Sport in der Coronakrise

Fünf Vorschläge: So kann sich der Profifußball retten

Der Sportrechtler Prof. Markus Buchberger.

Der Sportrechtler Prof. Markus Buchberger.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Die Erst- und Zweitligaclubs müssen entscheiden, wie es in der Coronakrise weitergeht. Ein Sportrechtler nennt mögliche Szenarien.

Frankfurt/M. Der Stillstand des öffentlichen Lebens bedroht auch den deutschen Profifußball in seiner Existenz. Heute tagt wieder die Deutsche Fußball Liga (DFL). „Der Fußball hat es trotz Corona in der Hand, nicht unterzugehen“, sagt Professor Markus Buchberger, Dortmunder Fachanwalt für Sportrecht. Für die Zeitungen der Funke Mediengruppe hat er Lösungen analysiert.

1. Die Saison endet im Normalmodus

Zeitlich ist es noch möglich, die neun offenen Spieltage in beiden Lizenzligen auszutragen. Das würde bedeuten, dass 81 Meisterschaftspartien im Mai und Juni absolviert werden müssen, dazu das Nachholspiel Bremen gegen Frankfurt. „Das wäre im üblichen, wöchentlichen Spielrhythmus in zwei Monaten machbar“, sagt Professor Buchberger.

Für realistisch hält er dieses Szenario jedoch nicht. „Zur Vorbereitung auf die Fortsetzung des Spielbetriebs müsste direkt nach Ostern Training in Gruppen und wenig später Mannschaftstraining erlaubt sein. Danach sieht es im Moment nicht aus“, sagt der Jurist.

2. Die Saison endet im Turniermodus

Sollte sich im April zeigen, dass nicht im gesamten Mai gespielt werden kann, könnte in den Turniermodus geschaltet werden, um die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Um Reisen zu begrenzen, könnte je nach Region zentral in ausgewählten Stadien gespielt werden. Die Teams würden von Anfang bis Ende ihr Turnierquartier beziehen. Buchbergers Fazit: „Nachteil der Turnierlösung ist der kleine Zeitkorridor.

Weil die Terminlage eng ist, steigt das Risiko, dass Krankheitsfälle den Spielbetrieb in betroffenen Mannschaften nicht zulassen. Es drohen Wettbewerbsverzerrungen.“ Kann die Saison dann doch nicht zu Ende gespielt werden, wäre eine sportliche Wertung der aktuellen Tabelle schwierig: „Es gäbe zu viele Mannschaften, die eine unterschiedliche Zahl von Partien absolviert hätten.“

3. Der Turniermodus geht in die Verlängerung

Krankheitsfälle sowie weitere Spiel- und Trainingsverbote könnten im Turniermodus zur Folge haben, dass die Partien des letzten Spieltages nicht zur selben Zeit stattfinden können – nur so aber sollte sportlich fair eine Saison enden, sagt Buchberger. In diesem Fall können Clubs die Verlängerung der Saison in den Juli hinein beschließen, um Nachholspiele oder einheitlich den letzten Spieltag auszutragen.

Das Problem: Die Spielverträge enden zum 30. Juni, Spieler mit ausgelaufenen Verträgen könnten sich weigern anzutreten. Buchberger hält es jedoch rechtlich für möglich, dass die Folgen der Coronakrise aus Sicht der Vereine eine „Störung der Geschäftsgrundlage“ darstellen. Paragraf 313 des Bürgerlichen Gesetzbuches sehe vor, dass in diesem Fall eine Anpassung aller Verträge per Gesetz erfolgt. Anders gesagt: Die Verträge verlängern sich automatisch.

4. Die laufende Saison wird vorzeitig abgebrochen

Die Saison ohne Wertung zu annullieren, scheidet für Buchberger aus: „Ohne Wertung kann auch kein Teilnehmer an europäischen Wettbewerben benannt werden. Das ist ein Beschluss, der nur Verlierer produziert.“ Wird die Saison tatsächlich abgebrochen, dürfe es, so Buchberger, weder aus der Bundesliga noch aus der Zweiten Liga Absteiger geben.

Der Vorschlag: Die Bundesliga wird nach dem Saisonabbruch auf 22 Mannschaften aufgestockt, die aktuell ersten vier Mannschaften der Zweiten Liga steigen auf, also Bielefeld, Stuttgart, der HSV und Heidenheim.

5. Die laufende und nächste Saison werden zusammengelegt

Die ungewöhnlichste Idee: Die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021 werden als eine Saison gewertet, es würde der Deutsche Meister 2019/2021 ausgespielt. Die bisher erzielten Punkte der Teams bleiben erhalten, die sportlichen Entscheidungen fallen nicht nach dem 34. Spieltag sondern nach dem 68., im Mai 2021.

„Die größte Hürde dürfte eine Einigung mit Sky sein“, glaubt Buchberger. Nur wenn der wichtigste Übertragungspartner bereit sei, Vorauszahlungen auf künftige Spiele zu leisten, helfe diese Lösung wirtschaftlich weiter.