Hallensport

Hamburgs jüngster Erstligist vom Aussterben bedroht

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Balanceakt fürs Foto: Sven Dönges (59, r.) und Christian Kretschmer (32) vom RKB Hamburg-Bille halten in der Trainingshalle in Lohbrügge ihre Radball­räder im  Stillstand.

Balanceakt fürs Foto: Sven Dönges (59, r.) und Christian Kretschmer (32) vom RKB Hamburg-Bille halten in der Trainingshalle in Lohbrügge ihre Radball­räder im Stillstand.

Foto: Tim Parge

Radballern des RKB Bille gelingt Aufstieg in die Hallenbundesliga. Sorgen um Nachwuchs, Bälle und Meisterschaft.

Hamburg.  Der „FC Bayern des Radballs“ (Abendblatt) wurden sie genannt, auf der Jagd nach Titeln „wie Real Madrid­“ („Bergedorfer Zeitung“). Zwischen 1996 und 2016 reihten die Zweiradakrobaten des RKB Hamburg-Bille zwölf deutsche Meisterschaften anein­ander. Allesamt gewonnen in der 6er-Rasenvariante des populäreren 2er-Hallensports. „Mittlerweile sind wir die Alterspräsidenten“, sagt Sven Dönges (59), Spielleiter bei den Bergedorfern.

Auch der Vergleich mit dem vom Aussterben bedrohten Dino hinkt bei der seit 1901 existierenden Ortsgruppe des Rad- und Kraftfahrerbunds (RKB) Solidarität nicht. Die (Kometen-)Einschläge rücken jedenfalls näher. Schon 2018 fand sich im Sommer kein Ausrichter für die Rasenmeisterschaft. 2020 droht dasselbe Schicksal. Zudem steht der europaweit letzte Produzent der mit Rehhaaren befüllten Radballbälle in Tschechien vor der Geschäftsaufgabe. „Aktuell werden keine neuen hergestellt“, sagt Dönges.

Der Sport kennt keine Altersgrenze

Da werden Lebenszeichen für Hamburgs letzten am Spielbetrieb teilnehmenden Verein umso wichtiger: Mit einem Altersschnitt von 42,5 Jahren gelang vor drei Wochen nach langer Abstinenz überraschend die Rückkehr in die 5er-Hallenbundesliga. Das Altherrenteam ist Hamburgs jüngster Erstligaaufsteiger. „Unser Sport kennt keine Altersgrenze“, sagt Kapitän Lars Hellberg (51), auch wenn es gegen die deutlich jüngere Konkurrenz schwieriger werde.

„Uns fehlt der Nachwuchs. Viele bringen nicht das Durchhaltevermögen auf, um das Radfahren quasi ein zweites Mal neu zu erlernen“, sagt Dönges. Kinder und Jugendliche heutzutage schon mal gar nicht. Es dauere ein Jahr, bis man überhaupt sicher fahren könne. Bis dahin sei an einen Spielbetrieb mit Schießen, Passen und Rad-an-Rad-Zweikämpfen nicht zu denken.

Größere Halle zu bekommen, ist schwer

16 Mitglieder zählt der RKB Hamburg-Bille. Trainiert wird zweimal die Woche in der spartanischen Einfeldhalle der Grundschule Leuschnerstraße in Lohbrügge. „Die macht uns wenigstens keiner streitig“, sagt Dönges. Zur Vorbereitung auf die 5er-Bundesliga, die mit zehn Teams im Oktober 2020 gespielt wird, bräuchte es jedoch ein ganzes Handballfeld. Doch eine größere Halle sei schwer zu bekommen. „Da sorgen sich die Hausmeister um ihren Hallenboden“, sagt Hellberg.

Gleiches gilt für den Wunsch, die Rasen-DM in Hamburg auszutragen. Da wird aus Sorge vor Furchen in den Fußballplätzen abgewinkt. „Wir müssen im Norden aufpassen, nicht ganz abgehängt zu werden“, sagt Hellberg, der einräumt: „Bislang fehlte uns die Zeit, selbst Angebote für Jugendliche zu schaffen.“ Auch Öffentlichkeitsarbeit im Internet wäre ein Ansatzpunkt. Immerhin reicht die Halle Leuschnerstraße geradeso so aus, um am Sonnabend (13 bis 18 Uhr) die erste Runde des Deutschland-Pokals im 2er auszurichten. Es ist ein weiteres Lebenszeichen.

( tip )

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