Nazi-Eklat

Fritz Keller ist als DFB-Präsident zurückgetreten

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Nach nur 598 Tagen im Amt ist Fritz Keller am Montag offiziell als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten.

Nach nur 598 Tagen im Amt ist Fritz Keller am Montag offiziell als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten.

Foto: Imago/Sven Simon

64-Jähriger zieht die Konsequenzen aus den Verbandsquerelen. Die Nachfolge ist offen, Koch und Peters springen vorerst ein.

Frankfurt/Main. Fritz Keller ist am Montag wie angekündigt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Der 64-Jährige zog damit die Konsequenz aus dem von ihm verursachten Nazi-Eklat.

„Ich übernehme damit persönlich Verantwortung für meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll“, sagte Keller einer Mitteilung des Verbands zufolge. Der DFB müsse „sich verändern“.

DFB wird nun von Koch und Peters geführt

Bis zu einem vorgezogenen Bundestag zu Beginn des kommenden Jahres sollen die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch (62, Amateure) und Peter Peters (58, Profis) den krisengeplagten Verband interimsmäßig führen. Wer neuer Präsident werden soll, ist offen.

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Keller stand als 13. Chef des größten Einzelsportverbands der Welt nur 598 Tage an der Spitze. Seine Amtszeit war geprägt von einem anhaltenden Machtkampf in der zerstrittenen Führung. Dazu kamen Ermittlungen der Justiz gegen Verbandsfunktionäre und die Probleme als Folge der Corona-Pandemie.

DFB: Keller stolperte über Nazi-Vergleich

Am Ende war Keller nicht mehr tragbar, weil er seinen Stellvertreter Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte. Aus diesem Grund musste sich Keller als erster DFB-Präsident vor dem verbandsinternen Sportgericht verantworten. Ein Urteil wird für die kommenden Tage erwartet.

Keller ist nach Wolfgang Niersbach (70) im November 2015 und Reinhard Grindel (59) im April 2019 der dritte DFB-Präsident, der sein Amt innerhalb kurzer Zeit wegen eigener Verfehlungen räumen muss.

Rainer Koch als DFB-Schlüsselfigur

Koch steigt deshalb zum dritten Mal zu einem von zwei Interimschefs auf. Der Präsident des Bayerischen und Süddeutschen Fußball-Verbands gilt mit als Schlüsselfigur in dem Machtkampf, der seit Monaten innerhalb der DFB-Führung tobt.

Koch hat angekündigt, beim nächsten Bundestag, voraussichtlich Anfang 2022 stattfinden soll, nicht zur Wiederwahl antreten zu wollen. Ob er ein anderes Amt anstrebt, ist offen.

DFB: Geht nach Keller auch Curtuis?

Neben Keller haben auch dessen weitere Widersacher, Generalsekretär Friedrich Curtius (44) und Schatzmeister Stephan Osnabrügge (50), Rückzüge angekündigt.

Mit Curtius verhandelt der DFB über einen Auflösungsvertrag, Osnabrügge will wie Koch nicht zur Wiederwahl antreten und somit nur noch bis zum Bundestag im Amt bleiben.

DFB-Präsident: Lahm oder Steinhaus?

Wer auf Keller folgt, ist völlig offen. Genannt wurden bereits unter anderem die Namen von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge (65) und Rio-Weltmeister Philipp Lahm (37). Zuletzt wurde auch die frühere Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (42) ins Spiel gebracht, unter anderem von Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe im ZDF-"Sportstudio".

Keller war 2019 von einer Findungskommission des DFB und der Deutschen Fußball Liga vorgeschlagen worden. Der 64-Jährige war bei seiner Wahl im September vor zwei Jahren als großer Erneuerer gefeiert worden.

( sid/dpa/HA )