Fußball

Derby-Triumph: St. Paulis Seriensieger feiern sich selbst

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Zwei Spieler verfolgen einen Ball.

Zwei Spieler verfolgen einen Ball.

Foto: dpa

Der FC St. Pauli ist nach einem verblüffenden Aufschwung als bestes Rückrundenteam die Mannschaft der Stunde in der 2. Liga. Und nach dem erneuten Triumph im Derby über den HSV inoffizieller Stadtmeister.

Hamburg. Mannschaft der Stunde, bestes Rückrundenteam der Liga, erneut Hamburger Stadtmeister: Was ist nur in den FC St. Pauli gefahren? Nach dem nächsten Triumph über den großen Stadtrivalen HSV waren die Derby-Helden vom Kiez außer Rand und Band. "Das war mit Abstand das schönste Tor in meiner ganzen Karriere", beschrieb Matchwinner Daniel-Kofi Kyereh gerührt den späten Schuss ins Glück (88. Minute). Es war der siebte Sieg in der 2. Fußball-Bundesliga aus den jüngsten acht Partien. Der HSV fiel nach dem vierten sieglosen Spiel in Serie auf Nichtaufstiegsplatz vier zurück und schob Frust, während sich die Kiezkicker im leeren Millerntor-Stadion selbst feierten und draußen Böller und Raketen knallten.

"Es gibt nichts Schöneres. Für den Verein und die Fans ist das ein Super-Sieg", jubelte Guido Burgstaller, der in den vergangenen sieben Partien mindestens jeweils einmal getroffen hatte, diesmal aber leer ausging. Dafür sprang ein anderer in die Bresche. "Kofi trifft den Ball überragend", lobte Burgstaller seinen Mitspieler, der wie er im vergangenen Sommer bei den Hanseaten dazugestoßen ist.

Siegtorschütze Kyereh ist einer von vielen Mosaiksteinchen, die aus den Braun-Weißen nach einer Hinrunde zum Vergessen mit 13 sieglosen Spielen nacheinander plötzlich Seriensieger gemacht haben. Coach Timo Schultz weist aber zurecht darauf hin, "dass auch in der Hinserie bei uns nicht alles schlecht" war. Die Entscheidung von Clubchef Oke Göttlich, an dem damals ebenso wie Sportchef Andreas Bornemann in die Kritik geratenen Coach festzuhalten, erweist sich als goldrichtig.

Das gilt für die kürzlich noch infrage gestellte Transferpolitik ebenso, bei der der Club - auch wegen der Corona-Pandemie - auf gute, junge und günstige Spieler mit Perspektive setzte. Die ablösefrei geholten Sommerzugänge Kyereh (7 Tore/8 Vorlagen) und Burgstaller (8/2) sind als Top-Scorer ebenso Garanten des Erfolgs wie die Leihspieler Rodrigo Zalazar (5/2) und Omar Marmoush (4/1) oder die nachträglich geholten Abwehrstrategen James Lawrence aus Wales und Tore Reginiussen aus Norwegen. "Einige Puzzle-Teilchen haben wir dazugewonnen", fasste Trainer Schultz die kluge Politik zusammen.

So wurde der plötzliche sportliche Höhenflug eingeleitet. Weihnachten stand der FC St. Pauli mit überaus mageren acht Punkten aus zwölf Spielen als Vorletzter auf einem direkten Abstiegsplatz - vier Zähler entfernt vom rettenden Ufer. Elf Partien später haben die erstarkten Kiezkicker starke 31 Punkte auf dem Konto angesammelt und liegen als Elfte zehn Zähler über der Abstiegszone. "Für Euch!", twitterten die Braun-Weißen nach dem ersten komplett ohne Fans ausgespielten Stadtderby - und widmeten das Siegerfoto ihrer treuen Anhängerschar.

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