Australian Open

Zverev hadert nach verlorener Nervenschlacht gegen Djokovic

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Alexander Zverev opferte sich auf, zog aber nach großem Kampf den Kürzeren gegen Novak Djokovic im Viertelfinale der Australian Open.

Alexander Zverev opferte sich auf, zog aber nach großem Kampf den Kürzeren gegen Novak Djokovic im Viertelfinale der Australian Open.

Foto: Imago / Icon SMI

Der Hamburger Tennis-Profi zeigt eine beeindruckende Leistung. Der Weltranglisten-Erste Djokovic zertrümmert seinen Schläger.

Melbourne/Hamburg. Die Sensation blieb aus, auch wenn sie zwischenzeitlich zum Greifen nah war: Alexander Zverev hat im Viertelfinale der Australian Open gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic in vier Sätzen mit 7:6, 2:6, 2:6, 6:7 verloren. Im dritten und vierten Satz lag Zverev jeweils mit einem Break vorn, konnte diesen Vorsprung aber nicht ins Ziel bringen – weil Djokovic stets in den entscheidenden Momenten sein bestes Tennis auspackte.

„Es ist super ärgerlich“, sagte Zverev, der vor dem Match erst einen Satz im Laufe des Turniers verloren hatte. „Es war ein großartiges Match, aber ich bin mit dem Ergebnis natürlich überhaupt nicht glücklich.“ Zverev verpasste es auch im neunten Anlauf, einen Top-Ten-Spieler bei einem Major zu schlagen und sein insgesamt drittes Halbfinale bei den wichtigsten Turnieren zu erreichen. Besonders ärgerlich: Diesmal war mehr drin.

Boris Becker: Warum Zverev verlor

„Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle, ich fühle mich mental und körperlich ausgelaugt", sagte Djokovic nach dem umkämpften Match. „Bis zum letzten Punkt hätte es in beide Richtungen ausgehen können.“ In dieser Analyse pflichtete ihm sein früherer Trainer Boris Becker bei. „Alex hat an die Tür geklopft. Aber ein, zwei Fehler im ungünstigen Moment haben den Ausschlag gemacht“, sagte der Eurosport-Experte.

Der 33 Jahre alte Serbe steht nun bereits zum neunten Mal im Halbfinale von Melbourne, seinem erfolgreichsten Turnier, das er bereits achtmal gewann. In der Runde der letzten Vier trifft Djokovic überraschend auf den russischen Qualifikanten Aslan Karazew, der den angeschlagenen Bulgaren Grigor Dimitrow 2:6, 6:4, 6:1, 6:2 besiegte. Vorjahres-Halbfinalist Zverev (23) darf sich nach starken Leistungen erhobenen Hauptes von dem Grand-Slam-Turnier verabschieden.

Wegen Zverev: Djokovic zertrümmert Schläger

Es war eine dreieinhalb Stunden andauernde Nervenschlacht zwischen dem an Position sechs gesetzten Hamburger Tennis-Profi und dem serbischen Branchenprimus.

Ein Beleg dafür? Im dritten Satz zertrümmerte Djokovic seinen Schläger, weil er in dieser Phase einfach keine Antwort auf das druckvolle Spiel von Zverev fand. Zu diesem Zeitpunkt führte Deutschlands bester Tennisspieler mit 3:1. Er hatte soeben einen Breakball gegen sich abgewehrt und erspielte sich einen sogenannten Vorteil. Für Vulkan Djokovic reichte dies schon aus für seinen Wutausbruch. Am Ende brachte Zverev sein Aufschlagspiel durch, den Satz aber holte Djokovic, der plötzlich fünf Spiele in Folge gewann.

Nervenschlacht: Zverev beißt auf Schläger

Später im 4. Satz beim Stand von 5:5 und Aufschlag Zverev ließ Djokovic erneut seinen Schläger fallen, nachdem sein Ball knapp im Aus landete. Zuvor biss Zverev auf seinen Schläger, als ihm seine Vorhand nicht schmeckte.

"Wir rutschen hier auf unserem Stuhl hin und her", sagte Eurosport-Kommentator Matthias Stach über sich und Tennis-Experte Boris Becker. "Es ist furchtbar, aber natürlich furchtbar spannend." Ein Krimi, in dem Djokovic am Ende die größeren Nerven zeigte.

Australian Open: Zverev startete mit Break gegen Djokovic

Keine zwei Wochen nach der knappen Drei-Satz-Niederlage beim ATP Cup an selber Stelle gelang Zverev mit dem schnellen 2:0 ein Start nach Maß. In der 15.000 Zuschauer fassenden, wegen des zunächst bis Mittwoch geltenden Lockdowns aber nahezu menschenleeren Rod-Laver-Arena entwickelte sich das achte Duell der beiden zunächst ganz anders als die vergangenen. Djokovic suchte für seine Verhältnisse häufig schnell die Entscheidung. Mit Hinweis auf seine Beschwerden hatte er angekündigt, seine Spielweise etwas anzupassen.

„So habe ich es, glaube ich, noch nie gesehen, dass er so schnell auf die Punkte geht, gerade auf der Vorhandseite“, sagte sein früherer Trainer Becker erstaunt. Einen Satzball zum 3:6 wehrte der achtmalige Australien-Champion ab, dann schaffte er urplötzlich mit gewohnter Konstanz den Ausgleich zum 5:5. „Das ist die normale Spielweise, mit Geduld und Länge“, sagte Becker im engen Tiebreak. Zverev wollte diesmal erstmals mit voller Kraft aufschlagen und nutzte den dritten Satzball.

Zverev vergibt zwei Sätze trotz Break-Führung

Doch Djokovic war nun besser im Match und reagierte im Stil eines 17-fachen Grand-Slam-Champions. Nach einer blitzschnellen 4:0-Führung glich er aus, Zverev antwortete mit dem 3:0 im dritten Satz. Weil ihm das Rebreak nicht gelang, zerhackte der bis dahin komplett ruhige Djokovic seinen Schläger. Doch mit zwei Doppelfehlern gab der zuvor stabile Zverev danach den Vorsprung aus der Hand und holte kein Spiel mehr.

Djokovic brüllte seine Freude über die 2:1-Satzführung heraus – und ließ Zverev wieder wegziehen. Der 3:0-Vorsprung war aber sofort wieder weg, in der intensiven und längst auch hochklassigen Partie wehrte der Weltranglisten-Erste einen Satzball per Ass ab schaffte im Tiebreak erneut mit einem Ass nach 3:31 Stunden die Entscheidung.

( wal/dpa )

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