Coronakrise

DFL schreibt Bundesligaspiele vor Fans für diese Saison ab

Die Ticketschalter des HSV und der anderen Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga bleiben wegen der Coronakrise noch länger geschlossen.

Die Ticketschalter des HSV und der anderen Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga bleiben wegen der Coronakrise noch länger geschlossen.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Im deutschen Fußball wird frühestens im Mai wieder gespielt. Doch die Clubs wollen die Spieltage um jeden Preis nachholen.

Frankfurt am Main. In der Bundesliga und 2. Liga wird aufgrund der Coronaviruspandemie mindestens bis zum 30. April kein Fußball gespielt. Das haben die 36 Proficlubs im Rahmen einer virtuellen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga auf Empfehlung des DFL-Präsidiums beschlossen.

Das bislang letzte Bundesliga-Spiel fand am 11. März statt – das ursprünglich geplante Saisonende am 16. Mai ist längst nicht mehr zu halten. Ob der Spielbetrieb im Mai fortgesetzt werden kann, ist allerdings völlig offen. In Deutschland gelten aufgrund der Pandemie zahlreiche Einschränkungen im öffentlichen Leben, die auch über den April hinaus Bestand haben könnten.

Wenn überhaupt, dann werden die verbleibenden 163 Partien in den höchsten beiden Spielklassen wohl als Geisterspiele ausgetragen. Das Konzept für den Neustart muss von der Politik und den Gesundheitsämtern mitgetragen werden.

Bundesligaclubs erarbeiten Konzepte für Geisterspiele

"Zuallererst, und das ist nach wie vor keine Frage, geht es um die Kontrolle der Ausbreitung des Virus und insbesondere um den Schutz von Risikogruppen", sagte DFL-Chef Christian Seifert. "Das bleibt auch noch einige Zeit so." Es werde aber mit "Hochdruck" daran gearbeitet, "wie wir nach dieser Krise wieder aufstehen und weiterarbeiten können."

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erklärt neue Maßnahmen

Die Mitgliederversammlung traf dazu vier "wesentliche Entscheidungen". Neben der Aussetzung des Spielbetriebes soll bis zum 5. April das Mannschaftstraining unterbleiben. "Gleichzeitig entwickeln wir für alle 36 Standorte des Profifußballs Produktionskonzepte dafür, wie sich mit geringstmöglichem Personaleinsatz vorübergehend auch Spiele ohne Anwesenheit von Zuschauern durchführen lassen", sagte Seifert. Zudem wurde eine medizinische Taskforce eingerichtet und ein "weiteres Bündel an Maßnahmen" beschlossen, das die Clubs beim Lizenzierungsverfahren entlasten soll.

Die Deutsche Fußball-Liga stellt sich wegen der Corona-Pandemie auch über die derzeit ausgesetzte Saison hinaus auf mögliche Geisterspiele ein. "Mindestens bis zum Ende der Saison ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass wir noch mal vor vollen Stadien spielen", sagte Seifert. "Was nicht heißt, dass es realistisch ist, dass wir im August vor vollen Stadien wieder anfangen."

Serie könnte erst im Sepember enden

Der zumindest einigermaßen reguläre Saisonabschluss ist für viele Vereine von existenzieller Bedeutung – wird die Spielzeit 2019/20 abgebrochen, droht der Bundesliga ein finanzieller Verlust in Höhe von rund 750 Millionen Euro. Zahlreiche Spieler hatten sich bereits zum Gehaltsverzicht bereit erklärt, in den unteren Ligen ist Kurzarbeit für die Mitarbeiter längst ein Thema. Insgesamt werden im Fußballgeschäft mehrere Zehntausend Menschen beschäftigt.

Inwieweit die Saison abgeschlossen werden kann, was neusten Gedankenspielen zufolge auch erst im September der Fall sein könnte, hängt auch von den Plänen der Europäischen Fußball-Union ab. Sowohl die Champions League als auch die Europa League stecken derzeit im Achtelfinale fest. Davon sind fünf Bundesligisten betroffen. Dazu kommen offene Länderspiel-Termine. Die UEFA will sich am Mittwoch mit ihren 55 Mitgliedsverbänden beraten, möglicherweise wird auch ein Zeitplan vorgestellt.

Darüber hinaus müssen sich Fußballbosse mit den weiteren Auswirkungen der Pandemie beschäftigen, etwa mit rechtlichen Fragen bei eigentlich am 30. Juni auslaufenden Verträgen oder längst ausgehandelten Transfers zum 1. Juli. In Deutschland wird zunehmend die Verteilung der Gelder aus dem bald neu verhandelten TV-Vertrag ein Thema werden.

Normaler Spielbetrieb erst wieder 2021/22

Angesichts der massiven Einschränkungen durch die Coronaviruspandemie rechnet DFL-Chef Christian Seifert auch für die kommenden Saison mit erheblichen Spielplanänderungen und schließt auch Europapokalspiele am Wochenende offenbar nicht mehr aus. Für die kommende Spielzeit sei unter den Ligen und internationalen Verbänden "große Flexibilität und Entgegenkommen" gefordert.

Jeder müsse "die eine oder andere Kröte schlucken", meinte Seifert am Dienstag während einer Video-Pressekonferenz nach der DFL-Mitgliederversammlung auf die Frage, ob Champions-League-Partien an Sonnabenden im Anschluss an Bundesliga-Spiele zu erwarten seien. "Eine geregelte Saison wird es erst wieder 2021/22 geben", prophezeite der 50-Jährige.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen