Erste Dienstreise

Basketball-Talent Hollatz gibt Debüt bei Nationalmannschaft

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Alexander Berthold
Justus Hollatz (19) erzielte in dieser Saison bisher 5,7 Punkte im Schnitt. Er traf mit 41,5 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.

Justus Hollatz (19) erzielte in dieser Saison bisher 5,7 Punkte im Schnitt. Er traf mit 41,5 Prozent seiner Würfe aus dem Feld.

Foto: Witters

Basketballprofi der Hamburg Towers wird in Montenegro gegen Großbritannien das erste Mal das Trikot der A-Nationalmannschaft tragen.

Hamburg. Justus Hollatz ließ die Gedanken schweifen, als der Charterflieger am Montagvormittag zum Landeanflug auf den Flughafen Podgorica ansetzte. Zum einen genoss er den Ausblick über die malerische Landschaft rund um die Hauptstadt Montenegros, zum anderen realisierte der 19 Jahre alte Hamburger, dass ein Kindheitstraum dabei ist, sich zu verwirklichen.

Der Spielmacher der Hamburg Towers ist auf Dienstreise mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Bereits im November war er von Bundestrainer Henrik Rödl (51) nominiert worden. Damals musste er mit einer Schambeinverletzung kurzfristig absagen. An diesem Sonnabend (17 Uhr/Magenta Sport live) wird er beim EM-Qualifikationsspiel gegen Großbritannien nun das erste Mal das Trikot mit dem Bundesadler überstreifen.

Basketball-Nationalmannschaft: Spiel gegen Montenegro

Am Montag (20 Uhr) wartet auf die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) gegen Montenegro ein weiteres Länderspiel. Weil die Vier-Länder-EM im September 2022 auch in Köln und Berlin ausgerichtet wird, ist das deutsche Team für die Europameisterschaft gesetzt, muss aber dennoch die Qualifikationsspiele bestreiten.

„So richtig begreifen kann ich es immer noch nicht. Die Woche hier war so interessant und ist so schnell vorbeigegangen. Aber jetzt steht wirklich mein erstes A-Länderspiel bevor. Bis zum Tip-off werde ich realisiert haben, dass ich tatsächlich der erste deutsche Nationalspieler der Towers bin“, sagt Hollatz, als ihn das Abendblatt am Handy in seinem Einzelzimmer erreichte, in dem er den Großteil seiner Freizeit verbringt.

Strenge Corona-Regeln für Hollatz und Mitspieler

Da das Team in einer Corona-Bubble lebt, müssen sich Hollatz und seine Mitspieler in Podgorica an strenge Regeln halten. Es ist verboten, das Teamhotel zu verlassen und öffentliche Toiletten zu benutzen. Die einzige Gelegenheit, zumindest ein wenig von der Stadt zu sehen, ist während der Busfahrt vom Hotel zur Halle. „Das ist natürlich schade“, sagt Hollatz, „weil es richtig schön hier ist und das Wetter mit 15 Grad und Sonne echt nett ist. Aber es sind eben besondere Zeiten.“

Besonders ist diese Woche auch für Hollatz. Das Towers-Eigengewächs macht kein Geheimnis daraus, wie sehr er die Zeit im Kreise der Nationalmannschaft genießt. Jedes Training, jede Minute mit seinen Kollegen saugt das Toptalent auf. Doch dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, musste er in dieser Woche auch erleben. Die sogenannten Rookie-Duties, etwas unangenehme Aufgaben, die Debütanten absolvieren müssen, blieben auch ihm nicht erspart.

Rookie-Duties: Aufgaben für Neuzugänge

„Als wir Montag hier gelandet sind, musste ich die Tasche von Kapitän Robin Benzing tragen, darüber hinaus Schuhe meiner Mitspieler und Wasserkisten schleppen. Aber es ist nicht so, dass ich davon kaputt bin“, scherzt der Towers-Profi, der sich bei seinen Kollegen prompt für die aufgebrummte Zusatzarbeit revanchierte.

Am Mittwochabend trafen sich einige Nationalspieler, darunter die Routiniers Benzing (32) und Maik Zirbes (31) sowie Ismet Akpinar (26), der zweite gebürtige Hamburger im Kader, zu Gesellschaftsspielen in der Hotellobby. Auf dem Plan standen die Kartenspiele Wizard und Mogel Motte. „Es lief da richtig gut für mich. Zwei Runden Wizard konnte ich gewinnen. Das fanden die Älteren nicht so prickelnd, dass der Neuling gleich so performt“, sagt Hollatz und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Nationalmannschaftsberufung Krönung der Saison

In den EM-Qualifikationsspielen will Hollatz jetzt auch auf dem Feld Erfolgserlebnisse sammeln. Anfang der Woche hatte er ein rund zehnminütiges Einzelgespräch mit Bundestrainer Rödl, der große Stücke auf den Hamburger hält. „Er hat mir gesagt, dass ich mir nicht so viel Druck machen und das zeigen soll, was mich bei den Towers auszeichnet. In erster Linie hat er mir aber geraten, dass ich einfach so viel lernen soll wie nur möglich“, erzählt Hollatz.

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Für den Youngster ist die Nationalmannschaftsberufung die vorläufige Krönung einer Saison, in der er sich unter Clubtrainer Pedro Calles (37) noch einmal deutlich weiterentwickelt hat. Aus dem zurückhaltenden, oft zögerlich spielenden Rookie wird zunehmend ein Spieler, der bereit ist, trotz seines Alters Verantwortung zu übernehmen. Im Schnitt erhielt Hollatz bisher 18:36 Minuten Einsatzzeit und erzielte dabei 5,7 Punkte.

Basketballtalent Hollatz äußert sich selbstkritisch

Vor einer Woche beim 71:78 gegen Bonn warf er 15 Punkte, für ihn persönliche Bundesliga-Bestleistung. „Dass ein 19-Jähriger so viel Einsatzzeit bekommt, ist schon cool. Ich will und muss aber mehr Konstanz in meine Leistungen bringen“, sagt Hollatz selbst­kritisch. Sein Dreijahresvertrag bei den Towers läuft noch bis Mitte 2022.

Seine Familie wird am Sonnabend und Montag vor dem Fernseher sitzen. Wegen der Corona-Pandemie wird es in seinem Elternhaus in Harburg kein Public-Viewing geben. „Aber meine Großeltern, Onkel, Tante werden natürlich auch alle zuschauen. Ich habe das Gefühl, dass meine Familie nervöser ist als ich“, sagt Hollatz, der hofft, sein Nationalmannschaftstrikot als Souvenir an eine ganz besondere erste Dienstreise mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft mitnehmen zu dürfen.

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