Formel 1

Franzose Ocon gewinnt verrücktes Rennen in Ungarn vor Vettel

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Esteban Ocon (v.) verwies Sebastian Vettel auf Rang zwei. Für den Franzosen war es der erste Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.

Esteban Ocon (v.) verwies Sebastian Vettel auf Rang zwei. Für den Franzosen war es der erste Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.

Foto: dpa

Weltmeister Lewis Hamilton profitierte von Ausfall seines Teamkollegens Verstappen und holt sich die Gesamtführung zurück.

Sebastian Vettel nutzte auf Platz zwei die Gunst der Stunde, Weltmeister Lewis Hamilton verabschiedete sich mit der erneuten WM-Führung im Gepäck in die Sommerpause: In einem wilden Rennen am Hungaroring profitierte Vettel beim Sensationssieg des Franzosen Esteban Ocon vom anfänglichen Regenchaos inklusive Massencrash. Hamilton fuhr nach einer packenden Aufholjagd im Mercedes als Dritter über die Ziellinie.

Vettel lobt fehlerfreien Sieger Ocon

„Ich habs versucht, versucht, versucht“, funkte Vettel nach der Zieldurchfahrt an die Aston-Martin-Box. Versucht, aber nicht geschafft: Ocon im Alpine-Renault verteidigte seine Führung mit dem allerletzten Einsatz bis ins Ziel. „Klar bin ich ein wenig enttäuscht“, sagte Vettel, „aber Esteban hat keinen einzigen Fehler gemacht.“

Hamilton verpasste in Ungarn zwar seinen 100. Sieg in der Formel 1, als Trost überflügelte der Engländer allerdings Max Verstappen im Red Bull. Der 23-Jährige aus den Niederlanden erlebte mit Platz zehn die nächste Enttäuschung und in der WM-Wertung nun sieben Punkte hinter Hamilton.

Haas-Pilot Mick Schumacher, der in Ungarn vor zwei Jahren seinen ersten Sieg in der Formel 2 feierte, stellte mit Platz 13 sein bestes Ergebnis in der Königsklasse ein. Im Vorfeld hatte der Rookie noch auf ein „verrücktes Rennen“ gehofft.

Gewitterfront sorgte für schwierige Bedingungen

Schumachers Wunsch wurde wahr, vor dem Rennen änderte eine Gewitterfront mit Regenschauern alle Vorzeichen. Nach einem schlechten Start verbremste sich Mercedes-Pilot Valtteri Bottas auf regennasser Fahrbahn vor der ersten Kurve und verursachte eine Massenkollision. Der Finne krachte von hinten in den McLaren von Lando Norris, der wiederum in die Seite von Verstappens Red Bull rutschte.

Perez ärgert sich über rücksichtslosen Bottas

Das Rennen wurde danach unterbrochen, Norris, Sergio Perez im Red Bull und auch der von Lance Stroll abgeschossene Charles Leclerc im Ferrari konnten nicht mehr weiterfahren. Norris, der zuvor 15 Rennen in Folge in die Punkte gefahren war, ärgerte sich. „Ich bin etwas genervt. Ich weiß überhaupt nicht, warum so etwas passieren muss und so ein Risiko eingegangen wird“, sagte der 21-Jährige: „Das sind Dummheiten.“

Bottas entschuldigte sich nach dem Vorfall: „Ich habe ihnen gesagt, dass es mein Fehler war. Klar, ich hätte früher bremsen sollen, aber es ist nicht einfach, das einzuschätzen“, sagte er bei "Sky".

Die Red-Bull-Mechaniker versuchten derweil, den Schaden am Boliden des weit zurückgefallenen Verstappen mit Panzertape in Grenzen zu halten. Kurz vor dem Neustart leistete sich Mercedes dann einen kapitalen Fauxpas.

Weltmeister Hamilton startete starke Aufholjagd

Alle Konkurrenten kehrten in die Box zurück, um wegen der abtrocknenden Strecke auf Slicks zu wechseln. Nur Hamilton stand völlig alleine in der regulären Startposition - und startete dann nach seinem verspäteten Reifenwechsel vom letzten Platz seine Aufholjagd.

Die WM-Rivalen rollten das Feld nun von hinten auf, ehe die Mercedes-Box Hamilton mit einem früheren Boxenstopp sehr zum Unmut der vielen Oranje-Fans auf der Haupttribüne wieder am Niederländer vorbeilotste.

Nach dem Crash in Silverstone vor zwei Wochen kamen sich die beiden Ausnahmekönner dieses Mal nicht in die Quere. Während Verstappen auf dem für Überholmanöver schwierigen Hungaroring mit seinem am Start beschädigten Auto im Verkehr feststeckte, machte Hamilton Platz um Platz gut.

Vettel, der als Zeichen für Toleranz mit einem Helm in Regenbogenfarben fuhr, kämpfte mit Ocon um den Sieg. Hamilton peilte zum Ende des Rennens mit frischen Reifen einen Podiumsplatz an und überholte kurz vor Schluss noch Fernando Alonso (Alpine) und Carlos Sainz (Ferrari).

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