Niederlage in Leverkusen

"Charakterlos": Ist Borussia Dortmund untrainierbar?

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Nach der Niederlage in Leverkusen wächst die Kritik an den Profis von Borussia Dortmund.

Nach der Niederlage in Leverkusen wächst die Kritik an den Profis von Borussia Dortmund.

Foto: Martin Meissner / dpa

In den entscheidenden Momenten zeigt der BVB zu wenig Leidenschaft und Siegermentalität. Hamann fällt vernichtendes Urteil.

Leverkusen. Neue Mentalitätsdebatte statt Meisterträume: Beim Warten aufs Interview musste Edin Terzic mit anhören, wie Sky-Experte Dietmar Hamann ein vernichtendes Urteil über seine Mannschaft fällte.

"Disziplinlos, herzlos und charakterlos" sei die Mannschaft von Borussia Dortmund zeterte der Ex-Nationalspieler im Studio. Trainer Terzic lauschte - und statt zu widersprechen befeuerte er die Debatte um die mangelnde Mentalität des BVB-Teams.

Mit der Körpersprache in der ersten Halbzeit sei er "gar nicht einverstanden", sagte der 38-Jährige nach dem 1:2 (0:1) bei Bayer Leverkusen, durch das sich der BVB vorerst aus dem Meisterrennen verabschiedete. "Wir haben uns teilweise zu viel auf unser Talent verlassen", sagte Terzic: "Und uns zu wenig gewehrt."

Reus als Sinnbild des Dortmunder Scheiterns

Schon nach sechs Spielen scheint der junge Coach an seinem Team zu verzweifeln. Weswegen Hamann noch nachlegte, die Mannschaft müsse aufpassen, "dass es nicht untrainierbar wird".

Nun ist eine knappe Niederlage bei einer wirklich starken Leverkusener Truppe eigentlich keine Schande. Doch wie der BVB sich in einem wegweisenden Spiel eine Halbzeit lang fast schon vorführen ließ, nach dem Ausgleich durch Julian Brandt (67.) die Chance nicht beim Schopfe packte und am Ende durch ein "sehr doofes Gegentor" (Terzic) noch verlor, das war nun alles andere als meisterlich. Dass die spannendste Teenager-Truppe Europas am Ende durch das Tor des 17-jährigen Florian Wirtz unterlag (80.), war eine Ironie am Rande.

Und Kapitän Marco Reus, der eigentlich vorangehen sollte, stand wieder ein wenig sinnbildlich für das Scheitern. Der 31-Jährige, der beim 1:1 gegen Mainz einen Elfmeter verschossen hatte, wurde bei der Jagd nach dem Ausgleich kurz vor Schluss gegen U-23-Spieler Steffen Tigges ausgewechselt. Die Nachspielzeit verfolgte er frustriert mit einer Flasche Wasser auf einem kleinen Steinvorsprung.

Dortmund kein Konkurrent um den Titel

Seinem Team fehle "von allem etwas", analysierte auch Reus danach schonungslos. "Wir müssen in allen Bereichen mehr investieren, um erfolgreicher zu sein. Und wir müssen in der Rückrunde mehr Punkte holen. Sonst laufen wir Gefahr, die Saisonziele zu verpassen."

Das Mindestziel des Vizemeisters ist die Qualifikation für die Champions League. Natürlich schielen die Dortmunder immer auch in Richtung Titel. Doch gerade in dem Jahr, in dem die entkräfteten Bayern schwächeln, ist der BVB kein Konkurrent auf Augenhöhe. Auf die Frage, ob der Titel nach der Hälfte der Saison schon verspielt ist, fiel Reus ein Dementi schwer. "Die Meisterschaft hat weder vor noch nach dem Spiel eine relevante Rolle gespielt", sagte er und blickte auf den schweren Rückrunden-Auftakt am Freitag bei seinem Ex-Club Mönchengladbach: "Da müssen wir dreifach punkten, sonst verlieren wir den Anschluss."

Terzic fordert Taten statt Worte

Sechs Spiele hat die Borussia in dieser Hinrunde verloren, eines weniger als in der gesamten letzten Saison. Weswegen auch Brandt als einer der wenigen Lichtblicke an diesem Dienstagabend nicht vom Titel reden wollte. "In 17 Spielen kann viel passieren", sagte der Nationalspieler: "Aber klar sind wir weit entfernt." Terzic ergänzte: "Mit Ergebnissen kann man die Tabelle beeinflussen. Nicht mit Reden."

Gesprächsbedarf gibt es in Dortmund dennoch einigen. Und Terzic versprach schon mal: "Wir werden es nicht akzeptieren, dass wir versuchen, den Ball immer noch mal quer zu spielen, um ein unglaublich schönes Tor zu schießen mit 48 Stationen."

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( dpa )