DFB-Pokal

Dortmund zerlegt Holstein Kiel und zieht ins Finale ein

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BVB-Kapitän Marco Reus führte seine Mannschaft gegen Holstein Kiel ins Finale des DFB-Pokals.

BVB-Kapitän Marco Reus führte seine Mannschaft gegen Holstein Kiel ins Finale des DFB-Pokals.

Foto: Martin Meissner/AP/dpa

Auch ohne Top-Stürmer Haaland demontiert der BVB den Zweitligisten, der um den Aufstieg kämpft. Ein Dortmunder verletzt sich schwer.

Dortmund. Borussia Dortmund hat den Favoritenschreck Holstein Kiel erbarmungslos überrollt und zum zehnten Mal das DFB-Pokal-Finale erreicht. Der Vizemeister fertigte den überforderten Zweitligisten im Halbfinale locker mit 5:0 (5:0) ab und fordert RB Leipzig am 13. Mai in Berlin zum Kampf um die Nummer zwei im deutschen Fußball. Viermal hat der BVB den Pokal bereits gewonnen – Leipzig ist in der kurzen Vereinsgeschichte noch ohne Titel.

Giovanni Reyna (16./22.) raubte dem Underdog früh jegliche Hoffnung auf eine weitere Sensation nach dem Zweitrunden-Coup gegen Bayern München. Das erste Pokal-Endspiel bleibt ein Traum - Kiel wird sich auf den Endspurt um den Bundesliga-Aufstieg konzentrieren. Marco Reus (26.), Thorgan Hazard (32.) und Jude Bellingham (41.) brachten den angeschlagen fehlenden BVB-Topstar Erling Haaland auf der Tribüne weiter in Verzückung. Am Ende stand der achte Halbfinal-Sieg in Serie.

Rückschlag für Kiel in Sachen Aufstieg?

„Wir waren vor dem Tor sehr konsequent. Fast jeder Schuss war ein Treffer. Wir sind sehr froh, dass wir ins Finale eingezogen sind“, sagte Reus in der ARD.

Kiel hofft dagegen, dass dieses Spiel keine bleibenden Schäden für den Aufstiegskampf in der 2. Bundesliga hinterlassen wird. „Niemand hat uns zugetraut, dass wir heute hier stehen. In der ersten Halbzeit hat uns zu viel gefehlt. Uns wurden ganz klar die Grenzen aufgezeigt", sagte Holstein-Coach Ole Werner. „Wir haben die Zweikämpfe nicht so geführt, wie man es in so einem Spiel machen muss. Wir können es einordnen und werden keine bleibenden Schäden mit in die nächsten Spiele nehmen, auch wenn wir alle sehr enttäuscht sind.“

DFB-Pokal: BVB-Profi verletzt sich schwer

Ein Wermutstropfen war aber die voraussichtlich schwere Verletzung von Mateu Morey. Der 21-Jährige blieb in der zweiten Halbzeit unglücklich im Rasen hängen, wobei sein rechtes Knie nach hinten überstreckte. Er wand sich auf dem Boden und schrie minutenlang vor Schmerzen, seine Mitspieler schlugen entsetzt die Hände vors Gesicht. Morey wurde mit einer Trage vom Feld gebracht. „Das sah nicht gut aus“, sagte Reus.

„Es ist brutal schwer. Bis zur 75. Minute war es ein perfekter Abend. Wir haben tollen Fußball gezeigt. Die Verletzung von Morey trübt den ganzen Abend", ergänzte BVB-Trainer Edin Terzic.

BVB im Pokal gegen Kiel ohne Haaland

Die Kieler sahen ihre Außenseiterchance nur kurz vor dem Anpfiff marginal steigen: Der Name Haaland fehlte in der gegnerischen Aufstellung. „Er hat einen Schlag in Wolfsburg bekommen, ist dann ins Training eingestiegen, konnte aber die Belastung nicht tolerieren“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc in der ARD. Ein Einsatz am kommenden Liga-Wochenende gegen den Finalgegner Leipzig sollte im Rennen um die Champions-League-Qualifikation wohl nicht gefährdet werden.

Den Dortmundern fehlte also die effektivste Waffe, Hazard ersetzte Haaland in der Sturmspitze. Im Mittelfeld zog der BVB sein Kurzpass-Spiel auf und stieß sofort mehrfach an die gegnerische Grundlinie vor. Die Kieler, nach zweimaliger Corona-Quarantäne mitten in einem unerbittlichen Mammutprogramm, bemühten sich vor allem um solides Positionsspiel – sie versuchten, den perfekten Moment fürs Stören zu erwischen.

Mit dem Dortmunder 1:0 wurde das ungleiche Duell für Kiel erst recht zur Herkulesaufgabe. Jadon Sancho war links gestartet, er steckte den Ball durch zu Reyna, der mit rechts sauber abschloss. Lee Jae Sung fälschte beim Blockversuch noch minimal ab, Haaland sprang jubelnd auf.

Dortmund schonte Kiel in 2. Hälfte

Selbst setzten sich die Kieler vorne selten durch, wenn überhaupt, öffneten sich Räume auf der linken Seite. Lukasz Piszczek hatte Mühe mit dem schnellen Fabian Reese. Weil die Dortmunder aber in Person Reynas umgehend erneut zuschlugen, roch es nach Entscheidung – zumal Reus, beim 2:0 noch glänzender Vorbereiter, nun auch selbst traf. Reeses Pfostenschuss (27.) war ein Kieler Lichtblick.

Dem bemitleidenswerten Holstein-Torwart Thomas Dähne flogen auch danach die Bälle nur so um die Ohren. Fünf Tore in der ersten Halbzeit eines Pokal-Halbfinals hatte noch keine Mannschaft kassiert. Erst mit Beginn der zweiten Halbzeit nahmen die Gastgeber etwas den Druck raus und schonten sich, Kiel konnte durchatmen. Schon am Dienstag geht es für Holstein mit der Terminhatz im Nachholspiel gegen den SV Sandhausen weiter.

Die Statistik

  • Dortmund: Hitz – Piszczek (62. Morey, 74. Meunier), Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can (62. Delaney) – Reyna (46. Brandt), Reus (62. Reinier), Sancho – Hazard. – Trainer: Terzic
  • Kiel: Dähne – Dehm (46. Neumann), Wahl, Lorenz, Komenda – Meffert – Lee (76. Girth), Hauptmann – Bartels (68. Mees), Reese (46. Porath) – Serra (30. Arslan). – Trainer: Werner
  • Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
  • Tore: 1:0 Reyna (16.), 2:0 Reyna (22.), 3:0 Reus (26.), 4:0 Hazard (32.), 5:0 Bellingham (41.)
  • Gelbe Karten: – Hauptmann, Lorenz
( sid/dpa/HA )