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Anton Stach: Der Shootingstar aus Buchholz

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Julius Allzeit
Anton Stach spielt für Fürth meist auf der Sechserposition, hat aber auch schon in der Innenverteidigung ausgeholfen.

Anton Stach spielt für Fürth meist auf der Sechserposition, hat aber auch schon in der Innenverteidigung ausgeholfen.

Foto: picture alliance

Der Fußballer hat sich bei St. Paulis nächstem Gegner Greuther Fürth zum deutschen U-21-Nationalspieler entwickelt.

Buchholz. Die Knie sind dreckig, die Klamotten auch, die Stimmen heiser vom Kommentieren der Torschüsse. Es ist, vor ungefähr zehn Jahren in Buchholz in der Nordheide, ein ganz normaler Tag für Anton Stach und den Autor dieser Zeilen, die gemeinsam im Garten stundenlang kicken und, wie fast alle Jungs in ihrem Alter, den Traum haben, eines Tages einmal in der Bundesliga zu spielen.

Für den schon damals extrem talentierten Stach ist der Traum von einst nun zum klaren Ziel geworden. Und dieses nach nur einem Jahr im Profifußball zu erreichen, rückt für den 22-Jährigen von Greuther Fürth mit jedem Sieg seiner Mannschaft immer näher. Am Sonntag (13.30 Uhr) können die Franken am Millerntor gegen den FC St. Pauli einen weiteren wichtigen Schritt gehen.

Seit Monaten ist Stach aus Fürths Startelf nicht mehr wegzudenken

Dass sich der in Buchholz geborene Kicker nach seinem Wechsel aus der U 23 des VfL Wolfsburg nach Fürth im Sommer 2020 binnen eines Jahres zum Stammspieler eines Aufstiegsanwärters und zum U-21-Nationalspieler hocharbeiten würde, das konnte er sich selbst nicht vorstellen. Doch diese Entwicklung ist keineswegs ein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis harter Arbeit, gepaart mit der Überzeugung, es zu schaffen.

„Ich habe mich von Anfang an in jedem Training voll reingehauen und hatte den puren Willen zu spielen“, sagt Stach im Gespräch. Zu Beginn der Saison kam der Defensivakteur zunächst nur zu Kurzeinsätzen, über die er sich dann aber einen Stammplatz erkämpfte. „Es kam darauf an, meine Chance zu nutzen, und das habe ich in dem Moment wohl getan“, sagt er. Seit Monaten ist Stach aus Fürths Startelf nicht mehr wegzudenken, in der er als zweikampf- und spielstarker Sechser meist das Spiel aufbaut, aber auch schon in der Innenverteidigung aushalf.

Auch St. Pauli soll Interesse an dem Talent gehabt haben

In Fürth fühlt sich der 1,94 Meter große Mittelfeldspieler trotz der großen Entfernung nach Hause einfach wohl. „Das Gefühl habe ich schon vor meinem Wechsel in den Gesprächen mit den Verantwortlichen gehabt. Ähnlich war es damals, als ich zu Werder gegangen bin.“ Mit 13 Jahren zog es Stach vom Buchholzer FC ins Internat des Bundesligaclubs an der Weser. Neben dem HSV soll auch St. Pauli Interesse an dem Talent gehabt haben, Werder Bremen aber habe sich am frühesten stark um ihn bemüht.

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Nach vier Jahren, in denen er unter anderem als Kapitän der U 16 für Werders aktuellen Bundesligacoach Florian Kohfeldt spielte, ging es über die Jugendmannschaften des JFV Nordwest und des VfL Osnabrück in die Regionalliga zum SSV Jeddeloh, von da aus nach Wolfsburg und nach Fürth. Kein ganz gewöhnlicher Karriereweg, aber für Stach offenbar der richtige. Denn dieser führte ihn bis in die deutsche U-21-Auswahl, mit der er jüngst an der Vorrunde der Europameisterschaft teilnahm und sich für das Viertelfinale gegen Dänemark (31. Mai) qualifizierte.

Große Unterstützung von der Familie

Unterstützt wurde der Buchholzer in seiner noch jungen Karriere stets von seiner sehr sportlichen Familie. Von Vater Matthias, bekannt als Tennisreporter für Eurosport, der damals neben seinem Beruf interimsweise die Jugendmannschaft seines Sohnes coachte, gab es „gute und konstruktive Kritik“, wie Stach junior erzählt.

„Ich hatte das Glück, dass mein Vater aus der Branche kommt. Dadurch hatte ich früh ein Gefühl dafür, wie hart der Weg zum Fußballprofi werden könnte und dass mir nichts geschenkt wird.“ Auch zu seinen beiden Schwestern, die beide auf Leistungssportebene Basketball spielen, hat Stach ein sehr gutes Verhältnis und viel Kontakt. Die Familie ist ihm wichtig.

St. Paulis Stürmer Omar Marmoush ist ein guter Freund

Auch deshalb freut sich Fürths Sechser auf das Spiel gegen St. Pauli und die Rückkehr in den Norden. „Es ist immer etwas Besonderes, nach Hause zu kommen und der Familie noch mal näher zu sein“, sagt er. Seit seinem Wechsel nach Mittelfranken war er nur zweimal in der Heimat. Zu weit ist die Fahrstrecke, zu hoch das Risiko in Corona-Zeiten. Auch diesmal wird für einen Besuch bei der Familie keine Zeit sein, zu eng getaktet ist der Spielplan mit mehreren englischen Wochen in Folge.

Wiedersehen wird Stach nach längerer Zeit am Sonntag immerhin einen anderen alten Bekannten, den er noch aus Wolfsburger Zeiten kennt: St. Paulis Stürmer Omar Marmoush ist ein guter Freund. Gemeinsam wurden sie 2019 Meister in der Regionalliga Nord.

Wichtige Punkte in Richtung Bundesliga

„Als ich damals nach Wolfsburg kam, waren Omar und ich beide verletzt. Wir haben dann die komplette Reha zusammen absolviert und uns direkt gut verstanden“, erzählt Stach. Auch heute noch haben die beiden Zweitliga-Shootingstars viel Kontakt. „So sehr ich mich auch freue, Omar wiederzusehen – ich will ihn stoppen“, sagt Stach selbstbewusst.

Gelingt ihm das, könnten für Greuther Fürth am Sonntag drei weitere ganz wichtige Punkte in Richtung Bundesliga herausspringen, die auch Stach seinem Kindheitstraum einen Schritt näherbringen. Solange Fürth aufsteigt, würde er auch dem HSV und St. Pauli den Weg nach oben wünschen: „Ich finde beide Vereine total sympathisch und liebe einfach diese Stadtduelle“, sagt er.

Angesichts der Stärke von Tabellenführer VfL Bochum kann jedoch nur maximal zwei von Stachs Lieblingsvereinen der Aufstieg gelingen. Wo ihn sein Weg noch hinführt, bleibt abzuwarten. Er ist aber überzeugt davon, dass seine Entwicklung noch lange nicht am Ende ist.