Coronavirus im Sport

Premier-League-Stars haben Angst vor Liga-Betrieb

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Sergio Aguero von Manchester City sagt, dass viele Profis in der Premier League Angst haben, den Ligabetrieb fortzusetzen.

Sergio Aguero von Manchester City sagt, dass viele Profis in der Premier League Angst haben, den Ligabetrieb fortzusetzen.

Foto: dpa

Frankfurts Geschäftsführer Bobic erwartet schwierigen Transfermarkt im Sommer. Galopp-Rennkalender muss weiterhin ruhen.

Kaum ein Thema polarisiert in diesen Tagen so, wie der Fußball. Nach den drei positiven Tests beim 1. FC Köln wird die Kritik wieder lauter, trotz der Coronapandemie den Trainings-und Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Die Entwicklungen am 2. Mai 2020 im Überblick:

Premier-League-Stars haben Angst vor Liga-Fortsetzung

Spiele auf neutralen Plätzen, keine Zuschauer in den Stadien und umfangreiche Corona-Tests für Profis: Das „Projekt Neustart“ in der Premier League nimmt immer konkretere Formen an. Für die Clubs ist die Fortsetzung inmitten der Pandemie weiter die einzige Option, nur einige Spieler blicken mit großen Sorgen in die Zukunft. Denn während die Liga an möglichst überzeugenden Sicherheitskonzepten arbeiten, äußerte Stürmerstar Sergio Agüero mit eindringlichen Worten seine Bedenken.

„Die Mehrheit der Spieler hat Angst, weil sie Kinder und Familien haben“, sagte der Angreifer von Meister Manchester City in einem Videointerview mit der Fußballshow "El Chiringuito". Er hoffe, dass „bald ein Impfstoff gefunden wird“. Die Klubs beeinflusste die Warnung des Argentiniers offenbar nicht. Nach einer fast vierstündigen Videokonferenz bekräftigte eine deutliche Mehrheit der Vereine das Vorhaben, die Saison trotz COVID-19 zu Ende bringen zu wollen.

Dies solle jedoch erst geschehen, wenn es „sicher und angemessen“ ist, teilte die Liga mit. Das letzte Wort hat aber auch auf der Insel die Politik, ohne Zustimmung müssen Jürgen Klopp und der FC Liverpool weiter auf den sportlichen Gewinn der ersten Meisterschaft seit 30 Jahren warten.

Eine Entscheidung wurde zwar noch nicht getroffen, in einem Punkt scheint aber bereits Einigkeit zu bestehen: Heimspiele soll es für die Klubs im weiteren Saisonverlauf nicht mehr geben, die Spielzeit in bis zu zehn ausgewählten Stadien auf neutralem Boden beendet werden. Dabei stehen nach Gesprächen mit den Sicherheitsbehörden offenbar Arenen abseits der Ballungsräume im Vordergrund.

Bobic erwartet Glücksspiel auf dem Transfermarkt

Fredi Bobic rechnet mit „vielen arbeitslosen Spielern“ durch die Coronavirus-Krise. „Der Transfermarkt wird voll von ihnen sein. Der Kuchen wird künftig wahrscheinlich um einiges kleiner sein“, sagte der Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt der „Süddeutschen Zeitung“. Deshalb würden viele Spieler jetzt „dankbar sein, wenn sie Verträge haben. Die Situation wird nicht mehr typischerweise die sein, dass der Spieler in der Super-Verhandlungsposition ist“.

Die Kaderplanung bei den Hessen beschränke sich derzeit darauf, „das zu pflegen, was wir haben“, sagte der Ex-Nationalspieler. „Aber alles geschieht unter dem Schirm der Fragen, die uns jetzt ständig begleiten: Spielen wir die Saison zu Ende? Gibt es noch mal einen Rückschlag? Wie entwickelt sich das Virus? Wann beginnt die neue Saison? Wann dürfen wieder Zuschauer ins Stadion? Woraus dann wieder andere Fragen entstehen: Welche Verträge mit Spielern müssten wir eigentlich jetzt verlängern? Können wir die überhaupt verlängern?“

Ein Spieler koste „jetzt vielleicht so viel Geld - aber im Herbst vielleicht viel weniger, weil die Preise immer weiter fallen“, sagte Bobic. „Der Transfermarkt kann ein irres Glücksspiel werden. Keiner weiß, wie lang die Transferperiode für die nächste Saison dauern wird.“ Viele nationale Verbände wüssten „zurzeit ja nicht mal, wann und ob überhaupt sie ihre Liga-Saison beenden dürfen“.

Weltmeister Kramer befürchtet schlechtere Spiele nach Corona-Pause

Für Rio-Weltmeister Christoph Kramer verschieben sich bei einer möglichen Fortsetzung der Fußball-Bundesliga die Prioritäten. „Ich finde, in so einer Phase geht es nicht um den Spaß oder um Tabellenplätze oder um das Gewinnen und Verlieren“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach der "FAZ": „Es geht darum, dass man wieder spielt, um weiteren Schaden von dem Produkt Bundesliga fernzuhalten.

Auch eine kurze Vorbereitungszeit für die Fortsetzung des Spielbetriebs fände Kramer deshalb nicht verantwortungslos. „Vielleicht ist das Spiel ein bisschen langsamer, oder hinten raus, ab der 80. Minute, geht allen die Puste aus“, sagte der 29-Jährige: „Ich weiß es nicht. Man sollte nicht zu kleinkariert da reingehen und sagen: Oh nein, wir haben gar keine richtige Vorbereitung gehabt. Erstens fehlt die allen, und zweitens steht etwas anderes im Vordergrund.“

Das fehlende Mannschaftstraining werde sich aber sicherlich bemerkbar machen, befürchtet Kramer: „Ein Elf-gegen-Elf habe ich jetzt ewig nicht mehr gespielt, und ich weiß, wie sich das nach einer längeren Pause anfühlt. Wenn wir nach der Sommerpause das erste Testspiel machen, denke ich nach 25 Minuten: Hey, wie soll ich jemals in meinem Leben noch mal 90 Minuten spielen. Das wird auch jetzt auf uns zukommen.“ Entsprechend hält der ehemalige Leverkusener eine Erhöhung der Auswechselmöglichkeiten für „plausibel“.

Das bislang einzige Bundesliga-Geisterspiel gegen den 1. FC Köln am 11. März fand Kramer „noch merkwürdiger als erwartet. Der Körper war nicht so richtig im Wettkampfmodus, obwohl der Kopf genau wusste, um was es geht.“

Grundsätzlich bieten Partien ohne Zuschauer aus seiner Sicht großes Überraschungspotenzial. „Entweder du spielst unkonzentriert, und wenn es schiefgeht, wird das Niveau schlechter. Oder es werden Kräfte freigesetzt, weil so ein Druckelement wie die Zuschauer fehlt. Dann kann es auch passieren, dass Mannschaften locker werden und erfrischend aufspielen“, sagte der zwölfmalige Nationalspieler.

Düsseldorfs Trainer will keine Spieler "unter den Bus" werfen

Trainer Uwe Rösler von Fortuna Düsseldorf hat sich mit Blick auf einen möglichen Restart der Fußball-Bundesliga besorgt über die Gesundheit seiner Profis geäußert. „Es darf nicht sein, dass wir die Spieler unter den Bus werfen, indem wir vier Wochen lang jeden dritten Tag spielen“, sagte 51-Jährige der "Rheinischen Post".

Man müsse englische Wochen spielen, „aber im Moment sind die Mannschaften in Deutschland dafür nicht präpariert“, ergänzte der Coach. „Ich würde nicht mit einer englischen Woche anfangen und auch nach der ersten wieder eine normale Trainingswoche einschieben. Ansonsten droht eine Häufung von Verletzungen.“

Die Bundesliga hofft trotz der anhaltenden Coronakrise, im Mai ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können. In der kommenden Woche wird eine Entscheidung der Politik erwartet.

Rennstart beim Galopp verzögert sich weiter

Die Wiederaufnahme des Rennbetriebs im Galopprennsport verzögert sich in der Coronakrise weiter. Der Dortmunder Rennverein sagte den für Montag geplanten Neustart am Sonnabend ab. „Wir sind mit unserem Anliegen auf viel Verständnis beim Land gestoßen, allerdings war nach der Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder die Zeit leider offensichtlich noch nicht reif für eine Öffnung“, sagte Verbandspräsident Michael Vesper.

Wann wieder Rennen veranstaltet werden, ist offen. „Wir werden weiterhin im Dialog mit den zuständigen Behörden bleiben“, sagte Vesper, der anmerkte: „Nach dem von uns erarbeiteten Hygienekonzept besteht durch Geisterrennen auf den weitläufigen Rennbahnen kein Infektionsrisiko, dass haben uns auch kommunale Gesundheitsämter bestätigt.“

Ob und wann das Galoppderby in Hamburg-Horn stattfindet, ist ebenfalls noch unklar. Sicher ist nur, dass es ein verkürztes Meeting werden wird, das aller Voraussicht nach ohne Zuschauer stattfinden wird.

( ber;dpa;sid )

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