Hockey

Nur die Alster-Damen kämpfen um den Meistertitel

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Björn Jensen
Felicia Wiedermann (l.) setzte sich mit dem Club an der Alster gegen Berlin mit Sophie Hildebrandt durch.

Felicia Wiedermann (l.) setzte sich mit dem Club an der Alster gegen Berlin mit Sophie Hildebrandt durch.

Foto: Witters

Im Halbfinale wartet der Düsseldorfer HC. UHC-Trainer Henkel verpasst in seinem letzten Spiel die Qualifikation für die Endrunde.

Hamburg. Immer wieder lief Claas Henkel die Seitenlinie auf und ab, brüllte Anweisungen über den Platz oder erteilte sie im Zwiegespräch. Aber als am Sonntagmittag das Entscheidungsspiel der Best-of-3-Viertelfinalserie zwischen den von ihm trainierten Bundesliga-Hockeydamen des Uhlenhorster HC und Rot-Weiß Köln abgepfiffen wurde, da endete die Trainerkarriere des 41-Jährigen so abrupt, wie es ihm niemand gewünscht hatte. Mit einer 2:3-Niederlage verpassten die UHC-Damen erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Endrunde um die deutsche Feldmeisterschaft.

Hillmann vergießt bittere Tränen nach dem Spiel

Begonnen hatte das Drama am Sonnabend, als nach einem 3:3 nach regulärer Spielzeit 28 Penaltyschüsse notwendig waren, um die Gäste die Serie ausgleichen zu lassen. Auch am Sonntag machten beide Mannschaften mit einem intensiven und hochklassigen Spiel Werbung für das Damenhockey. In Tränen aufgelöst war nach der Partie die frühere Nationalspielerin Kristina Hillmann.

Die 29-Jährige, die ihre Karriere beendet und als Ärztin ihre berufliche Laufbahn startet, hatte in ihrem letzten Spiel für den UHC mit einem Ballverlust in der eigenen Abwehr den spielentscheidenden Gegenstoß eingeleitet, der per Siebenmeter zum 2:3 führte. „Es tut sehr weh, mit so einem Fehler unsere Ära zu beenden. Aber so ist der Sport“, sagte sie.

Henkel ist trotz der Enttäuschung stolz auf sein Team

Die Art und Weise, wie Henkel auf diese Enttäuschung reagierte, sagte viel aus darüber, warum Hamburgs erfolgreichster Hockeytrainer der vergangenen zehn Jahre zu einem fachlich, vor allem aber auch menschlich allseits geschätzten Übungsleiter werden konnte. „Es geht hier nicht um mich, sondern nur darum, dass meine Mannschaft auf die Entwicklung in dieser Saison verdammt stolz sein kann“, sagte er.

Henkel übergibt den Staffelstab an Nachfolger Persoon

Sein Nachfolger Johannes Persoon (28), als Co-Trainer bereits vollumfänglich in diese Entwicklung eingebunden, könne nun ohne großen Druck eine neue Ära starten. „Dass er mit dieser Mannschaft noch einige Endrunden spielen wird, daran besteht gar kein Zweifel“, sagte Henkel, der beim UHC nun Sportdirektor wird.

In diesem Jahr jedoch ist am kommenden Wochenende in Mannheim aus Hamburger Sicht lediglich das Damenteam des Clubs an der Alster im Meisterrennen dabei. Der Titelverteidiger schaffte nach dem 6:0 im Auswärtsspiel beim Berliner HC bereits im ersten Heimspiel am Sonnabend den entscheidenden zweiten Sieg, überzeugte beim 1:0, das Nele Aring (23.) sicherstellte, aber seinen eigenen Coach nicht.

Alster-Coach George optimistisch vor Halbfinale

„Wir werden ein Stück zulegen müssen, wenn wir ins Finale wollen. Aber die Mannschaft ist auf einem sehr guten Weg“, sagte Jens George, der im Halbfinale am Sonnabend (10 Uhr) gegen den Düsseldorfer HC, der seine Serie gegen den Harvestehuder THC dank eines 2:0 am Sonnabend innerhalb von zwei Spielen gewann, keinen Favoriten ausmachen kann. „Die Duelle mit dem DHC sind immer sehr eng, ich erwarte ein spannendes Halbfinale auf Augenhöhe“, sagte er.

Herren-Halbfinale ohne Hamburger Beteiligung

Während bei den Damen aber immerhin eine Hamburger Mannschaft den Sprung ins Final-Four-Turnier schaffte, findet bei den Herren erstmals seit Einführung der eingleisigen Bundesliga 2001 ein Halbfinale ohne Hamburger Beteiligung statt. Für eine Stadt, die sich gern als Hockey-Hochburg bezeichnet, klingt das zunächst nach einer peinlichen Schmach. Überraschend ist der Ausgang der Viertelfinals allerdings nicht, vielmehr spiegelt er das aktuelle Leistungsvermögen der vier Viertelfinalisten angemessen wider.

Köln, Mülheim und Mannheim sind den Hamburger Clubs enteilt

Während der Hamburger Polo Club sich drei Jahre nach dem Aufstieg zum punktbesten Hamburger Team der Hauptrunde gemausert hat und Titelverteidiger Uhlenhorst Mülheim zwei enge Duelle lieferte, befinden sich der HTHC, der gegen Endrundengastgeber Mannheimer HC gut mithielt, und der UHC, der Spiel zwei gegen den Berliner HC im Penaltyschießen verlor, im Umbruch. Alster, das zwei Spieltage vor Hauptrundenende noch in Abstiegsgefahr geschwebt hatte, war gegen den Titelfavoriten RW Köln ohnehin nur Außenseiter gewesen. Fakt ist, dass Köln, Mülheim und Mannheim den Hamburger Teams aktuell ein Stück enteilt sind.

Die Abstiegsfrage soll zeitnah geklärt werden

Weiterhin unklar ist die Abstiegsfrage. Sicher ist, dass die Damen des Großflottbeker THGC mit zwei Siegen im Penaltyschießen beim Rüsselsheimer RK den Klassenerhalt sichern konnten. Die Flottbeker Herren verloren zwar beim TSV Mannheim Spiel zwei mit 0:6 und die Play-down-Serie damit 0:2.

Doch weil der Spielbetrieb in den Zweiten Bundesligen abgebrochen wurde, könnte der Verband Mitte der Woche entscheiden, dass es zur Saison 2021/22 keine Auf- und entsprechend keine Absteiger geben wird. Dann wären neben Flottbeks Herren auch Krefeld, das Nürnberg unterlag, sowie die Damen aus Rüsselsheim und der Zehlendorfer Wespen (scheiterten am Münchner SC) gerettet.