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So hat Corona die Arbeit der Spielerberater verändert

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Spielerberater Jörg Neblung

Spielerberater Jörg Neblung

Foto: Imago

Stefan Backs und Jörg Neblung berichten, dass ihre Profis viele Fragen zu Kurzarbeit und Gehaltsverzicht haben.

Hamburg.  In früheren, besseren Zeiten liefen in dieser Jahreszeit die Geschäfte auf Hochtouren. Vereine suchten nach neuen Spielern, Spieler wollten sich verändern und suchten nach neuen Clubs. Verträge sollten verlängert werden, Angebote wurden unterbreitet. Sportchefs schickten Mails, WhatsApp-Nachrichten und hingen am Mobiltelefon. Am anderen Ende der Leitung: Der Spielerberater. Und jetzt? „Für viele Spieler und Kollegen ist die Verhandlungsgrundlage weggefallen“, sagt der Spielerberater Stefan Backs, „niemand weiß verlässlich, wie es weitergehen wird – und ob überhaupt in diesem Jahr.“

Damit ist die Planungsgrundlage entfallen. Die Vereine wissen nicht, wie sie die Krise überstehen, ob und wie sie da herauskommen. Backs ist sich lediglich über eines sicher: „Die Phase des Hochkapitalismus im Profigeschäft ist vorerst vorbei. Diese immens hohen Ablösesummen und Gehälter werden nicht mehr gehen, wenn der Rest der Wirtschaft um das Überleben kämpft.“

Transfers liegen auf Eis

Backs (55), der 20 Jahre lang in Hamburg gelebt hat, ist Partner und Geschäftsführer der Agentur Siebert und Backs und zuletzt als Vertreter des Torhüters Alexander Nübel bekannt geworden, der im Januar seinen Wechsel von Schalke 04 zu Bayern München bekanntgab. „Dadurch sind wir in einer anderen Situation als viele andere Berater“, sagt der ehemalige Sportjournalist. „Nübels Wechsel war noch vor der Coronakrise, der erste große Spieler auf dem Markt. Andere Transfers liegen jetzt auf Eis weil die Verhandlungsgrundlagen weggefallen sind.“

Sieben Spieler und acht Trainer beraten Siebert und Backs. Neben Nübel ist Torwart Ralph Fährmann der prominenteste Profi. Auch St. Paulis früherer Cheftrainer und heutiger Technischer Direktor Ewald Lienen wird von der Dortmunder Agentur unterstützt.

Wandel der Gesprächsinhalte

Jörg Neblung (52), einer der profiliertesten deutschen Spielerberater, bestätigt einen Wandel der Gesprächsinhalte mit den von ihm betreuten Spielern: „Seit gut zwei Wochen sind Kurzarbeit, Gehaltsverzicht sowie Gehalts- und Prämienstundung in den Fokus gerückt. Das sind Themen, die bisher im Orbit eines Profifußballers nicht wirklich aufgetaucht sind.“ Aber es gibt auch noch einen anderen Aspekt. „Darüber hinaus mache ich den Spielern klar, wie wichtig es jetzt ist, sich wirklich fitzuhalten. Was sie jetzt mehr investieren, wird ihnen zugutekommen, wenn es wieder losgeht. Dann müssen sie vorbereitet sein. Es ist für sie nicht ganz einfach, derzeit die Motivation Tag für Tag hoch zu halten“, sagt Neblung weiter.

Statt mit Clubmanagern zu verhandeln oder den Spielern Vermögenspläne auszuarbeiten, führt auch Backs jetzt zahlreiche Gespräche mit seinen Klienten, die zum Teil extrem verunsichert seien – etwa beim Thema Gehaltsverzicht. „Das hat ja zwei Seiten: Eine rechtliche – die Verträge sind gültig. Punkt“, sagt Backs, „aber auch eine moralische Seite natürlich.“ Helfen, Solidarität, klar. Das ist ein edles Motiv. Aber es könne auch nicht sein, dass ein Verein, der jetzt am Gehalt spart, im Sommer wieder Millionen für neue Spieler ausgibt. „Dann würden sich Spieler verarscht fühlen“, weiß der Berater.

Neblung erwartet einen Einbruch bei den Ablösesummen

Neblung allerdings erwartet auch einen Einbruch bei den Ablösesummen: „Kaum ein Proficlub wird die selben Budgets wie vor drei Monaten haben und investieren. Bei der Verpflichtung neuer Spieler wird noch stärker als bisher schon auf deren Entwicklungsfähigkeit geschaut werden.“

Ein Vertragsende, was seit dem Bosman-Urteil 1995 wegen der Ablösefreiheit ein Segen für die Spieler war, ist nun ein Problem. „Spielern, die gepokert haben, fällt die Grundlage weg. Der Markt ist derzeit praktisch nicht mehr da, neue Verträge werden sehr wahrscheinlich schlechter dotiert“, ahnt Backs. Diesen Trend habe es schon vorher gegeben, jetzt verstärke er sich für Profis um die 30, meint Neblung. „Nur absolute Topspieler werden weiter keine Probleme haben, neue Verträge zu erhalten – auch gegen Ablöse“, sagt der Kölner, zu dessen Klienten St. Paulis Torwart Robin Himmelmann zählt.

( ah/C.H. )

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