Hamburg Sea Devils

Wie Footballer Daniel Laporte an der Steckdose trainiert

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Das Speedinterview mit Daniel Laporte von den Sea Devils

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Der Linebacker führt neben seiner American-Football-Karriere ein Fitnessstudio für elektrische Muskelstimulation.

Hamburg. Nur noch das Kabel an die Steckdose anschließen, dann ist Daniel Laporte bereit. Der Bildschirm des Pults vor ihm blinkt wie ein Glücksspielautomat, mit grün leuchtenden Reglern stellt der Linebacker der Hamburg Sea Devils die Stromstärke ein. Laportes Oberkörper steckt in einer engen schwarzen Weste, die Schnallen an seinem Oberarm hat er mit einer Sprühflasche extra nass gemacht. „Damit der Strom besser fließt“, grinst der 30-Jährige.

Was wie eine moderne Foltermethode klingt, dient in Wahrheit der Gesundheit und dem Muskelaufbau. EMS – elektronische Muskelstimulation – nennt sich das Training, das Laporte seit 2017 in seinem eigenen Fitnessstudio in Altona anbietet. „Das Training wird durch Strom unterstützt. Dabei bekommen die Muskeln elektronische Impulse, sodass man innerhalb von 20 Minuten pro Einheit ein sehr effektives Training hinbekommt“, erklärt er.

Laportes Eltern zogen aus New Jersey nach Hamburg

Wenn der gebürtig aus New Jersey (USA) stammende Athlet mit den Sea Devils in der American-Football-Europaliga ELF gespielt hat, nutzt er die schwachen Stromimpulse vor allem zur Regeneration. „Manche Leute finden es abschreckend, weil sie denken, dass es wehtut oder aufs Herz geht. Das Ganze ist aber total ungefährlich“, sagt Laporte, der zwei Mitarbeiter beschäftigt.

Als seine aus Haiti stammenden Eltern vor 24 Jahren im Spätsommer aus New Jersey nach Hamburg zogen, kam Laporte eineinhalb Monate zu spät zur Einschulung. Zuvor hatte sich seine Mutter nach der deutschen Kultur erkundigt – und ihm eine verspätete Schultüte mitgegeben. Die Reaktionen – erst Staunen, dann Gelächter – waren programmiert.

In der zweiten Klasse sprach Laporte schon fließend Deutsch

Als Laporte in die zweite Klasse kam, sprach er jedoch bereits fließend Deutsch, begann zunächst mit Fußball und Basketball, ehe er mit 16 Jahren ein Footballspiel der St. Pauli Buccaneers sah. „Ich war erst ein kleiner, dicker Basketballspieler und zufällig beim Spiel. Ein Coach hat mich dann gesehen und gesagt, dass ich zum Footballtraining kommen muss“, erinnert sich Laporte. Über einen Trainer der Buccaneers lernte er EMS-Training kennen, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Fitnesstrainer und eröffnete 2017 sein eigenes EMS-Studio.

Nebenbei startete der 1,86 Meter große und 95 Kilogramm schwere Verteidiger eine Footballkarriere, spielte für verschiedene Nordclubs in der GFL und GFL 2. Wenn er mit den Sea Devils an diesem Sonnabend (18 Uhr, Stadion Hoheluft) gegen die Barcelona Dragons den sechsten Sieg im sechsten Saisonspiel holen will, wird auch sein fünf Jahre alter Sohn dabei sein. Football, Training, Arbeit, Familie – viel Zeit bleibt Laporte nicht. „Man opfert seine Freizeit komplett. Ich habe es mir aber so ausgesucht und es gefällt mir“, sagt er.

( bron )

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