Dortmund. Dortmund verliert krachend gegen den VfB Stuttgart und nähert sich mit großen Schritten einer Krise. Favre rotiert, Hummels kritisiert.

Peinliche Demütigung für Borussia Dortmund: Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre unterlag dem VfB Stuttgart nach einer indiskutablen Leistung verdient mit 1:5 (1:1) und läuft den eigenen Ansprüchen in der Fußball-Bundesliga nach elf Spielen weit hinterher.

Silas Wamangituka (26., Foulelfmeter und 53.), Philipp Förster (60.), Tanguy Coulibaly (63.) und Nicolas Gonzalez (90.+1) trafen für den starken Aufsteiger, der auch im sechsten Auswärtsspiel in dieser Saison ungeschlagen blieb und erstmals seit 13 Jahren wieder in Dortmund gewann. Giovanni Reyna (39.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Borussia Dortmund – VfB Stuttgart 1:5 (1:1)

Borussia Dortmund

Bürki - Can (59. Reinier), Hummels, Akanji (86. Zagadou) - Morey, Bellingham (64. Schulz), Witsel, Guerreiro (86. Moukoko) - Sancho (86. Brandt), Reus, Reyna. - Trainer: Favre

VfB Stuttgart

Kobel - Mavropanos (88. Stenzel), Anton, Kempf - Wamangituka (67. Massimo), Endo, Sosa - Mangala, Förster (77. Egloff) - Klimowicz (88. Churlinov), Coulibaly (67. Gonzalez). - Trainer: Matarazzo

Schiedsrichter

Christian Dingert (Lebecksmühle)

Tore

0:1 Wamangituka (26. Elfmeter), 1:1 Reyna (39.), 1:2 Wamangituka (52.), 1:3 Förster (59.), 1:4 Coulibaly (63.), 1:5 Gonzalez (90.+1)

Zuschauer

keine

Gelbe Karten

Can (4), Morey - Mavropanos (2), Endo (2), Wamangituka (4)

Torschüsse

12:18

Ecken

8:2

Ballbesitz

66:34 %

Zweikämpfe

97:122

1/10

BVB: Hummels, Reus und Favre kritisieren

Für den BVB war es die dritte Heimpleite in Folge. Die von Kapitän Marco Reus geforderten vier Siege bis Weihnachten sind schon nach dem ersten Spiel nicht mehr zu erreichen. "Es geht um geistige Frische und Risiko da, wo es angebracht ist", kritisierte BVB-Abwehrchef Mats Hummels nach der empfindlichen Pleite bei "Sky."

Auch Reus bohrte tief in der Dortmunder Wunde. "Wir sind keine Mannschaft, die gut verteidigen kann, das muss man ganz klar sagen. Das war ein sehr verdienter Sieg für Stuttgart", sagte der Nationalspieler a.D.: "Wir dürfen zu Hause nicht so auftreten. Wir müssen darüber sprechen, was jeder Einzelne vorhatte und, wie wir die letzten drei Spiele bestreiten wollen. Denn wenn wir sie so bestreiten, dann holen wir nichts mehr.“

Stimmen zur BVB-Klatsche gegen Stuttgart

Mats Hummels (Borussia Dortmund)

Zur Frage, ob es daran liege, dass der BVB nicht die gleiche Siegermentalität wie der FC Bayern hat: „Es ist auf jeden Fall ein Teil des Ganzen. Es geht natürlich auch um geistige Frische, die wir im Moment nicht haben, weil es natürlich auch nicht einfach ist zurzeit. Aber dann geht es darum, Automatismen im Spiel zu haben, konzentriert zu sein und sinnvollen Fußball zu spielen. Sinnvoll heißt, Risiko da einzugehen, wo es angebracht ist. Oft können wir Dinge durch individuelle Klasse kompensieren, heute ging das gnadenlos schief.“ 

Marco Reus (Kapitän Borussia Dortmund)

„Stuttgart war uns in allen Belangen überlegen. Sie haben alles gezeigt, was wir uns vorgenommen hatten. Wenn wir nicht aggressiv im Anlaufverhalten sind und die Zweikämpfe nicht annehmen, dann laufen wir nur hinterher. Wir sind keine Mannschaft, die gut verteidigen kann, das muss man ganz klar sagen. Es war unterm Strich ein verdienter Sieg für Stuttgart und für uns sehr beschämend. Wir dürfen zu Hause nicht so auftreten. Wir müssen darüber sprechen, was jeder Einzelne vorhatte und, wie wir die letzten drei Spiele bestreiten wollen. Denn wenn wir sie so bestreiten, dann holen wir nichts mehr.“  

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund)

„Das war eine Katastrophe. Wir haben viel zu viele große Fehler gemacht. Wir haben die Bälle nicht erobert und sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Stuttgart hat gut gespielt, aber wir waren auch sehr schlecht und das geht nicht. Es ist schwer für alle, das zu akzeptieren. Wir müssen jetzt sprechen und das analysieren.“ 

Gregor Kobel (Torwart VfB Stuttgart)

„Es hat sehr viel Spaß gemacht, es war ein geiles Spiel. Ich bin sehr stolz auf die Jungs, sie haben von Anfang bis zum Ende Gas gegeben. Grade offensiv waren wir sehr gefährlich, wir waren mutig und haben den Ball laufen lassen. Es ist ein geiler Sieg, der uns sehr viel Selbstvertrauen gibt.“ 

Philipp Förster (Torschütze VfB Stuttgart)

„Wir haben uns heute viel vorgenommen. Wir haben unsere Torchancen genutzt und am Ende auch verdient gewonnen. Wir hatten einfach den besseren Plan als der Gegner.“ 

Pellegrino Matarazzo (Trainer VfB Stuttgart)

Zu Doppeltorschütze Silas Wamangituka: „Sowohl er als auch ein paar andere Spieler in der Mannschaft haben enormes Potenzial. Sie sind nicht abgehoben und geben in jedem Training Vollgas. Bei Silas und bei vielen anderen Spielern ist das Potenzial grenzenlos.“

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"Das war eine Katastrophe, das war sehr, sehr schlecht", sagte Trainer Favre, "das ist schwer zu erklären." Wenn die gesamte Mannschaft bei der Balleroberung schlecht sei, "dann hast du ein Problem".

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo hingegen frohlockte: „Wir haben ein tolles Fußballspiel von uns gesehen. Wir waren sehr scharf, sehr präsent. Wir haben nach vorne und nach hinten als brutale Einheit agiert. Wir haben dominant und mit Überzeugung Fußball gespielt. Dafür haben wir uns belohnt. Es ist wichtig, dass wir mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben.“

BVB ist die hohe Belastung anzumerken

Favre änderte sein Team im Vergleich zum Champions-League-Erfolg bei Zenit St. Petersburg (2:1) auf sechs Positionen. Die zuletzt angeschlagenen Raphael Guerreiro und Manuel Akanji kehrten in die Startelf zurück.

Trotz der Wechsel war dem BVB die hohe Belastung der vergangenen Wochen deutlich anzumerken. Gegen die flinken Schwaben kamen die Gastgeber anfangs immer einen Schritt zu spät. Die Dortmunder liefen zunächst gegen die mutig auftretenden Gäste nur hinterher. Torhüter Roman Bürki musste bei einem Freistoß von Borna Sosa sein ganz Können aufbieten (7.).

Sechs Minuten später wäre wohl auch der Schweizer machtlos gewesen, doch der starke Coulibaly verfehlte knapp. Dortmund fand nach einer Viertelstunde etwas besser ins Spiel, wurde dann aber ausgekontert. Nationalspieler Emre Can brachte den frei vor Bürki auftauchenden Mateo Klimowicz zu Fall, Wamangituka verwandelte den Elfmeter sicher.

Dortmunder Ausgleich fällt aus dem Nichts

Stuttgart blieb auch danach am Drücker, verpasste es in dieser Phase aber nachzulegen. Coulibaly setzte sich im Strafraum gegen drei Dortmunder durch und scheiterte an Bürki, den Nachschuss setzte Klimowicz freistehend drüber (30.). Acht Minuten später parierte Bürki gegen Klimowicz stark.

Aus dem Nichts fiel der Dortmunder Ausgleich. Einen langen Pass von Guerreiro nahm Reyna technisch stark an und vollendete mit viel Gefühl. Das Unentschieden zur Halbzeit war für den BVB allerdings äußerst schmeichelhaft.

Stuttgart hätte noch höher gewinnen können

Nach dem Wechsel änderte sich kaum etwas. Dem Spiel des BVB mangelte es weiterhin an Tempo und Ideen. Zudem war es fehlerhaft. Vor dem erneuten Rückstand vertändelten Guerreiro und Jude Bellingham den Ball. Wamangituka traf wie schon in der vergangenen Woche beim Sieg in Bremen (2:1) doppelt.

Der BVB fiel danach völlig auseinander. Zwischen Försters 3:1 und Coulibalys 4:1 traf Klimowicz noch den Pfosten (62.).