Tennis

Tsitsipas macht bestes Rothenbaum-Finale seit 2008 perfekt

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Björn Jensen
Stefanos Tsitsipas jubelt bei den Hamburg European Open am Rothenbaum über seinen Halbfinalsieg gegen Christian Garín.

Stefanos Tsitsipas jubelt bei den Hamburg European Open am Rothenbaum über seinen Halbfinalsieg gegen Christian Garín.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Der griechische ATP-Weltmeister trifft im Endspiel der Hamburg European Open auf Andrej Rubljow. Das weckt Erinnerungen.

Hamburg. Das Traumfinale am Rothenbaum ist perfekt. An diesem Sonntag (12 Uhr/NDR live) kämpfen der griechische ATP-Weltmeister Stefanos Tsitsipas (22) und der Russe Andrej Rubljow (22) um den Titel bei den Hamburg European Open. Seit 2008, als die beiden Branchenbesten Roger Federer (39/Schweiz) und Rafael Nadal (34/Spanien) im letzten Jahr das Finale bestritten, in dem das Hamburger Tennisturnier Mastersstatus genoss, standen die Finalisten nie besser in der Weltrangliste als diesmal. Tsitsipas ist Sechster, Rubljow wird acht Ränge hinter ihm an Position 14 geführt.

„Das haben wir uns verdient“, freute sich Turnierveranstalter Peter-Michael Reichel. Zum Endspiel hat sich Hamburgs Sportsenator Andy Grote als Ehrengast angesagt.

Was ihm der Finaleinzug bei seiner Rothenbaum-Premiere bedeutete, zeigte Tsitsipas mit seinen Jubelgesten nach dem hart erkämpften 7:5, 3:6, 6:4-Halbfinalsieg über den Chilenen Cristian Garín (24/Nr. 22), der ihm immerhin den ersten Satzverlust des Turniers beibrachte. Mehrfach sprang der neue Publikumsliebling über den Platz, schwang die zu Fäusten geballten Hände durch die Luft und ließ sich von den 2300 Besuchern auf dem unter Corona-Regeln erstmals ausverkauften Center Court feiern. „Ich genieße die Woche hier sehr, spiele gutes Tennis. Heute war es ein sehr nervenaufreibendes Match, aber ich habe es geschafft, meine Emotionen zu kontrollieren und in den entscheidenden Momenten ruhig zu bleiben“, sagte er.

Tsitsipas wäre der erste griechische Hamburg-Sieger

Der Knackpunkt des 2:15 Stunden dauernden Matches war beim Stand von 2:2 im dritten Satz ein Doppelfehler, mit dem Garín seinem Gegner ein Break servierte. Anschließend hielt Tsitisipas, der der erste griechische Hamburg-Sieger wäre, seinen Aufschlag und nutzte seinen ersten Matchball zum Sieg.

„Dieses Break war natürlich sehr wichtig. Man sieht das immer wieder im Tennis, dass solche Momente die Entscheidung bringen können“, sagte Tsitsipas, der bislang fünf ATP-Titel gewinnen konnte, allerdings noch keinen der 500er-Kategorie (500 Weltranglistenpunkte für den Sieger), zu der Hamburg zählt.

Um diesen Schritt am Sonntag gehen zu können, sei eine weitere Leistungssteigerung notwendig. „Rubljow wird der härteste Test der Woche. Aber wenn ich weiter hart arbeite, dann ist es möglich, auch diese Herausforderung zu bestehen“, sagte der Grieche, der gegen den Russen eine 1:1-Bilanz aufweist. Allerdings fanden beide Duelle auf Hartplatz statt.

Rubljow wiederholt Finaleinzug von 2019

Rubljow war im ersten Halbfinale des Sonnabends zum zweiten Mal in Folge ins Endspiel am Rothenbaum eingezogen – und wie! Er zeigte sich am Sonnabendnachmittag spielfreudig wie bislang im gesamten Turnier noch nicht und bezwang den Norweger Casper Ruud (21/Nr. 30) nach 1:25 Stunden Spielzeit mit 6:4, 6:2.

Rubljow, der Ruud 2019 in Hamburg im Achtelfinale in drei Sätzen ausgeschaltet hatte, schlug deutlich stärker auf als zuletzt, machte mit seiner Vorhand viel Druck von der Grundlinie und ließ den Überraschungs-Halbfinalisten des Mastersturniers in Rom in der vergangenen Woche selten zur Entfaltung kommen.

Bilder von den Hamburg European Open am Rothenbaum:

„Ich bin zum ersten Mal in meiner Karriere zweimal in Folge beim selben Turnier im Finale. Insofern ist Hamburg ein sehr spezielles Turnier für mich“, sagte der Weltranglisten-14., der in seiner Karriere bislang vier ATP-Turniere gewinnen konnte, aber ebenfalls noch keines der 500er-Kategorie. Im vergangenen Jahr habe sich der Finaleinzug wie ein Geschenk angefühlt, sagte Rubljow. „Da hatte ich viele enge Matches, lag oft aussichtslos hinten und habe doch noch gewonnen, aber nicht mit starkem Tennis überzeugt. In diesem Jahr fühlt es sich mehr an, dass ich es verdiene, im Finale zu sein.“

Rubljow wäre der zweite Russe nach Nikolaj Dawidenko 2009, der am Rothenbaum den Titel gewinnen würde. „Das Ergebnis sieht lockerer aus, als das Match war. Casper hatte in den vergangenen zwei Wochen einen tollen Run, ich habe heute die wichtigen Punkte gemacht. Aber ich wünsche ihm alles Gute für Paris“, sagte der Sieger. In Paris beginnen an diesem Sonntag die French Open, das dritte und in dieser seltsamen Corona-Saison letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres.