Tennis

13. Sieg bei French Open: Rafael Nadal verzückt Boris Becker

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Rafael Nadal fällt auf die Knie und feiert seinen 13. Triumph bei den French Open.

Rafael Nadal fällt auf die Knie und feiert seinen 13. Triumph bei den French Open.

Foto: AFP

Nadal blieb auch gegen Djokovic im Finale ohne Satzverlust. Mit seinem 20. Grand-Slam-Titel zieht der Spanier mit Roger Federer gleich.

Paris. Rafael Nadal sackte nach 2:41 Stunden Tennisperfektion überglücklich auf den roten Sand von Roland Garros: Der 34 Jahre alte Spanier hat dem Weltranglistenersten Novak Djokovic im Finale der French Open mit einem 6:0, 6:2, 7:5-Sieg eine brutale Lehrstunde erteilt und steht nach seinem 20. Grand-Slam-Triumph nun in der ewigen Bestenliste auf einer Stufe mit dem großen Roger Federer (Schweiz). Djokovic bleibt bei 17 Majortiteln.

„Hier zu gewinnen bedeutet in so einem schweren Jahr alles für mich. Heute denke ich nicht an Roger und die großartigen Zahlen. Roland Garros bedeutet alles für mich“, sagte Nadal zu Beginn der Pokalzeremonie. Immerhin gab der oftmals verbissen wirkende Tennisstar zu, stolz zu sein, zu Federer aufgeschlossen zu haben. Im Moment des Triumphs schickte Nadal aber auch eine Botschaft an die Menschen, die in aller Welt unter dem Coronavirus leiden: „Wir werden es gemeinsam durchstehen.“

13. Sieg bei French Open: Nadal verzückt Becker

Nadal verteidigte sein Pariser Hoheitsgebiet mit fast außerirdischer Kraft und Präzision und feierte mit seinem 100. Sieg bei dem wichtigsten Sandplatzevent der Welt zum 13. Mal den Titelgewinn. Der Serbe Djokovic durfte bislang nur 2016 in Roland Garros jubeln. Der Tourdominator kassierte gegen Nadal, der ohne Satzverlust im Turnier blieb, seine insgesamt erst zweite Niederlage in diesem Jahr – schmerzhafter hätte sie kaum ausfallen können. Es war eine Machtdemonstration auf allerhöchstem Niveau.

"Ich habe Rafael Nadal noch nie besser Tennis spielen sehen als heute. Der Junge ist 34 – wie geht denn so etwas?", fragte Eurosport-Experte Boris Becker unmittelbar nach dem verwandelten Matchball. Während des Finals lobte der frühere Coach von Djokovic immer wieder das "hochklassige Tennis" der beiden Protagonisten. Doch in den entscheidenden Situationen war es stets Nadal, der mit einer unheimlichen mentalen Stärke die Oberhand behielt.

Roger Federer gratuliert Rafael Nadal

Mentale Stärke bewies hinterher auch Roger Federer, der sich den inoffiziellen Titel des erfolgreichsten Tennisspielers der Geschichte nun mit Nadal teilen muss. „Ich hatte schon immer den größten Respekt vor meinem Freund Rafa als Person und Champion“, schrieb der 39 Jahre alte Federer bei Twitter. „Es ist eine große Ehre für mich, ihm zu seinem 20. Grand-Slam-Sieg zu gratulieren.“ Große Worte eines großen Spielers.

Nadal und Djokovic von einem anderen Stern

Zurück zum diesjährigen French-Open-Finale. Nadal gegen Djokovic – das ist ein Klassiker. Kein Duell hat in der Geschichte des Profitennis häufiger stattgefunden, schon vor dem 56. Aufeinandertreffen der beiden Branchenriesen schnalzten Experten und Fans in Erwartung eines Spektakels gleichermaßen mit der Zunge. Sie sollten ein denkwürdiges Duell mit einem unglaublichen Nadal sehen. „Heute habe ich am eigenen Leib erfahren, warum du der Sandplatzkönig bist“, sagte Djokovic.

Beide Topstars hatten auf dem Weg ins Finale wieder einmal allen Unwägbarkeiten getrotzt, dabei waren sie gleichermaßen sorgenvoll ins Turnier gestartet. Der Spanier fürchtete vor der Herbstausgabe die ungewohnten Bedingungen mit schwerem Boden, kalten Temperaturen und langsamen Bällen. Doch er spielte sich genauso frei wie Djokovic, dem seine schmachvolle Disqualifikation bei den US Open, seine bis Sonntag einzige Niederlage des Jahres, noch in den Knochen steckte.

Das Endspiel des letzten Grand Slams des Jahres, dem größere Corona-Probleme aufgrund der strikten Sicherheitsauflagen erspart blieben, startete spektakulär. „Das ist ein unglaublich hohes Niveau“, sagte das deutsche Idol Boris Becker bei Eurosport: „Nadal spielt in einer anderen Welt, die nur er kennt.“

Nadal erteilt Djokovic die Höchststrafe

Djokovic setzte einen Stopp nach dem nächsten an, um den Grundlinienduellen mit Nadal (Weltranglisten-Zweiter) aus dem Weg zu gehen. Die Taktik wirkte durchaus schlau, aber der Mallorquiner fand auf alles eine Antwort. Vor der Partie hatte Djokovic es als „größte Herausforderung im Sport“ bezeichnet, Nadal in seinem „Wohnzimmer“ zu schlagen. Und er durfte sich bestätigt fühlen mit dem Ende des ersten Satzes, den er mit der Höchststrafe nach 45 Minuten abhaken musste.

Die Nummer eins der Welt brauchte unter dem geschlossenen Dach des Court Philippe Chatrier ein stärkeres Service und noch mehr Risiko, um irgendwie in die Partie zu kommen. Nach seinem ersten Spielgewinn Anfang des zweiten Satzes zeigte er direkt seine Faust, doch Nadal dachte nicht daran, nachzulassen, breakte Djokovic bei dessen zweitem Aufschlagspiel und zog erneut unwiderstehlich davon.

French Open: Rafael Nadal fast ohne Fehler

Nadal agierte nahe der Perfektion, in den ersten beiden Sätzen leistete er sich gerade einmal sechs vermeidbare Fehler – Djokovic, der überragende Spieler dieses schwierigen Tennisjahres, stand zu diesem Zeitpunkt bei 30. Die 1000 Zuschauer, die die Veranstalter auf die Anlage lassen durften, sahen Außergewöhnliches.

Vor dem dritten Satz nahm sich Nadal eine kurze Pause, ging in die Kabine und powerte danach weiter. Djokovic hielt weiter mit seiner großen Klasse dagegen und holte erstmals in dem Match ein Break auf. Doch Nadal war einfach zu stark und untermauerte seine Ausnahmestellung auf Sand.

( sid/wal )