Crocodiles Hamburg

Schubert: "Ich befürchte, dass Eishockey ausstirbt"

Christoph Schubert (38) war von Sommer 2016 bis Dezember 2017 für die Crocodiles als Spieler aktiv.

Christoph Schubert (38) war von Sommer 2016 bis Dezember 2017 für die Crocodiles als Spieler aktiv.

Foto: Witters

Am Donnerstag entscheidet sich die Zukunft der Oberliga Nord. Der frühere Crocodiles-Kapitän sorgt sich um Fortbestand seines Sports.

Hamburg. Nichts weniger als die Zukunft der Oberliga Nord steht auf dem Spiel, wenn am Donnerstag in München das Spielgericht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) sein Urteil über die Zulassung der Icefighters Leipzig und der Hannover Indians trifft.

Beiden Vereinen war im Juli die Lizenz für die Saison 2020/21, die Mitte Oktober starten soll, aus wirtschaftlichen Gründen zunächst verweigert worden. Dagegen hatten sie Einspruch erhoben – unterstützt von diversen Ligakonkurrenten wie den Crocodiles Hamburg.

Vereine kündigen freiwilligen Abstieg an

Sollte die Entscheidung des Verbands bestätigt werden, droht ein Exodus der Vereine, die einen Spielbetrieb mit dann nur noch elf Teams angesichts der Kosten und der weiterhin undurchsichtigen Corona-Beschränkungen für Zuschauer für nicht durchführbar halten.

Mehrere Vereine haben für diesen Fall angekündigt, freiwillig in die Regional­liga abzusteigen – wobei nicht geklärt ist, ob ein solcher Schritt überhaupt von den Statuten gedeckt wäre.

Schubert verfolgt Entwicklungen interessiert

Christoph Schubert verfolgt die Entwicklungen mit großem Interesse. Nicht nur, weil er nach dem erzwungenen DEL-Abschied der Hamburg Freezers drei Jahre für die Crocodiles in der Oberliga tätig war; zunächst als Kapitän, nach seiner Ende 2017 erlittenen Schulterverletzung dann als Co-Trainer und Teammanager.

Sondern auch, weil er bis zur Corona-Zwangspause als Praktikant beim Ligarivalen Hannover Scorpions seinem von der Berufsgenossenschaft finanzierten Umschulungsstudium zum Sportbetriebswirt den praktischen Begleitrahmen geben konnte.

Corona-Krise trifft auch Christoph Schubert

Seit Anfang März beschränkt sich das Tätigkeitsfeld der Hamburger Eishockey-Legende auf Onlineunterricht an der Deutschen Sportakademie in Köln. Der 38-Jährige, der mit Ehefrau Janina und Sohn Lenni weiterhin in Eimsbüttel lebt, ist froh, dass ihm wenigstens das Studium geblieben ist.

„Ich kann von Glück reden, dass ich nicht warten muss, bis wieder Eishockey gespielt werden kann“, sagt er. Dennoch treffe auch ihn die aktuelle Situation hart. „Ich mache parallel meinen Trainer-B-Schein, kann aber die praktische Prüfung nicht ablegen, weil nirgendwo die Möglichkeit besteht, eine komplette Trainingseinheit zu gestalten, wie sie für den B-Schein gefordert ist.“

Ein Hoffnungsschimmer ist der Lehrgang der U-20-Nationalmannschaft in Füssen von diesem Sonnabend bis Mittwoch kommender Woche, zu dem er eingeladen wurde. „Ich freue mich sehr, mal wieder auf dem Eis stehen zu können“, sagt er.

"Befürchte wirklich, dass Eishockey ausstirbt"

Seine persönliche Situation ist für den früheren NHL-Verteidiger indes die kleinere Sorge. Weitaus ärgere Probleme sieht er auf das Eishockey im Allgemeinen und die Oberliga im Besonderen zukommen. „Ich befürchte wirklich, dass das Eishockey ausstirbt, wenn die aktuelle Lage noch länger anhält“, sagt er.

Knackpunkt sei die Zuschauerbeschränkung. Für Vereine in den vom DEB losgelösten Topligen DEL und DEL 2, die über weitläufige Arenen verfügten, sei eine Obergrenze besser umzusetzen als etwa für die Crocodiles, die im in die Jahre gekommenen Eisland Farmsen keine Abstandsregeln durchsetzen könnten und deshalb keine Chance hätten, ohne ausreichende Ticketingeinnahmen den Spielbetrieb zu finanzieren.

Schubert: "Ungleichheit wird verschärft"

„Hinzu kommt“, sagt Schubert, „dass die Voraussetzungen in den Bundesländern unterschiedlich sind. Das verschärft die Ungleichheit.“ Könnte die Oberliga in diesem Jahr nicht spielen, würden sich viele der 90 Prozent, die als Profis in der dritthöchsten Spielklasse aktiv sind, anderen Berufsfeldern zuwenden müssen. Weil auch der Nachwuchs nicht spielen kann, fürchtet Schubert ernste Konsequenzen für seinen Sport.

Warum die Oberliga nicht von staatlichen Hilfsmaßnahmen profitieren darf, obwohl sie seit einigen Jahren unter Profibedingungen agiert, kann er nicht verstehen. „Es macht mich traurig, dass Eishockey alleingelassen wird“, sagt er. So bleibt die einzige Hoffnung, dass Corona bald überwunden und zum Normalbetrieb zurückgekehrt werden kann. Christoph Schubert gibt sie nicht auf.