Hockey

Club an der Alster: Bereit für wichtigstes Spiel der Saison

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Björn Jensen
Mark Appel mit Alsters Damen Kira Horn und Hannah Gablac.

Mark Appel mit Alsters Damen Kira Horn und Hannah Gablac.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Hockey-Nationaltorhüter Mark Appel muss mit dem Club an der Alster im Abstiegskampf gegen Krefeld punkten.

Hamburg. Ein Muskelbündelriss oberhalb des Knies, der für eine Instabilität der Bänder und damit für erhöhte Gefahr einer Folgeverletzung sorgt. Klingt nicht wirklich gut, und wenn man weiß, dass Mark Appel diese Verletzung vor nicht einmal zwei Wochen erlitten hat, dann ist kaum zu glauben, dass der deutsche Hockey-Nationaltorhüter mit dem Gedanken spielt, an diesem Sonnabend (12 Uhr, Pfeilshof) zum Feldbundesliga-Heimspiel gegen den Crefelder HTC wieder für seinen Club an der Alster zwischen den Pfosten zu stehen.

Den Grund dafür liefert ein Blick auf die Tabelle. Siegt Alster gegen das Team vom Niederrhein, betrüge der Vorsprung auf die Krefelder, die aktuell einen der beiden Tabellenplätze belegen, die zur Teilnahme an den Abstiegsspielen zwingen, acht Punkte. Bei noch drei ausstehenden Partien wäre die Abstiegsgefahr für die Hamburger so gut wie gebannt, man könnte für das Viertelfinale planen. „Wir müssen nicht drumherum reden, für uns ist es das wichtigste Spiel der Saison“, sagt Mark Appel, „wenn die Gefahr kalkulierbar ist und ich dem Team helfen kann, dann werde ich es tun.“

Diese Einstellung ehrt den 26-Jährigen, für den Spiele gegen Krefeld stets auch eine emotionale Komponente haben. Immerhin war er im Sommer 2018 von dort nach Hamburg gewechselt. „Ich kenne aus dem aktuellen Team nur noch vier, fünf Jungs von damals. Insofern relativiert sich die emotionale Komponente“, sagt er. Außerdem sei der Club an der Alster längst seine Heimat geworden, „der Verein bedeutet mir sehr viel, und ich will Spiele gewinnen. Deshalb würde ich alles andere dem unterordnen, wenn ich zum Einsatz komme“, sagt er.

Mark Appel träumt von Olympia in Tokio

Dem Pflichtgefühl entgegen steht, wenn am Spieltag die Entscheidung für oder gegen seinen Einsatz getroffen werden muss, die Vernunft. Einerseits wäre eine Folgeverletzung am Knie auch für seinen Verein niederschmetternd, denn egal, ob es am letzten Aprilwochenende in die Play-downs oder ins Viertelfinale geht: Mark Appel wird gebraucht werden. Andererseits muss der Torhüter das persönliche Ziel im Blick behalten, das in diesem Jahr alles überstrahlt. Ende Juli möchte er die deutschen Herren als Nummer eins in die Olympischen Spiele in Japans Hauptstadt Tokio führen.

„Auch wenn Alster mir unglaublich wichtig ist, ist Olympia mein größter Traum. Deshalb weiß ich, dass ich vorsichtig sein muss und nichts riskieren darf, was unvernünftig wäre“, sagt er. Die Lage im deutschen Nationalteam ist, wie so oft vor großen Turnieren, extrem spannend. Weil die Qualität auf der Torhüterposition in Deutschland traditionell hoch ist, liefert sich Appel mit Victor Aly (26) vom Hamburger Lokalrivalen Großflottbeker THGC und Alexander Stadler (21) vom TSV Mannheim einen Dreikampf auf Augenhöhe, in dem Nuancen entscheiden dürften.

Jeder Torhüter erhält in den noch bis Ende Mai anstehenden vier Spielen der Pro League eine Bewährungschance, anschließend will Bundestrainer Kais al Saadi vor der EM in Amsterdam (4. bis 13. Juni) die beiden Keeper bestimmen, die mit nach Tokio reisen sollen. „Mein Gefühl hinsichtlich der Nominierung ist diffus, weil unsere Leistungen eng beieinander liegen. Aber ich glaube, dass meine Chancen höher sind, als sie es je waren, und mein Anspruch ist ganz klar, die Nummer eins zu sein“, sagt Mark Appel.

„Der ist ein großes Talent"

Das Corona-Jahr 2020, in dem kaum Wettkämpfe möglich waren, hat er vielfältig genutzt. Er hat sein Studium mit dem Master of Finance abgeschlossen, um sich vollkommen auf Olympia konzentrieren zu können. Er hat über das Schweizer Start-up „sswitch“ neuronales Training für sich entdeckt, das er bis zu fünfmal pro Woche für je 90 Minuten absolviert, um ungenutzte Potenziale zu erschließen. Und er habe gelernt, die Dinge mit mehr Gelassenheit zu betrachten. „Corona hat uns allen gezeigt, dass vieles nicht planbar ist. Man muss lernen zu akzeptieren, was kommt“, sagt er.

Druck könne er besser verarbeiten als früher, glaubt Mark Appel, der deshalb auch keinerlei Bedenken hätte, wenn gegen Krefeld und am Sonntag (14 Uhr) im zweiten Spiel des Wochenendes gegen Tabellenführer Uhlenhorst Mülheim der erst 18 Jahre alte Tommy Brückner im Tor stehen würde. „Der ist ein großes Talent und wird die Chance nutzen, wenn sie kommt“, sagt er. Ob sie kommt, entscheiden die Ärzte und Cheftrainer Sebastian Biederlack. Mark Appel wird tun, was er darf und was er soll.

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