Leichtathletik

HSV-Sprinter Ansah-Peprah will den 100-Meter-Rekord knacken

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Lucas Ansah-Peprah läuft die 100 Meter in 10,31 Sekunden.

Lucas Ansah-Peprah läuft die 100 Meter in 10,31 Sekunden.

Foto: Witters

In Braunschweig finden deutsche Meisterschaften statt – trotz Pandemie und kurzer Wettkampfzeit. Vier Hamburger mischen mit.

Hamburg. „Late Season“ ist im Fachjargon die Umschreibung dafür, was die Leichtathleten in Deutschland in diesem Jahr durchleben: eine verkürzte Saison im Sprint. Eine Saison, die mit den ersten zugelassenen Freiluftmeetings Corona-bedingt Anfang Juli begann und mit den 120. deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Braunschweig rund einen Monat später im Grunde wieder endet. Ohne Olympia (verschoben) und EM (abgesagt) ist die DM der einzig verbliebene Höhepunkt der Saison, die bestenfalls Mitte September noch mit dem Istaf in Berlin abgerundet wird.

„Es ist eine Saison, die es so noch nie gegeben hat. Umso froher sind wir, dass wir vier Athleten bei der DM haben – und das im elitären Kreis, denn die Zulassungen sind wegen der Abstands- und Hygieneregeln reduziert worden“, sagt Sebastian Bayer (34). Der frühere HSV-Weitspringer und Halleneuroparekordler (8,71 Meter) fungiert in Hamburg als Landestrainer Leistungssport.

Lucas Ansah-Peprah (20/HSV) und Anna Holzmann (23/SC Poppenbüttel) jeweils über 100 und 200 Meter, HSV-Weitspringer Bennet Vinken (20) und Lisa Hausdorf (17) von der AG Hamburg West über 1500 Meter sind qualifiziert. „Vier Starter sind für unsere Ansprüche eigentlich zu wenig. Wir wollen mehr, wollen Medaillen gewinnen. Das ist das Ziel“, sagt Bayer über seine Schützlinge, die allesamt zu den Jüngsten im Feld zählen.

Bei der Hallen-DM waren noch sieben Hamburger Starter qualifiziert

Bei der Hallen-DM im Februar waren noch sieben Hamburger Starter qualifiziert. Der vor einer Woche mit einem Muskelfaserriss für die Freiluft-DM ausgeschiedene Owen Ansah (19/HSV) wurde Dritter über 200 Meter, Ansah-Pep­rah Vierter. Ihre Premierensaison bei den Männern begann vielsprechend. Doch dann kam Corona – und damit gesperrte Trainingsstätten, abgesagte Wettkämpfe, Abstandsregelungen. Trotz der Ungewissheit, ob überhaupt Wettkämpfe stattfinden würden, „haben wir durchtrainiert“, sagt Bayer, wenn auch erfinderisch. Zunächst musste auf Feldwegen gesprintet werden, auf der Wiese nebenan, im vorsichtigen Hamburg erst spät wieder auf der Jahnkampfbahn im Stadtpark. Die Vorbereitung war stark eingeschränkt, die Situation mental eine Belastung. „Vielleicht wäre noch mehr möglich gewesen“, sagt Bayer.

Die Sprinter brachten dennoch seit Juli Woche für Woche neue persönliche Bestzeiten auf die Bahn. Am vergangenen Sonnabend lief Ansah-Peprah die 100 Meter im kurpfälzischen Weinheim in 10,31 Sekunden, die sechstschnellste Zeit des Jahres in Deutschland. Nur noch sechs Hundertstel fehlen dem Quereinsteiger, der vor vier Jahren vom Fußball zur Leichtathletik kam, zum Hamburger Landesrekord – gehalten seit 1972 von Jobst Hirscht (SV Polizei/10,25), dem Sechsten der Olympischen Spiele in München. Am Sonnabend könnte die Marke fallen. Mit 11,65 Sekunden über 100 Meter hatte Anna Holzmann den knapp 30 Jahre bestehenden Hamburger Rekord Ende Juli bereits geknackt.

„Bei der DM geht es weniger um die Zeiten, sondern um Medaillen“

„Bei der DM geht es weniger um die Zeiten, sondern um Medaillen, um das Duell Mann gegen Mann, Frau gegen Frau“, sagt Bayer. Ansah-Peprah hat im 100-Meter-Feld mit Topfavorit Deniz Almas (23/VfL Wolfsburg/10,08) Endlaufchancen. Er müsse kühlen Kopf bewahren, dürfe die Rahmenbedingungen im Stadion ohne Zuschauer und nach strengen Zeitvorgaben fürs Aufwärmen und Betreten des Innenraums nicht an sich heranlassen, nicht an eine Verletzung denken. „Ich möchte die Älteren gerne ärgern. Ob das klappt, werde ich sehen, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen“, sagt der U-20-Staffeleuropameister des vergangenen Jahres, der sich gemeinsam mit dem nicht verwandten Ansah noch für einen Staffelplatz bei Olympia 2021 in Tokio empfehlen kann.

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Die übrigen Hamburger könnten ohne Druck befreit auftreten, so Bayer. Holzmann ist über 100 Meter 18. der Jahresbestenliste, Vinken (7,56 Meter) Achter, und Hausdorf gibt über 1500 Meter gar erst ihren Saisoneinstand. Die ARD überträgt am Sonnabend – mit den 100-Meter-Finals zum Abschluss – von 17.10 bis 19.55 Uhr live, das ZDF am Sonntag (17.10 bis 18.55 Uhr).

( tip )