Hamburg. Der Schwergewichtler kam 2019 aus Kuba nach Hamburg. Am Sonnabend ist er Hauptkämpfer. Aufbaukampf über sechs Runden.

Jeder Profiboxer kennt sie, die Wendepunkte im Ring, die einer Karriere auf dem Weg in die Weltspitze den Weg bereiten können. Manchmal jedoch haben Entscheidungen außerhalb des Seilgevierts einen noch wichtigeren Einfluss auf den sportlichen Erfolg. José Larduet Gomez hat das erlebt im vergangenen Jahr. In der Vorbereitung auf die Amateur-WM 2019 im russischen Kasan setzte sich der Schwergewichtler aus dem Trainingscamp in Kienbaum nahe Berlin von Kubas Nationalstaffel ab, für die er elf Jahre lang aktiv gewesen war und 270 Kämpfe bestritten hatte.

„Ich wollte Profi werden, und da das auf Kuba verboten ist, wollte ich es in Deutschland versuchen“, sagt der 30-Jährige. Über Facebook nahm er Kontakt zu Flavio Mirabal auf, dem Matchmaker des Hamburger Profistalls Universum. Der 33-Jährige, dessen Vater Kubaner ist, spricht fließend Spanisch und lotste Larduet nach Hamburg, wo dieser ein Probetraining absolvierte. Eine Woche später bestritt der WM-Dritte von 2009 seinen ersten Profikampf für Universum.

Der WM-Titel ist Larduets Ziel

Ein gutes Jahr ist das nun her. An diesem Sonnabend (20.30 Uhr/live bei bild.de) ist der 194 Zentimeter große Faustkämpfer erstmals Hauptkämpfer. Auf dem ersten Universum-Kampfabend seit Ausbruch der Corona-Pandemie trifft er im Gym an der Großen Elbstraße auf den Engländer Josh Sandland (28). Ein Aufbaukampf ist das, angesetzt auf sechs Runden, für José Larduet aber auch ein Härtetest, nachdem er sich im Januar an selber Stelle gegen den Argentinier Mariano Strunz eine Absplitterung an der Kniescheibe zugezogen hatte.

„Ich bin wieder bei 100 Prozent“, sagt der Mann, dem Universum-Chef Ismail Özen zutraut, es mit den Größten der Königsklasse aufzunehmen. Der WM-Titel ist Larduets Ziel, er weiß allerdings auch, dass dafür extrem viel Arbeit notwendig sein wird. Und anders als viele seiner Landsleute, die nach der Flucht von der Karibikinsel dem süßen Leben im westlichen Kapitalismus mehr abgewinnen konnten als hartem Training, will er diese leisten. „Ich bin keiner, der viel ausgeht“, sagt er, „ich will mich nur aufs Boxen konzentrieren.“

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Sein Trainer, der frühere Universum-Weltmeister Juan Carlos Gomez (47), warne ihn stets davor, die Fehler zu wiederholen, die er selbst machte. Geld für Frauen und Partys auszugeben kommt für José Larduet deshalb nicht infrage. Er unterstützt lieber seine Mutter, die er auf Kuba zurückließ. Schließlich soll sich die Entscheidung von 2019 tatsächlich als Wendepunkt erweisen.