Trainerwechsel

Stefan Kuntz: „Ich möchte der türkischste Deutsche werden“

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Abgang perfekt: Erfolgscoach Kuntz verlässt DFB Richtung Türkei

Abgang perfekt: Erfolgscoach Kuntz verlässt DFB Richtung Türkei

Jetzt ist es offiziell: U21-Trainer Stefan Kuntz verlässt den DFB und wird neuer Nationalcoach der Türkei. Der Verband bestätigte die Personalie am Sonntag. Zum Wochenbeginn soll der Vertrag unterzeichnet werden. Es ist die erste Trainerstation für Kuntz bei einer Seniorenmannschaft.

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Der erfolgreichste Trainer der deutschen U-21-Geschichte hat sich als Nationaltrainer der Türkei vorgestellt – mit markigen Worten.

Istanbul. Stefan Kuntz geht seine Mission als neuer Fußball-Nationaltrainer der Türkei voller Elan an und hat sich große Ziele gesetzt. Er wolle eine Mannschaft „schaffen, auf die das ganze Land stolz sein kann“, sagte der 58-Jährige am Montag bei seiner Vorstellung als Nachfolger von Senol Günes in Istanbul: „Ich bin voller Energie, weil ich weiß, was türkische Spieler in sich drin haben. Ich kenne das Potenzial. Wir werden diesen Spielern Organisation und Struktur geben.“

Der Vertrag von Kuntz läuft über drei Jahre bis Sommer 2024 – also inklusive der EM in drei Jahren in Deutschland. „Ich werde auf jeden Fall Türkisch lernen. Ein paar Worte kenne ich aus meiner Zeit bei Besiktas“, sagte Kuntz, der sein Debüt am 8. Oktober in Istanbul in der WM-Qualifikation gegen Norwegen um Bundesligastar Erling Haaland feiert: „Wir werden uns mit aller Kraft auf das Spiel gegen Norwegen vorbereiten und uns ganz auf den Fußball konzentrieren.“ Jetzt beginne die „Arbeit“ richtig, sagte Kuntz: „Heute beginnen wir eine neue Ära für den türkischen Fußball.“

Türkei will „viele Jahre“ mit Kuntz arbeiten

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte dem erfolgreichsten U21-Nationaltrainer seiner Verbandsgeschichte zuvor die Freigabe für einen Wechsel in die Türkei erteilt. Kuntz führte die wichtigste deutsche Nachwuchsmannschaft in drei Endspiele, gewann 2017 und 2021 den Titel. Es seien harte, aber faire Verhandlungen mit der türkischen Seite gewesen, sagte Kuntz.

„Wir glauben an ihn. Wir vertrauen ihm. Wir wollen viele Jahre zusammenarbeiten“, sagte Verbandspräsident Nihat Özdemir über Kuntz, der in der Saison 1995/96 für Besiktas auf Torejagd ging. „Für mich ist es ein bisschen – oder nicht ein bisschen – wie nach Hause kommen“, sagte Kuntz. „Ich möchte der deutscheste Türke oder türkischste Deutsche werden.“

Wer Co-Trainer an Kuntz' Seite werde, wurde noch nicht verkündet. Als Kandidat Nummer eins gilt der frühere Hannover-96-Trainer Kenan Kocak.

Türkei muss um WM-Qualifikation zittern

Der frühere Stürmer steht vor einer schwierigen Aufgabe. Um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr direkt zu schaffen, muss die Türkei in der Gruppe G den ersten Platz belegen. Als Zweiter bestünde noch die Chance über die Playoffs.

Derzeit belegt die Türkei mit elf Punkten aus sechs Spielen den dritten Rang hinter den Niederlanden und Norwegen (jeweils 13). Nach dem Debüt gegen Norwegen steht für Kuntz drei Tage später das Auswärtsspiel in Lettland an.

DFB auf Suche nach Kuntz-Nachfolger

Derweil will der DFB nach Kuntz' Abschied einen Aderlass im Nachwuchs verhindern. „Wir tun alles dafür, das übrige Trainerteam der U21, das in den vergangenen Jahren herausragende Arbeit geleistet hat, beim DFB zu halten, und sind guter Dinge, dass uns das gelingt“, sagte Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften, dem Kicker.

Kuntz' Nachfolger steht noch nicht fest. Der Kicker nennt den DFB-Rekordtorschützen Miroslav Klose als Kandidaten. Der Weltmeister von 2014 hatte zuletzt aber bekundet, dass es ihn als Coach in den Clubfußball ziehe.

Von Kuntz' Zuarbeitern dürfte Co-Trainer Daniel Niedzkowski sehr wahrscheinlich bleiben, fungiert er doch auch als Leiter des Fußballlehrer-Lehrgangs. Bei Antonio di Salvo (Co), Klaus Thomforde (Torhüter) und Jannis Scheibe (Analyst) scheint die Zukunft offen.

( sid/dpa/HA )

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