Handball-Bundesliga

THW-Trainer Jicha sorgt für Ärger vor Nordderby

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Filip Jicha hat seinem Unmut über den engen Terminplan im Handball freien Lauf gelassen. Dafür bekommt er nun Kritik.

Filip Jicha hat seinem Unmut über den engen Terminplan im Handball freien Lauf gelassen. Dafür bekommt er nun Kritik.

Foto: dpa

Der Kieler Übungsleiter kritisiert die Terminhatz wegen der Corona-Pandemie und erhält kräftigen Gegenwind aus der Bundesliga.

Hamburg. Mini-Finale“ um den Meistertitel, Millionenpublikum in der ARD - doch die ganz große Vorfreude will bei den Machern der SG Flensburg-Handewitt und des THW Kiel vor dem deutschen Handball-Gipfel nicht aufkommen. Der eng getaktete Spielplan sorgt für reichlich Zündstoff, der 104. Nord-Klassiker am Sonnabend (18.05 Uhr/ARD und Sky) steht diesmal ganz im Zeichen der allgegenwärtigen Corona-Krise.

HBL-Geschäftsführer Bohmann schießt zurück

Für Wirbel sorgten die markigen Aussagen von THW-Trainer Filip Jicha, der pünktlich zu Europas größtem Derby die Terminhatz-Debatte („einfach irre“) neu entfacht hatte. HBL-Präsident Uwe Schwenker nannte die Äußerungen „unreflektiert“ und „unfair“, Ligen-Geschäftsführer Frank Bohmann verspürte am Freitag das dringende Bedürfnis, die Aussagen „ins rechte Licht rücken“.

„Ob die aktuelle Spieltagsplanung tatsächlich karriereverkürzend ist, ist eine sehr steile Annahme“, polterte Bohmann im SID-Gespräch: „Wir könnten alternativ die Liga auch abbrechen, dies würde in dieser für alle existenzbedrohenden Situation den Geldhahn abdrehen, und es wäre für viele Beteiligte im gesamten Handball sicherlich deutlich karriereverkürzender.“

Frühes Karriereende wegen vieler Spiele? Jicha in Sorge

Jicha hatte angesichts des eng getakteten Spielplans im NDR-Interview von einer belastenden Situation für Spitzensportler gesprochen, „die definitiv Spuren hinterlassen wird. Hinten heraus werden diese Wochen der Terminhatz manche Profikarrieren sicherlich etwas abkürzen. Davon bin ich überzeugt“, so Jicha. Die Terminhatz in der Corona-Krise sei „einfach irre“.

Äußerungen, die auch beim früheren THW-Manager Schwenker gar nicht gut ankommen. „Es ist nicht die Art, wie man unter Sportlern miteinander umgeht. Ich wünsche mir in dieser Debatte mehr Konstruktivität“, sagte Schwenker. Er wolle die Belastung für die Spieler in Kiel wie auch Bohmann keinesfalls kleinreden. Doch in der Vergangenheit, rechnete Schwenker mit Blick auf das Jahr vor der Pandemie vor, habe es insgesamt keinesfalls weniger Spiele für die Klubs gegeben. Eher im Gegenteil.

Auch Flensburg-Trainer Machulla sieht Probleme kommen

Doch auch SG-Coach Maik Machulla machen die Folgen der Pandemie arg zu schaffen, die ständigen Quarantäne-Anordnungen mit vielen Ausfälle von Spielen und Spielern zehren an den Nerven. „Es ist dieses Jahr ein bisschen Lotterie, von der in diesem Fall eher der THW profitiert“, sagte Machulla.

Seit dem 7. März hat Flensburg pandemiebedingt nun schon kein Pflichtspiel mehr bestritten und daher zwangsläufig tatenlos mitangesehen, wie der Erzrivale zuletzt von Partie zu Partie hetzte und pünktlich zum Topspiel die Tabellenspitze übernahm. „Wir hatten zwar mehr Erholung als der THW, aber vor so einem Spiel ist Spielpraxis wichtiger“, sagte Machulla, der wohl auf fünf Spieler verzichten muss.

Und so wittert Kiel auch ohne Welthandballer Niklas Landin (Quarantäne) im Tor seine Chance, Flensburgs imponierende Serie von 46 Heimspielen ohne Niederlage am Samstag zu beenden. THW-Spielmacher Sander Sagosen nannte die bevorstehende Partie in den "Kieler Nachrichten" ein vorweggenommenes „Mini-Finale - bei einem Sieg sieht es schon richtig gut aus“.

Kiel kann Big Points im Titelkampf holen

Wohl wahr: Mit einem Erfolg im hohen Norden könnte Kiel seinen Vorsprung an der Spitze auf drei Punkte ausbauen. Nach dem 29:21 im Hinspiel würde auch der direkte Vergleich, der in dieser Saison bei Punktgleichheit erstmals ausschlaggebend ist, an den Rekordmeister gehen. Der Abstand könnte am Samstagabend also gefühlt bereits vier Punkte betragen. Genauso kann Flensburg mit einem Sieg allerdings auch seinerseits wieder an den Kielern vorbeiziehen.

So oder so: Der Tabellenstand könnte unter Umständen jederzeit entscheidenden Charakter haben. Zwar sind nach dem Derby für beide Teams laut Spielplan bis Ende Juni noch 19 (!) und damit die Hälfte aller Liga-Spiele zu absolvieren, doch über allem schwebt die Ungewissheit der Pandemie. Ein vorzeitiger Saisonabbruch oder ein verkürztes Programm sind angesichts der Wucht der dritten Welle nicht komplett auszuschließen.

( sid )

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