FC St. Pauli

Marvin Knoll: Flucht vor Luhukay war nie eine Option

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Am Sonntag war Marvin Knoll Kapitän  des FC St. Pauli.

Am Sonntag war Marvin Knoll Kapitän des FC St. Pauli.

Foto: TayDucLam / WITTERS

St. Paulis emotionaler Defensivspieler genießt zurückgewonnene Wertschätzung und sagt: „Ich wusste, dass ich länger hier sein werde“.

Hamburg. Die Trainingseinheit am Tag nach dem verdienten 1:0-Sieg im letzten Testspiel vor dem Saisonbeginn gegen das dänische Erstligateam von Sonderjyske verbrachte St. Paulis Defensivspieler Marvin Knoll vorwiegend auf dem Fahrradergometer. „Das war für meine Muskeln besser, als wenn ich auf dem harten Boden laufe“, sagte der 29-Jährige im Gespräch nach seinem Regenerationstraining.

Nebenbei schaute er mit einem Auge zu, wie seine Kollegen, die am Sonntag nur eine Halbzeit oder weniger gespielt hatten, bei Sonnenschein das Spielersatztraining absolvierten und sichtlich Spaß daran hatten, dass auch Co-Trainer Fabian Hürzeler beim Abschlussspiel auf verkleinertem Platz mitmischte.

Bei Luhukay hatte Knoll einen schweren Stand

Es ist nicht zu übersehen, dass Knoll sportlich und stimmungsmäßig wieder aufblüht, seit Timo Schultz den Posten des Cheftrainers übernommen hat – und das Kapitel Jos Luhukay beendet wurde. Beim Niederländer hatte gerade Knoll, der zuvor noch als potenzieller Kapitän gehandelt worden war, einen mehr als schweren Stand, obwohl er etwa am ersten der beiden Siege im Stadtderby gegen den HSV maßgeblich beteiligt gewesen war.

Auch wenn der Blick jetzt mit Zuversicht nach vorn geht, liegt die Frage, ob Knoll in der schweren Zeit an einen vorzeitigen Vereinswechsel, an eine Flucht vor Trainer Luhukay gedacht hatte, immer noch auf der Hand. Da Marvin Knoll keiner ist, der bei Fragen dieser Art um den heißen Brei herumredet, sprach er auch diesmal Klartext.

„Es hat mir alles schon wehgetan. Aber ich wollte mich nicht davon runterziehen lassen. Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, den Verein zu verlassen. Ich fühle mich ja hier wohl. Ich liebe das hier ja“, sagte er. Und weiter: „Ich wusste, wenn es so weitergeht, bleibe ich länger hier. So viel Ahnung habe ich auch vom Fußball.“

Ein Trainerteam, bei dem die Arbeit wieder Freude bereitet.

Knoll sollte bekanntlich mit dieser Prognose richtig liegen, und er freut sich jetzt umso mehr, in Person von Timo Schultz und dessen jungen, fachlich starken Assistenten Loic Favé und Fabian Hürzeler ein Trainerteam vor sich zu haben, bei dem die Arbeit wieder Freude bereitet.

„Man merkt es nicht nur bei mir. Du kommst in die Kabine und hast auch Lust, bleibst auch mal länger oder kommst früher, weil es einfach Spaß macht, hier zu sein“, sagt er. „Die Co-Trainer haben schon echt Ahnung von dem, was sie da machen. Mit denen kann man reden und auch mal einen Spaß machen. Man weiß ganz genau, wie sie es annehmen.“

Gut kommen bei Knoll auch die zum Teil ungewohnten Trainingsinhalte an, die Favé und Hürzeler in die tägliche Arbeit einbringen. „Bei manchen Übungen musst du schon ein paarmal überlegen, was er eigentlich von mir will. Zum Beispiel mit den Leibchen mit zwei Farben. Wenn du rechts angespielt wirst, bist bei Rot im Team, wenn du links angespielt wirst, bist du bei Blau. Aber es macht Spaß, weil es etwas Neues ist“, berichtet Knoll.

"Wenn ich es werden sollte, ist es für mich eine Ehre"

Doch jetzt, da die fünf Testspiele absolviert sind und am Sonntag mit dem DFB-Pokalmatch bei der SV Elversberg im Saarland das erste Pflichtspiel ansteht, wird es auch die ersten schmerzhaften Entscheidungen geben. Da die Verletztenlage überschaubar und die Leistungsdichte in mehreren Mannschaftsteilen hoch ist, stellt sich die Startelf nicht von selbst auf. „Jetzt kommen die Härtefälle. Es ist normal, dass nicht jeder glücklich ist, wenn er nicht spielt. So soll es auch sein“, sagt Knoll.

Ebenso offen wie einige Positionen in der Startelf für das Pokalmatch in Elversberg ist weiterhin, wer von den fünf in den Mannschaftsrat gewählten Spielern von Trainer Schultz zum Kapitän ernannt wird. Marvin Knoll ist ein Kandidat, gegen die Dänen von Sonderjyske trug er in den gesamten 90 Minuten die Binde, obwohl auch die anderen vier in Betracht kommenden Anwärter Robin Himmelmann (31), Christopher Avevor (28), Philipp Ziereis (27) und Daniel Buballa (30) in der Startelf standen.

War das trotz Schultz’ Dementi schon ein Fingerzeig? „Wir haben fünf im Mannschaftsrat, die alle schon ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung haben. Wer es davon jetzt wird, spielt eigentlich nicht die allergrößte Rolle, finde ich. Aber wenn ich es werden sollte, ist es für mich eine Ehre. Wenn ich es nicht werde, nehme ich es genauso hin“, sagt Marvin Knoll zu der mit Spannung erwarteten Entscheidung.