Hamburg

Einstiger Squashmeister feiert Bundesliga-Comeback – mit 56

Ein Vorbild an Disziplin und Leistungswillen: der Hamburger Michael Ehlers (56), ehemaliger deutscher Squash-Meister.

Ein Vorbild an Disziplin und Leistungswillen: der Hamburger Michael Ehlers (56), ehemaliger deutscher Squash-Meister.

Foto: Roland Magunia / Funke Foto Services

Michael Ehlers ist einer der erfolgreichsten deutschen Spieler und tritt nun wieder an. Wie er sich derart fit halten konnte.

Hamburg. Michael Ehlers hat alles im Griff. Den Schläger, den Ball, den Gegner, den Raum. Mit schnellen Schritten durchmisst er den Court, vor und zurück, nach rechts und links, dominiert das Spiel, immer an der Wand entlang, am Ende setzt er einen perfekten Stoppball, gewinnt den Punkt.

Ehlers ist einer der besten und erfolgreichsten deutschen Squashspieler der vergangenen 40 Jahre, langjähriger Nationalspieler, 1986 deutscher Meister, zwölf Jahre später Seniorenmeister, siebenmal mit verschiedenen Vereinen deutscher Mannschaftsmeister, darunter zweimal mit dem Hamburger Squash- und Racketclub (DHSRC). Im Juni wird er 57 Jahre alt. Sein Autokennzeichen HH-ME 6306 verrät seine wichtigsten biografischen Daten.

Michael Ehlers Söhne spielen Hockey

Am Sonntag (14 Uhr) gibt Ehlers, Spielerpassnummer 900659, Altersklasse Ü55, nach rund zehn Jahren sein Comeback als Bundesligaspieler. Für das Quartett des Sportwerks Hamburg bestreitet er auf dem Glascourt des Sportcenters an der Hagenbeckstraße 124a das erste der vier Einzel. Sein Gegner Paul Wingelsdorf von den Los Amigos Squasher Harsefeld-Stade, 18. der deutschen Meisterschaft 2020, ist 36 Jahre jünger – vermutlich aber nicht fitter.

„Seien Sie sicher“, sagt Predi Fritsche, „Michael tritt nicht an, um anzutreten, um irgendwelche Altersrekorde zu brechen, er will gewinnen. Und er wird wahrscheinlich auch gewinnen.“ Fritsche (51), früher selbst Bundesligaspieler und mehr als 20 Jahre lang einer der Trainingspartner von Ehlers, wird am Sonntag auf der Tribüne sitzen. „Das lasse ich mir nicht entgehen“, sagt er. Auch Ehlers’ Ehefrau Bettina hat sich angesagt, die beiden Söhne, 18 und 23 Jahre alt, spielen Hockey.

Ehlers lächelt, als er Fritsches Sätze hört. Er weiß den Respekt zu schätzen, der ihm entgegengebracht wird. Sein größter Bewunderer aber bleibt Bart Wijnhoven (38), Leiter des Stellinger Sportwerks, Hamburger Nachwuchstrainer und ebenfalls Bundesligaspieler. „Er ist ein Vorbild, nicht nur für unsere Jugend, er ist einer, der mit Leidenschaft seinen Sport treibt. Wenn ich ihn bei uns auf der Anlage trainieren sehe, bin ich immer begeistert über seine Disziplin, seine Akkuratesse, sein Auftreten. Er motiviert mich“, sagt der Niederländer.

Sportlich konkurrenzfähig im Alter dank guter Gene und athletischer Pflege

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass langjährige Leistungssportler auch im höheren Alter konkurrenzfähig sind“, sagt der Hamburger Sportmediziner Prof. Klaus-Michael Braumann (70). Zudem sollte immer zwischen kalendarischem und biologischem Alter unterschieden werden.

Der US-Amerikaner Bernard Hopkins wurde als 48-Jähriger ein letztes Mal Profiboxweltmeister, die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (48), fünfmalige Olympiasiegerin, strebt 2022 in Peking ihre achte Teilnahme an Winterspielen an, sie wäre dann 50. Der schwedische Sportschütze Oscar Swahn ist mit 72 Jahren und 281 Tagen bis heute der älteste Medaillengewinner Olympischer Spiele. 1912 in Stockholm schoss er Gold, 1920 in Antwerpen (Belgien) Silber, beides im Team.

„Wenn jemand mit 56 Jahren in einer anspruchsvollen Bewegungs-und Koordinationssportart wie Squash in der Bundesliga mithalten kann, verfügt er natürlich auch über gute Gene. Ebenso wichtig aber bleibt die fortwährende athletische Pflege des eigenen Körpers“, sagt Braumann, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.

Physiotherapie? „Brauch’ ich nicht“, sagt Ehlers

Darauf hat Ehlers immer penibel geachtet. Eine halbe Stunde vor dem Training macht er sich zehn Minuten lang warm, dann dehnt er sich ausführlich, bevor er den Court betritt. Nach der Squash-Einheit folgen erneut 15 bis 20 Minuten Gymnastik. „Und das hält er seit 40 Jahren konsequent durch“, sagt der ehemalige Trainingspartner Fritsche nicht ohne Bewunderung.

Für Ehlers ist das eine Selbstverständlichkeit. Physiotherapie? „Brauch’ ich nicht“, sagt er, „kostet nur Geld.“ Auch seinen Trainingsrhythmus hat der Manager bei der Hamburger Lufthansa Technik, Abteilung Triebwerksüberholung, in den vergangenen Jahren beibehalten. Hat Ehlers Schicht von sechs bis 14 Uhr, steht er um 15 Uhr auf dem Court, vor dem Spätdienst (14 bis 22 Uhr) kommt er um elf Uhr auf die Anlage, weiterhin drei- bis viermal die Woche.

Die Schnelligkeit hat etwas nachgelassen

An Schlaghärte und -technik hat der 56-Jährige nichts eingebüßt, weiß Wijn­hoven nach zahlreichen Trainingsspielen. Nur seine Schnelligkeit und das Reaktionsvermögen hätten altersbedingt etwas nachgelassen, meint Ehlers. „Meine Leistungsfähigkeit gegenüber meinen besten Zeiten würde ich heute auf etwa 60 Prozent schätzen“, sagt er.

Das könnte reichen, um einen begabten, aber noch nicht hochklassigen Spieler wie Stades Paul Wingelsdorf besiegen zu können, glaubt Fritsche. Im deutschen Squash existiert zwar weiter eine starke Spitze, in den 1980er- und 1990er-Jahren gesellte sich dazu eine leistungsstarke Breite. Die fehlt heute.

Gegenüber seinen Glanzzeiten wiegt Ehlers, 1,80 Meter groß, fünf Kilo mehr, exakt 73,9 Kilogramm. Da nirgendwo bei ihm auch nur der Ansatz eines Bauches oder von Fettpolstern zu sehen ist, dürfte der Zuwachs Muskelmasse sein. Die hat ihm geholfen, weitgehend verletzungsfrei zu bleiben, Knöchel und Knie haben im Gegensatz zu vielen Kollegen über die Jahre gehalten. Das ist der Preis seines Fleißes.