FC Schalke 04

1:11 Tore nach zwei Spielen: Geisterstunde für David Wagner?

David Wagners Tage als Schalker Trainer dürften nach der zweiten Demütigung im zweiten Saisonspiel gezählt sein.

David Wagners Tage als Schalker Trainer dürften nach der zweiten Demütigung im zweiten Saisonspiel gezählt sein.

Foto: Imago/Moritz Müller

Werder Bremen schießt Gelsenkirchens Trainer ein Stück weiter an den Abgrund. Füllkrug brilliert mit Hattrick, Spuck-Eklat um Kabak.

Gelsenkirchen. Mit einer weiteren desaströsen Vorstellung hat Schalke 04 seine Horrorserie fortgesetzt und Trainer David Wagner zum Abschuss freigegeben. Acht Tage nach dem 0:8-Debakel bei Bayern München unterlagen die Königsblauen im Krisenduell dem Beinahe-Absteiger Werder Bremen mit 1:3 (0:2) und zeigten keine Spur von der von Sportvorstand Jochen Schneider geforderten „deutlichen Leistungssteigerung, die sich auch im Ergebnis widerspiegelt“. Nach 18 Bundesligaspielen in Folge ohne Sieg dürfte Wagners Zeit auf Schalke damit abgelaufen sein.

Niclas Füllkrug mit seinem zweiten Bundesliga-Dreierpack (22./37./59.) führte Werder bei einem späten Gegentreffer von Mark Uth (90.+2) zum ersten Saisonsieg und schraubte die Bilanz der Schalker, die obendrein Ozan Kabak mit Gelb-Roter Karte (84.) verloren, seit dem letzten Erfolg am 17. Januar (2:0 gegen Borussia Mönchengladbach) auf 8:48 Tore bei kläglichen sechs Punkten. Eine Ausbeute, die in der Vergangenheit längst jedem Trainer zum Verhängnis geworden wäre.

Wagner vor Schalke-Aus? "Das werden wir sehen"

Er habe ein „offenes, vertrauensvolles Verhältnis“ zu Wagner, hatte Schneider vor dem Anpfiff bei Sky betont, „es ist alles okay.“ Der Frage nach den Konsequenzen nach einer weiteren Pleite wich er zunächst aus: „Das werden wir sehen.“

Wagner selbst sagte nach der Niederlage zu einer möglichen Entlassung: "Ich weiß, dass die Argumente Resultate sind, und die liefern wir nicht." Einen Rücktritt schloss er allerdings aus. Er sei "überzeugt davon, Teil der Lösung sein zu können", sagte Wagner. Die Entscheidung obliege nun der Vereinsführung. "Am Ende ist jedes neue Spiel eine Möglichkeit. Es nützt nichts, den Sand in den Kopf zu stecken."

Wagner musste in seinem Endspiel auf den verletzten Nationalspieler Suat Serdar und Offensivspieler Amine Harit verzichten. Dagegen konnte der Coach erstmals seit dem 22. Februar wieder seinen Kapitän Omar Mascarell einsetzen. Werder-Trainer Florian Kohfeldt stellte gegenüber dem 1:4-Fehlstart gegen Hertha BSC auf vier Positionen um, unter anderem musste Kapitän Niklas Moisander auf die Bank.

Schalke und Werder mit vielen Fehlpässen

Beiden Teams war in der wegen zu hoher Coronazahlen in Gelsenkirchen leeren Arena die Verunsicherung nach den Pleiten zum Auftakt deutlich anzumerken. Viele Fehlpässe, viele Fouls prägten die Anfangsphase. Bremen profitierte als Erstes von einem Fehler des Gegners: Füllkrug kam im Anschluss an eine Ecke nach einem Kopfball von Joshua Sargent völlig frei an den Ball, Uth hob das Abseits auf – und Schalke lag schon wieder in Rückstand.

Eine weitere Standardsituation, erneut stümperhaft verteidigt, führte zum 0:2. Nach dem Freistoß von Maximilian Eggestein kam Füllkrug völlig unbedrängt zum Kopfball – die Schalker hielten wieder Abstand. "Alles, was wichtig war an Zweikämpfen, haben wir heute gewonnen", sagte Matchwinner Füllkrug bei "Sky" zum Schlüssel des Bremer Erfolgs.

Kabak bespuckt Bremens Augustinsson

Dass auf Schalker Seite schon in der ersten Halbzeit die Nerven blank lagen, bewies auch der spätere Gelb-Rot-Sünder Kabak, der den am Boden liegenden Bremer Ludwig Augustinsson vom Schiedsrichter unbemerkt bespuckt hatte. "Das ist nicht schön, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist nicht Fairplay", sagte Augustinsson hinterher. Die Situation in der 27. Minute habe er zunächst allerdings gar nicht bemerkt, sagte der 26 Jahre alte Schwede beim Betrachten der Fernsehbilder.

"Das war Absicht, eine bewusste Aktion“, sagte Sky-Experte Lothar Matthäus. "Als Spieler angespuckt zu werden, ist das Schlimmste. Ich hoffe, dass er noch bestraft wird." In der 84. Minute sah Kabak wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte. "Das ist natürlich ein absolutes Unding, was nicht auf den Fußballplatz gehört“, sagte Kohfeldt bei "Sky" trotz Verständnisses für die angespannte Lage auf Schalke. "Es sieht auf jeden Fall unschön aus", sagte Kohfeldts Kollege Wagner: "Ich kenne Ozan und bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es keine Absicht war. Es sieht unglücklich aus."

Kabak meldete sich später am Abend via Twitter zu Wort. "Es war keine Absicht, die Sicht von außen täuscht", schrieb der 20-Jährige zu der Aktion und entschuldigte sich bei Augustinsson.

So liefen die übrigen Sonnabend-Spiele:

Zur zweiten Hälfte brachte Wagner Billig-Zugang Vedad Ibisevic und nach langer Verletzung Salif Sane. Ibisevic hatte gleich die große Chance zum Anschlusstreffer, verfehlte aber ganz knapp das Tor (53.), ebenso wie wenig später Nassim Boujellab (55.). Doch nach dem Foul von Ozan Kabak an Füllkrug und dessen drittem Tor per Foulelfmeter war die Luft endgültig raus, Schalke war noch gut bedient.