Ärger über Drittligaspiel

16 Corona-Infizierte nach Handballspiel in Hamburg

Rune Hanisch von der HG Hamburg-Barmbek bei einem Testspiel gegen die Füchse Berlin (Archivbild).

Rune Hanisch von der HG Hamburg-Barmbek bei einem Testspiel gegen die Füchse Berlin (Archivbild).

Foto: Witters

Die HG Hamburg-Barmbek fordert die Aussetzung der Saison in der Dritten Liga und regelmäßige Corona-Tests.

Hamburg. Jürgen Hitsch ist immer noch aufgebracht, wenn er von den Folgen des Drittligaspiels seiner HG Hamburg-Barmbek am Freitag, dem 30. Oktober, gegen die HSG Ostsee Neustadt/Grömitz (32:33) berichtet. 15 Handballer, acht beim Gegner, sieben bei den Barmbekern, dazu ein Betreuer der Hamburger sind inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Eine derartige Häufung von Infektionen, mutmaßlich ausgelöst beim Zusammentreffen im Rahmen eines Ligapunktspiels, hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Beide Mannschaften befinden sich in häuslicher Quarantäne. Einige der Infizierten sind weiter symptomfrei, andere klagten zuletzt über Halsschmerzen und Fieber.

Corona: HG Barmbek kritisiert Ansetzung

„Dieses Spiel hätte angesichts der allgemeinen Infektionslage gar nicht stattfinden dürfen“, sagt der HG-Barmbek-Vorstandsvorsitzende Hitsch, der die Begegnung mit Maske verfolgt hatte und gesund geblieben ist. „Zum Glück hatten wir kurzfristig Zuschauer ausgeschlossen, obwohl es uns zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt gewesen wäre.“

Am heutigen Dienstagabend beraten Vertreter des Deutschen Handball Bundes (DHB) und die Vereine der 3. Liga Nord-Ost in einer Videoschalte über die Fortführung der Saison. Bislang war der Spielbetrieb nur vom 2. bis zum 15. November eingestellt. Die HG Barmbek hat sich jetzt in einem Offenen Brief an den DHB gewandt und angeregt, die gesamte Saisonplanung zu überdenken.

Trainingsverbot für HG Barmbek in Hamburg

Die Barmbeker wären wie die HSG Ostsee nach der Isolation frühestens Mitte Dezember wieder spielfähig, andererseits erlauben die Eindämmungsverordnungen in Hamburg und Schleswig-Holstein derzeit nur Profiteams den Trainings- und Spielbetrieb. Auch wenn der DHB seine 3. Liga, 72 Teams in vier Staffeln, gern als Berufshandballer eingestuft hätte, die meisten Bundesländer gehen da nicht mit.

Das Hamburger Sportamt jedenfalls verweigerte den Barmbekern für den Monat November die Spiel- und Trainingserlaubnis. „Dafür haben wir volles Verständnis“, sagt Hitsch, „wir sind keine Profis.“ Dazu kommt: In der 3. Liga werden die Spieler nicht getestet.

Corona bei Handballspiel in Hamburg übertragen?

Die Vorschläge der Barmbeker werden von der HSG Ostsee unterstützt: Aussetzung der Saison bis zum März, danach eine einfache Hinrunde, anschließend Play-offs – und regelmäßige Testung aller Spieler. „Bis zum März könnten wir Finanzpartner für das Testkonzept gewinnen“, sagte HSG-Ostsee-Geschäftsführer Peer-Hendrik Grenke-Klimstein den „Lübecker Nachrichten“.

Wie das Virus von der einen auf die andere Mannschaft übergesprungen ist, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Hitsch hat da zwar einen Verdacht, aber keine gesicherten Belege. Bekanntlich lassen sich momentan nur noch 25 Prozent der Infektionswege eindeutig nachweisen. Dass Handball wegen seiner intensiven Körperkontakte am Kreis Übertragungen begünstigen kann, halten Mediziner für denkbar. Gefährlicher scheinen ihnen aber trotz Mund-Nase-Masken Zusammenkünfte in den Kabinen.