag zu verlängern.

Mit Janni Serra, Jae-Sung Lee und Jonas Meffert hatten die Schleswig-Holsteiner vor der Saison zentrale Elemente ihres Spiels abgeben müssen, die neue Mischung inklusive Lewis Holtby, Steven Skrzybski und Fiete Arp passt noch nicht.

( dpa/sid/HA )

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