Saisonfortsetzung

Hamburgs Hockey-Bundesligisten starten ins Ungewisse

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Björn Jensen
Bundesliga-Feldhockey, wie hier in der Partie Hamburger Polo Club gegen Nürnberg, soll Anfang September wieder  möglich sein.

Bundesliga-Feldhockey, wie hier in der Partie Hamburger Polo Club gegen Nürnberg, soll Anfang September wieder möglich sein.

Foto: Imago

Beginn der Vorbereitung auf die Saisonfortsetzung Anfang September. Ob diese stattfindet, weiß niemand.

Hamburg.  Das kommende Wochenende haben sich die Hamburger Vertreter aus der Feldhockey-Bundesliga der Herren im Kalender dick markiert. Die Hamburg Open stehen auf dem Programm, ein Vorbereitungsturnier, bei dem Uhlenhorster HC, Harvestehuder THC, Club an der Alster, Großflottbeker THGC und Hamburger Polo Club unter Beteiligung des Mannheimer HC erstmals unter Wettkampfbedingungen für den Wiederbeginn der Saison testen wollen. Dieser ist für das Wochenende 5./6. September geplant. Die vor Rückrundenstart im März unterbrochene Spielzeit 2019/20 soll mit Hin- und Rückrunde fortgeführt, die in der Hinrunde 2019/20 erzielten Punkte und Tore in der Starttabelle für die Saison 2020/21 angesetzt werden. Die Taskforce Bundesliga erarbeitet aktuell das Hygienekonzept, unter dem der Spielbetrieb mit Zuschauern durchgeführt werden soll.

Aktuell jedoch steht dieses Konzept massiv infrage, da Hamburg als einziges Bundesland neben Schleswig-Holstein weder Trainings- noch Spielbetrieb in voller Mannschaftsstärke von elf gegen elf erlaubt. Generelle Lockerungen dieser Corona-Auflage sind frühestens für Anfang September vorgesehen. Der Hamburger Hockeyverband hatte deshalb Ende Juli bei der Stadt eine Ausnahmegenehmigung für seine Erst- und Zweitligavereine erbeten. Diese ist, wie Sportstaatsrat Christoph Holstein dem Abendblatt bestätigte, aktuell in der Prüfung, eine Entscheidung könne möglicherweise noch in dieser Woche erfolgen. Fällt diese negativ aus, müssen die Clubs, die immerhin bei den Damen vier und bei den Herren sogar fünf der jeweils zwölf Erstligateams stellen, die lokalen Restriktionen weiter befolgen. Ein Bundesligastart wäre unter diesen Umständen unmöglich.

Hamburger Bundesligateilnehmer haben Verständnis für die besondere Situation

Eine Abendblatt-Umfrage unter den Coaches der neun Hamburger Bundesligateilnehmer ergab, dass alle Verständnis für die besondere Situation aufbringen und deshalb auch wie geplant in die Saison starten wollen, obwohl die Konkurrenz aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Berlin teils seit mehreren Monaten wieder uneingeschränkt trainieren und Testspiele bestreiten kann. Aber einen Vorlauf von weniger als 14 Tagen hält keiner für tolerabel. „Natürlich stößt man irgendwann an Grenzen, wenn man nicht unbeschränkt trainieren und spielen kann.

Der Wettbewerbsnachteil darf nicht zu gravierend sein“, sagt Wolfram von Nordeck, Cheftrainer der Herren des Großflottbeker THGC. „Wir haben viel im athletischen Bereich gearbeitet, aber drei bis vier Testspiele und 14 Tage Vollkontakttraining in voller Stärke brauchen wir, um wettbewerbsfähig zu sein“, sagt HTHC-Herrencoach Christoph Bechmann. HTHC-Damentrainer Christian Blunck regt an, angesichts der bereits gravierenden Nachteile die Saison ohne Absteiger auszuspielen.

Alle Vereine wollen unbedingt den Spielbetrieb aufnehmen

Bislang hat noch kein Hamburger Vertreter – bei den Damen spielen Alster, UHC, HTHC und Großflottbek in der Bundesliga – ein Testspiel außerhalb der Stadtgrenzen bestritten. Alle wollten, um die Corona-Vorgaben zu beachten, so wenige Reisen wie möglich absolvieren. Aber nun, da spätestens an diesem Dienstag alle in die unmittelbare Saisonvorbereitung starten, muss die Planung intensiviert werden. So wird zunächst erwogen, die Hamburg Open zumindest teilweise ins niedersächsische Lüneburg auszulagern.

„Wir stellen uns darauf ein, ständig auf die neuen Begebenheiten zu reagieren. Aber wir brauchen da, wo es möglich ist, Planungssicherheit“, sagt Claas Henkel, der die UHC-Damen betreut und mit diesen am Wochenende 22./23. August zu einem Turnier nach Worms reist, an dem auch die Alster-Damen teilnehmen werden. Diese reisen zusätzlich noch am letzten August-Wochenende in die Niederlande. Großflottbeks Herren planen eine Turnierteilnahme in Krefeld, die Polo-Herren wollen in Berlin testen und als einziger Hamburger Club auch ein Kurztrainingslager außerhalb der Stadt in St. Peter-Ording abhalten. Ob all das weniger gefährlich ist im Hinblick auf das Infektionsgeschehen als Testspiele innerhalb der Stadt, sei dahingestellt.

Vereinzelte Corona-Fälle unter Jugendspielern einiger Clubs

Unter Jugendspielern einiger Clubs gab es vereinzelt Corona-Fälle. Flächendeckende Tests hat bislang kein Verein durchgeführt, die Bereitschaft dazu sei aber gegeben, sagt Jens George, Cheftrainer der Alster-Damen. Fakt ist, dass alle Hamburger Clubs die Wiederaufnahme des Spielbetriebs herbeisehnen. Keiner der neun Cheftrainer konnte von Spielerinnen oder Spielern berichten, die aufgrund von Corona nicht antreten möchten. Im Gegenteil: Die Befürchtungen sind groß, dass im Falle einer erneuten Absage der Saisonfortsetzung die Auswirkungen gravierend sein könnten.

Die Zu- und Abgänge der Hamburger Clubs:

  • Damen: Club an der Alster: Abgänge: Elena Clococeanu (Ziel unbekannt), Emily Wolbers (Studium in den Niederlanden). Zugang: Laura Swanson (schottische Nationalspielerin).
  • Uhlenhorster HC: Abgänge: Marie und Eileen Mävers (beide Karriereende), Nina Notman (Großflottbeker THGC). Zugänge: Sofie Stomps (Schweizer Nationalspielerin), Ricarda Busch (Club zur Vahr).
  • Harvestehuder THC: Abgänge: keine. Zugänge: Josi Lampe (Braunschweig), Maren Kiefer (Mülheim).
  • Großflottbeker THGC: Abgänge: keine. Zugänge: Belen Iglesias Marcos (spanische Nationalspielerin), Nina Notman (UHC), Monika Polewczak (polnische Nationalspielerin), Lia Becker (eigene Jugend), Greta Nauck (Studium in den USA).
  • Herren: Alster: Abgänge: Bernhard Schmidt, Mo Gandhi (beide Ziel unbekannt), Bado Völckers (Klipper THC). Zugänge: keine.
  • UHC: Abgänge: Max Kapaun (Klein Zwitserland Den Haag), Milan Weber (Klipper). Zugang: Cameron Golden (schottischer Nationalspieler).
  • HTHC: Abgänge: Nicolas Page (nach England), Nqobile Ntuli (Lockdown in Südafrika), Tobias Posselt (beruflich), Lucas Wehrmann (Großflottbek). Zugang: Noah Darlington (England).
  • Großflottbek: Abgänge: Lukas Labonté, Max Roth, Johannes Justus, Jan Peters (alle beruflich), Louis Mausch (UHC-Jugend), Jonathan Wilkinson, Rory Patterson, Josh Pavis (alle nach England). Zugänge: Victor Aly (RW Köln), Lucas Wehrmann (HTHC), Jakub Janicki (polnischer Nationalspieler), Peter McKibbin (irischer Nationalspieler).
  • Hamburger Polo Club: Abgänge: Leon Willemsen, Bastian Greite, Paul Zettler, Nick Algner (alle beruflich), Bartosz Szmidt, Lukas Plochy (beide Ziel unbekannt). Zugänge: Kilian Pöhling (HC Rotterdam), Kane Russell, Blair Tarrant (beide neuseeländische Nationalspieler), Fabio Bernhardt (TSV Mannheim).

„Die Stimmung kippt langsam. Alle sind heiß, wollen wieder in den Wettkampf. Man braucht ein Ziel, auf das man hintrainiert. Wenn das weiterhin wegfällt, wird es schwierig“, sagt Katharina Frank, Co-Trainerin bei Großflottbeks Damen. Benedikt Schmidt-Busse, Chefcoach der UHC-Herren, sagt: „Wenn wir im Herbst draußen nicht spielen dürfen, wird auch die Hallensaison im Winter ausfallen. Eine Spielpause von dann eineinhalb Jahren wäre sehr belastend.“

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Um dieses Szenario abfedern zu können, arbeitet der UHC mit einem externen Experten an der Thematik der Teamführung ohne Wettkampfherausforderung. Noch jedoch hoffen alle, dass die Ausnahmegenehmigung bald erteilt wird – und die Hamburg Open nicht in Lüneburg ausgetragen werden müssen.