Olympische Winterspiele

Felix Neureuther wäre für Boykott von Peking 2022 „zu haben“

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Der frühere Skistar Felix Neureuther fordert fünf Monate vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking mehr Druck der Politik und des DOSB auf den IOC.

Der frühere Skistar Felix Neureuther fordert fünf Monate vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking mehr Druck der Politik und des DOSB auf den IOC.

Foto: Felix Hörhager / picture alliance/dpa

Der frühere Skistar fordert eine konsequente Haltung von Politik, Verbänden und Athleten gegenüber dem IOC – unter einer Bedingung.

München. Für den ehemaligen Skirennläufer Felix Neureuther bleibt die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking auch knapp fünf Monate vor dem Start ein Rätsel. „Peking mit seinen Eingriffen in die Natur und mit den menschenrechtlichen Problemen hätte nach meinen Vergabe-Anforderungen sicher keinen Zuschlag bekommen“, sagte der 37-Jährige im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Konkrete Richtlinien für die Vergabe müssten her, so Neureuther. Leider sei diese Forderung an das Internationale Olympische Komitee (IOC) ohne gewichtige Unterstützung schwer umsetzbar.

Neureuther: Politik und DOSB sollen Druck auf IOC ausüben

So sollten „große Sportorganisationen“ wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) „viel größeren Druck auf das IOC ausüben, um zu zeigen, dass sie mit den Werten, die solche Spiele vermitteln, nicht einverstanden sind. Wenn ein DOSB zum Beispiel mit Rückendeckung der Bundeskanzlerin sagen würde: Wir kommen nicht zu Olympischen Spielen, wenn Menschenrechte nicht eingehalten, Nachhaltigkeitsauflagen nicht erfüllt werden (...) – dann hätte das schon eine andere Dimension.“

Er selbst wäre „für so einen Boykott zu haben. Ich würde aber verstehen, wenn sich andere Sportler total dagegen wehren. Andererseits bin ich fest davon überzeugt, dass sich viele diesem Thema verschreiben würden, wenn sie erkennen würden, dass sie damit tatsächlich etwas verändern können.“

Athleten dürfen nicht Leidtragende eines Boykotts sein

Im Falle eines Boykotts für echte Veränderung müsse klargestellt sein, dass die Sportler „nicht die Leidtragenden“ sind: „Das gelänge aber wie gesagt nur, wenn sich Politik, DOSB und Athleten einig sind. Das wäre auch eine Aufgabe und eine Herausforderung für den neuen DOSB-Präsidenten.“

Perspektivisch könnte sogar für Neureuther selbst das Amt des DOSB-Präsidenten interessant sein. „Wenn ich das Gefühl habe, ich könnte wirklich etwas zum Positiven verändern – dann wäre ich dabei“, sagte der Garmisch-Partenkirchner: „Aber in Kenntnis der derzeitigen Verbandsstrukturen sehe ich da wenig Chancen.“

Es fehle momentan „das klare Bekenntnis der Politik und der großen Fachverbände, an der Struktur des Leistungssports in Deutschland etwas verändern zu wollen. Dazu gehört etwa, Breitensport und Leistungssport klar zu trennen.“ Der Leistungssport müsse „nach Leistungskriterien strukturiert sein und nicht von gewählten Funktionären, sondern von Profis geführt werden.“

( SID )

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