Bouwman vs. Pechstein

Machtwort vom DOSB-Chef zu Schlammschlacht im Eisschnelllauf

Claudia Pechstein hat derzeit Zwist mit dem Eischnelllauf-Bundestrainer Erik Bouwman.

Claudia Pechstein hat derzeit Zwist mit dem Eischnelllauf-Bundestrainer Erik Bouwman.

Foto: dpa

Die heftigen Attacken von Bundestrainer Erik Bouwman auf Claudia Pechstein am Tag vor der WM in Hamar werden ein Nachspiel haben. Alfons Hörmann spricht ein Machtwort. Doch der Eisschnelllauf-Verband will das Thema zunächst intern behandeln.

Hamar. DOSB-Chef Alfons Hörmann fordert von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft Konsequenzen aus der von Bundestrainer Erik Bouwman ausgelösten Schlammschlacht mit Claudia Pechstein.

"Die Tatsache, dass sich ein amtierender Bundestrainer am Tag vor der Weltmeisterschaft gegen ein Teammitglied in dieser Qualität äußert, stimmt mich nachdenklich", sagte Hörmann der Deutschen Presse-Agentur. "Die damit verbundene Einmischung in die personelle Neuaufstellung des Präsidiums der DESG ist nicht akzeptabel. Wir hoffen sehr, dass die amtierende Verbandsführung umgehend eine entsprechende Klärung herbeiführt", forderte Hörmann, der die Entwicklungen mit Sorge verfolgt.

Bouwman hatte in einem von "Bild" veröffentlichten Brief Pechstein scharf attackiert und der 48 Jahre alten Berlinerin unterstellt, mit "populistischer Propaganda" zu versuchen, den Weg für ihren eigenen Profit zu sichern. Sie trage "eine Maske mit einer boshaften doppelten Agenda", schrieb Bouwman. "Es gibt viele, die so denken wie ich. Und es kann nicht sein, dass alle nur zuschauen, und keiner sagt etwas", begründete der Niederländer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur seine Äußerungen. "Deshalb war es jetzt vor der WM und den Wahlen in der DESG am 28. März der richtige Zeitpunkt."

Der Verband zeigte sich von Bouwmans Äußerungen überrascht. "Diese Eskalation ist nicht im Sinne der DESG", hieß es in einer knappen Stellungnahme. Die DESG wolle nun das Thema intern aufarbeiten - Konsequenzen ungewiss. Am Freitag hatte Bouwman seine Generalabrechnung in der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf" fortgesetzt. "Wir haben hier eine Schlangengrube mit Leuten, die zu einer sehr negativen Strömung gehören", sagte er bezogen auf Pechstein.

Aktivensprecher Moritz Geisreiter machte deutlich, "wie nervig und störend" der anhaltende Konflikt für die Athleten sei. Bouwmans Wortwahl sei "vielleicht etwas zu scharf", aber Athleten-Stimmen, die er seit Wochen höre, "gehen in eine ähnliche Richtung". Grundsätzlich zeige Bouwman mit seinen Äußerungen, dass er an einer Entwicklung im Verband interessiert sei. "Die Gründe für die Fehlentwicklungen liegen bei unserem Verband", sagte Geisreiter der dpa.

Unterdessen hat der frühere DESG-Präsident Gerd Heinze für Pechstein Partei ergriffen und den Brandbrief von Bouwman als "ungeheuerlich" gerügt. "Sein verbandsschädigendes Auftreten zu Beginn der WM muss Konsequenzen nach sich ziehen", schrieb Heinze auf Facebook.

Nach den Worten von Bouwman "sabotiert" eine Gruppe angeführt von Pechstein die Pläne des Verbandes, Anschluss an die Top-Nationen zu finden. Pechstein und Co. glaubten heilig an die Methode, mit der die ostdeutschen Spitzenläufer groß geworden waren. "Aber die Entwicklungen im Eisschnelllauf sind so schnell. Ständig gibt es Erneuerung." Wenn man da nicht mitmache, werde man verlieren. "Das ist in Deutschland geschehen. Wir sind jetzt ein Entwicklungsland."

Der seit Monaten schwelende Konflikt ist eskaliert, weil sich Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große um das vakante Präsidentenamt im Verband bewirbt und angekündigt hat, für den Fall seiner Wahl auf den Coach verzichten zu wollen. "Es hätte große Folgen, wenn Große gewählt wird", warnte Bouwman. "Ich fühle mich verpflichtet, die Alarmglocken zu läuten", fügte er hinzu.